Löwenburg – Ausgrabungen bringen uralte Artefakte zutage

30.09.2014 |  Von  |  Allgemein, Denkmalpflege
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Löwenburg – Ausgrabungen bringen uralte Artefakte zutage
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Löwenburg ist ein Weiler in unmittelbarer Nähe der kleinen Gemeinde Pleigne im Kanton Jura. Das denkmalgeschützte Objekt besteht aus einer Burgruine aus dem 10. Jahrhundert sowie aus einem Wehrhof aus dem 16. Jahrhundert.

Ein eigenes kleines Museum stellt die Siedlungs- und Bebauungsgeschichte des Areals Löwenburg dar. Bei der Bezeichnung Löwenburg handelt es sich nicht um den Namen einer Burg, sondern um ein Fleckchen Land auf einem Plateau über dem Lützetal, das sich mit seinen historischen Bauten unter Schirmherrschaft der kantonalen Denkmalpflege befindet.



Im Weiler Löwenburg wird Deutsch gesprochen

Ein Weiler ist ein besiedeltes Stückchen Land, das aus nur wenigen Gebäuden besteht; er ist grösser als ein Einzelgehöft, aber kleiner als eine Siedlung oder ein Dorf. Löwenburg befindet sich in der Nachbarschaft der Gemeinden Ederswiler und Roggenburg und stellt den deutschsprachigen Teil der französischsprachigen Gemeinde Pleigne dar. Die Spornlage in 585 Metern Höhe macht den Weiler eben zu etwas Besonderem.

In der Nähe wurden bedeutende Funde der Schweizer Frühgeschichte gemacht. Neandertaler nutzten in Kalkstein eingelagerte Silexplättchen zur Fertigung von Steinwerkzeugen. Etwa 9000 Jahre vor der Zeitrechnung war der Homo sapiens hier ansässig, was gefundene Lamellen, Klingen, Stichel und Kratzer aus dem Spätpaläolithikum belegen. Das Plateau der Löwenburg muss den Steinzeitmenschen als Werkstätte gedient haben.

Häuserensemble im Weiler Lucelle (Bild: Badener, WIkimedia, CC)

Häuserensemble im Weiler Lucelle (Bild: Badener, WIkimedia, CC)




Die Burg, von der heute nur noch Ruinen existieren, wurde im 10. Jahrhundert vom Sundgauer Geschlecht der Löwenberg erbaut, die einen Löwen im Wappen führten. Nach mehrfachem Besitzerwechsel fiel die Burg im 16. Jahrhundert an die Abtei Lützel, deren Mönche den Erhalt der Gemäuer jedoch vernachlässigten. Stattdessen bauten sie den im Burgbereich liegenden Gutshof aus und befestigten diesen mit einer Ringmauer. Es entstanden Wohn- und Verwaltungsgebäude, ein Eingangsturm und eine spätgotische Kapelle. Im Dreissigjährigen Krieg diente Löwenburg als Zufluchtsort für die Mönche aus Lützel (Abbaye de Lucelle) im heutigen Frankreich.

Im 18. Jahrhundert wurde Löwenburg erneut erweitert und erhielt ein Pächterhaus, ein Gästehaus und eine Käserei, in der sich heute das kleine Heimatmuseum befindet. Ein Modell rekonstruiert die ehemalige Burg im intakten Zustand. Besonders interessant sind die ausgestellten Artefakte, die anschaulich das mittelalterliche Alltagsleben dokumentieren. Als besonders wertvoll gilt ein altes Papstsiegel.

Seit 1956 kümmert sich die Basler Christoph-Merian-Stiftung um den Weiler Löwenburg und die fachgerechte Restaurierung der Gebäude. Seitdem ist rings um Löwenburg eine kleine, aber feine Rinderzucht ansässig.



 

Oberstes Bild: Das kleine Museum in Löwenburg zeigt wertvolle Artefakte.
(T.viville, WIkimedia, CC)

Über Claudia Göpel

Als gelernte Zahntechnikerin schreibe ich exzellent recherchierte Texte rund um die Themen Zahnmedizin, Allgemeinmedizin, Geriatrie und Gesundheit.

Sie profitieren mit mir als Auftragstexterin zudem von einem reichen Erfahrungsschatz in den Berufsbereichen Gastronomie, Kultur und Recht. Blog- und Fachartikel über Kinder, Tiere (Hunde, Katzen, Vögel, Fische, Reptilien, Kleinsäuger, Vogelspinnen), Pflanzen, Mode, Möbel und Denkmalschutz schreibe ich ebenfalls mit Begeisterung und reichlich Hintergrundwissen.

Zum Ausgleich verfasse ich in meiner Freizeit Kriminalstorys sowie erotische Kurzgeschichten, die unter dem Pseudonym Anastasia in zahlreichen Büchern und Erotik-Magazinen veröffentlicht sind. Ausserdem bin ich seit vielen Jahren ehrenamtlich als Klinikclown für kranke Kinder in deutschen Krankenhäusern und Hospizen aktiv.



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