Schweizer Flüsse und Seen verkommen zum Spielplatz

09.08.2016 |  Von  |  Allgemein, News
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Schweizer Flüsse und Seen verkommen zum Spielplatz
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Baden, Bootfahren, Surfen: Im Sommer sind die Schweizer am liebsten im, am und auf dem Wasser. Dieses Vergnügen wird jedoch zunehmend gestört: Durch rücksichtslose Freizeitnutzung verkommen Seen und Flüsse zum Spielplatz. Der verstärkte Erholungsdruck auf die Schweizer Gewässer macht der Stiftung Landschaftsschutz grosse Sorgen.

Im Temporausch per Jetboot über den Brienzersee donnern? Eine Runde am Wakeboardlift auf dem Heidsee drehen? Kitesurfen mit atemberaubender Kulisse am Silvaplanersee? Oder Nervenkitzel pur beim Riferrafting im Hinterrhein? Das alles ist möglich auf dem Spielplatz der Schweizer Gewässer. In den letzten Jahren haben die Freizeitnutzungen auf den Schweizer Gewässer stark zugenommen, wie zwei aktuelle Beispiele zeigen.

Im Mai 2014 glaubten viele, das erste gewerblich betriebene Jetboot auf dem Brienzersee sei eine einmalige Sache. Da für den Betrieb keine Bewilligung erforderlich ist, bekämpfte die Stiftung Landschaftsschutz das Jetboot erfolglos. Diesen Sommer wurde auf dem Brienzersee das zweite Boot in Betrieb genommen und seit einem Jahr verkehrt ebenfalls ein Jetboot auf dem Zürichsee. Das erste Boot auf dem Brienzersee war der Dammbruch – nun wird die Geschäftsidee kopiert. Es ist zu befürchten, dass bald auf jedem Schweizer See Jetboote mit johlenden Kunden umherrasen.

Auch die Bergseen werden vom Freizeitrummel nicht verschont: Diesen Sommer wird auf dem Heidsee an der Lenzerheide ein Wasserskilift aufgestellt. Obschon der Heidsee in einem Landschaftsschutzgebiet liegt, das von Bauten und Anlagen freizuhalten ist, hat der Kanton den Betrieb des Wasserskilifts bewilligt. Die Auswirkungen auf die seltenen Vogelarten am Heidsee sind unklar. Nach dem Wintertourismus reizt die Destination Lenzerheide nun auch den Sommertourismus aufs Letzte aus und verbaut die schöne Berglandschaft mit Infrastrukturanlagen. Und auch diese Geschäftsidee wird bereits kopiert.


Eine immer intensivere Freizeitnutzung macht den Schweizer Flüssen und Seen zu schaffen. (Bild: © Anna Nahabed - shutterstock.com)

Eine immer intensivere Freizeitnutzung macht den Schweizer Flüssen und Seen zu schaffen. (Bild: © Anna Nahabed – shutterstock.com)


Letzte Woche hat eine Interessensgruppe ihr Projekt für die Anlage eines Badesees in Sumvitg präsentiert. Neben einem See für die Freizeitfischerei und einer Fischzucht ist auf dem Badesee ebenfalls ein Wasserskilift vorgesehen.

Die beiden Beispiele verdeutlichen den Wildwuchs an schnellen und lauten Nutzungen auf den Schweizer Gewässer und den steigenden Erholungsdruck. Sowohl die Jetboote wie auch der Wasserskilift führen zu einer grossen Beeinträchtigung für Viele und bieten Spass für Wenige.

Seen und Flüsse sind wichtige Erholungsgebiete mit hoher Aufenthaltsqualität. Der Mensch fühlt sich zum Wasser hingezogen. Gewässer sind Orte für vielfältige ästhetische Erlebnisse, ermöglichen Naturbeobachtungen und strahlen Ruhe aus. Durch die zunehmenden lauten und schnellen Nutzungen verkommen die Schweizer Gewässer aber zum Spielplatz.

Die Stiftung Landschaftsschutz setzt sich für die Erholungsqualitäten der Seen- und Flusslandschaften und das stille Erlebnis am Wasser ein. Die Gewässer sind auch ohne schnelle Boote und Wasserskilifte Spektakel genug!

 

Artikel von: STIFTUNG LANDSCHAFTSSCHUTZ SCHWEIZ (SL)
Artikelbild: © Anna Nahabed – shutterstock.com

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