Bergdorf Valendas – ein ganzes Dorf im Denkmalfieber, Teil 1

07.08.2014 |  Von  |  Allgemein, Denkmalpflege
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Bergdorf Valendas – ein ganzes Dorf im Denkmalfieber, Teil 1
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„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, lautet die Devise der Einwohner und Förderer des kleinen Dörfchens Valendas im Schweizer Kanton Graubünden, die mit Hilfe einer Bürgerstiftung und ganz viel Eigeninitiative alte, halb verfallene Baudenkmäler wieder auf Vordermann bringen. Doch ab wann ist ein Baudenkmal ein Baudenkmal? In erster Linie steht der Erhalt historischer Gebäude auf dem Plan. Ob ein altes Haus auch gleichzeitig ein schützenswertes Kulturgut ist, soll dabei erst mal Nebensache sein, denn es geht um das Überleben einer ganzen Region.

Seit ein paar Jahren sind die fleissigen Eidgenossen des Bergdorfes Valendas im Kanton Graubünden am Werkeln. In einer paradiesisch schönen Gegend hoch über dem Rhein zeugen alte Herrenhäuser davon, wie wohlhabend die Region einmal gewesen sein muss. Von diesem Reichtum ist nicht mehr viel übrig. Viele Häuser stehen leer, drohen zu verfallen oder werden auf Staatsgeheiss einfach zum Abriss freigegeben, weil sie sich nicht als Denkmal eignen würden.



Dies ist ein Bericht über das Bergdorf Valendas in drei Teilen. Hier das Inhaltsverzeichnis:

Teil 1: Bergdorf Valendas – ein ganzes Dorf im Denkmalfieber

Teil 2: Bergdorf Valendas – ein ganzes Dorf im Denkmalfieber

Teil 3: Bergdorf Valendas – ein ganzes Dorf im Denkmalfieber





Valendas Carrera - in einer paradiesisch schönen Gegend hoch über dem Rhein (Bild: Adrian Michael, Wikimedia, GNU)

Valendas Carrera – in einer paradiesisch schönen Gegend hoch über dem Rhein (Bild: Adrian Michael, Wikimedia, GNU)

Das sehen die Einheimischen anders. Die Menschen haben eine Bürgerinitiative gegründet und wollen die alten Häuser wieder herrichten. Sie sollen als Feriendomizile für sanften Tourismus dienen, den Bewohnern mit Werkstätten und Läden Arbeitsplätze schaffen und auch junge Leute zum Bleiben in ihrem attraktiven Dorf bewegen. Denn ohne solche Eigeninitiativen würden die Ortschaften in den Bergregionen demografisch ausbluten.

Die 2005 durch den Schweizer Heimatschutz gegründete Stiftung Leben im Denkmal kümmert sich um die Renovation historisch wertvoller Bauzeugen und somit um die Denkmalpflege direkt vor Ort. Baudenkmäler werden erhalten, Ferienwohnungen für den sanften Tourismus entstehen, und die grossen und kleinen Feriengäste dürfen einen Aufenthalt in einem aussergewöhnlichen Gebäude erleben. Somit erwächst buchstäblich ein vierfacher Gewinn: für die Region, für die Menschen, für den Tourismus und für die Denkmalsubstanz. Die Stiftung Leben im Denkmal stellt auf ihrer Seite die Restaurationsfortschritte einzelner Gebäude vor.

Das Engihuus: Es hat begonnen – Denkmalpflege etappenweise

Jede erfolgreiche Renovation wird inzwischen von lokalen und überregionalen Medien gefeiert und mit Bild und Ton begleitet. Der eiserne Wille der Bewohner überzeugt auch Kritiker. Endlich fliessen erste Fördermittel, womit die privaten Geldbeutel geschont werden. Die sind ohnehin längst leer. Die Stiftung Valendas Impuls kümmert sich darum. In dem Bergdorf hat sich in den letzten Monaten viel getan. Es gibt eine kleine Tankstelle mit Miniladen, ein Gartencafé und einen Campingplatz für Outdoortouristen. Die Gemeinde hat zum Beispiel der Stiftung das historische Engihuus, ein ehemaliges prachtvolles Gasthaus direkt am Dorfteich, geschenkt, mit der Auflage, es wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und im Interesse der Dorfgemeinschaft zu nutzen.





Das Engihuus in Valendas (Bild: Stiftung Ferien im Baudenkmal)

Das Engihuus in Valendas (Bild: Stiftung Ferien im Baudenkmal)




Im Engihuus soll ein Bürger- und Touristenzentrum mit Restaurant und Gästezimmern entstehen – eine Begegnungsstätte für die malerische Bergregion im Kanton Graubünden und eine Impulsstätte für Einheimische, Touristen und Künstler. So, wie das ehrwürdige und prachtvolle Gebäude früher einmal als Gasthof und Poststation der Mittelpunkt der Dorfgemeinschaft war, soll es wieder werden. Das aufwendige Projekt wurde bewilligt, die Pläne unter Verantwortung des renommierten Bündner Architekten Gion A. Caminada liegen den Verantwortlichen vor, die Renovation hat begonnen.

Weitere grossartige Projekte im Bergdorf Valendas: Das Türalihus

Beim Türalihus handelt es sich um ein hochherrschaftliches Barockgebäude aus dem 15. Jahrhundert mit später angebautem Treppentürmchen, das dem Haus seinen Namen gibt. Das Herrschaftshaus steht mitten in der Ortschaft Valendas in der Nähe des Dorfplatzes direkt an der Hauptstrasse. Es ist nur eines von mehreren stattlichen Bürgerhäusern des Bergdorfes. Der älteste Gebäudeteil stammt nachweislich aus dem Jahr 1485.

Das Türalihus in Valendas (Bild: Stiftung Ferien im Baudenkmal)

Das Türalihus in Valendas (Bild: Stiftung Ferien im Baudenkmal)

Seit 2007 befindet sich das Türalihus im Besitz der Stiftung mit der Auflage, auch dieses Gebäude im Sinne der Dorfgemeinschaft herzurichten. Die erste Renovationsetappe konnte bereits Ende 2011 abgeschlossen werden. Unter dem Putz kamen viele gut erhaltene Fassadenverzierungen und Malereien zum Vorschein. Einige davon konnten fachgerecht restauriert werden, womit die Geschichte und Aura des Hauses bereits von aussen an der Fassade erkennbar wird.

Das Dach wurde mit Dachblech erneuert, der Treppenturm erhielt seinen typischen Schindelschirm. Alle Fenster wurden entweder repariert oder nach historischem Vorbild erneuert und (wegen der Wärmedämmung) mit passenden Vorfenstern versehen. Im Innern befinden sich prachtvolle Wandtäfelungen sowie erhaltenswerte Öfen und Kamine mit vornehmem Charakter.

Das Türalihus – Salon im 1. Stock (Bild: Adrian Michael, Wikimedia, GNU)

Das Türalihus – Salon im 1. Stock (Bild: Adrian Michael, Wikimedia, GNU)

Bei Beendigung des Bauvorhabens sollen zwei grosszügige Ferienwohnungen mit gehobenem Standard entstehen, zeitgenössische Küchen und Bäder inklusive. Der erste Renovationsabschnitt, die Aussensanierung, ist nunmehr abgeschlossen und kostete knapp eine Million Franken. Der gesamte Finanzierungsbedarf liegt bei zweieinhalb Millionen Franken. Mit dem Innenausbau des Türalihus’ kann erst begonnen werden, wenn die Finanzierung gesichert ist.

Wir von Denkmalpflege Schweiz bleiben für Sie am Ball und werden weiter berichten.



 

Oberstes Bild: Denkmalpflege im Bergdorf Valendas (© Paebi, Wikimedia, CC)

Über Claudia Göpel

Als gelernte Zahntechnikerin schreibe ich exzellent recherchierte Texte rund um die Themen Zahnmedizin, Allgemeinmedizin, Geriatrie und Gesundheit.
Sie profitieren mit mir als Auftragstexterin zudem von einem reichen Erfahrungsschatz in den Berufsbereichen Gastronomie, Kultur und Recht. Blog- und Fachartikel über Kinder, Tiere (Hunde, Katzen, Vögel, Fische, Reptilien, Kleinsäuger, Vogelspinnen), Pflanzen, Mode, Möbel und Denkmalschutz schreibe ich ebenfalls mit Begeisterung und reichlich Hintergrundwissen.
Zum Ausgleich verfasse ich in meiner Freizeit Kriminalstorys sowie erotische Kurzgeschichten, die unter dem Pseudonym Anastasia in zahlreichen Büchern und Erotik-Magazinen veröffentlicht sind. Ausserdem bin ich seit vielen Jahren ehrenamtlich als Klinikclown für kranke Kinder in deutschen Krankenhäusern und Hospizen aktiv.


1 Kommentar


  1. Danke für den freundlichen Bericht. Die lobend erwähnte Stiftung (die selber Mittelbeschaffung betreibt) des Schweizer Heimatschutzes heisst korrekt „Ferien im Baudenkmal“. Mit freundlichem Gruss, Andreas Cueni, Stiftungsrat

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