Fabelhafte Wasserspeier: die Basiliskenbrunnen von Basel

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Fabelhafte Wasserspeier: die Basiliskenbrunnen von Basel
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Der Basilisk ist Schildhalter des Basler Wappens und gewissermassen das Lieblingsmonster der Stadt.

Doch wie kam das schaurige Fabeltier an den Rhein? Und warum gibt es so viele gleich aussehende Basiliskenbrunnen in Basel?

Kleine Ungeheuer mit ungewisser Herkunft

In Basel gibt es jede Menge Basilisken. Das Mischwesen aus Hahn und Schlange ziert Fassaden, Brücken und Brunnen. Bewohnern und Besuchern der Stadt begegnet es an Hotelreceptions, am Radio, im Circus und in den Namensschildern und Logos zahlreicher Unternehmen. Zu den ältesten Darstellungen gehören die Basilisken an der Galluspforte des Basler Münsters. Diese Abbildungen entstanden bereits im 12. Jahrhundert, während der Basilisk als Schildhalter im Wappen erstmals um das Jahr 1448 auftauchte.

Basel, Basilea, Basilisk: Die Ähnlichkeiten im Klang lassen vermuten, dass das kleine Ungeheuer schon bei der Namensgebung der Stadt Pate stand. Das ist jedoch eher unwahrscheinlich. Umgekehrt könnte das naheliegende Wortspiel aber dazu beigetragen haben, dass Basel sich für den Basilisken als Wappenhalter und Maskottchen entschied. Dabei ist der mythologische „König der Schlangen“ grundsätzlich kein Tier, das man sich gern ins Haus holen würde.

Laut Mythologie ist der Basilisk trotz seiner geringen Grösse sehr gefährlich. Das drachenähnliche Geschöpf kriecht aus einem Ei, das von einem mindestens sieben Jahre alten Hahn in den Mist gelegt und von einer Kröte oder Schlage ausgebrütet wurde. Folglich ist ein frisch geschlüpfter Basilisk kaum grösser als ein Küken. Sein giftiger Atem und sein scharfer Blick sind jedoch tödlich: Durch blosses Ansehen kann der Basilisk Felsen sprengen und Menschen versteinern lassen.


Der Basilisk ist Schildhalter des Basler Wappens. (Bild: © Andreas Schwarzkopf, Wikimedia, CC BY-SA 3.0)

Der Basilisk ist Schildhalter des Basler Wappens. (Bild: © Andreas Schwarzkopf, Wikimedia, CC BY-SA 3.0)


Der Schlangenkönig kriecht nicht wie ein Reptil, sondern geht aufrecht auf den Hinterbeinen. Wo er hintritt, verdorrt das Gras, und die Pflanzen verwelken. Sein Gift durchdringt Schild und Lanze und bringt jeden, der mit Waffengewalt gegen ihn vorgeht, augenblicklich zur Strecke. Seine schrecklichen Fähigkeiten wirken jedoch nur im Tageslicht: Wer einen Basilisken in seinem Keller entdeckt, muss die Kellertür fortan geschlossen halten und hoffen, dass das Monster binnen Jahresfrist von selbst wieder auszieht.

Gefährlich für die Monsterechse sind nach alter Überlieferung nur ihr eigenes Spiegelbild und die Ausdünstungen des Wiesels. Um einen Basilisken zu töten, muss man ihm also entweder einen Spiegel vorhalten, damit sein furchtbarer Blick ihn selbst erledigt, oder ein Wiesel fangen und in die Basiliskenbehausung scheuchen (oder werfen).

Legendäre und echte Basilisken in Basel

Die berühmteste Basler Basiliskenlegende erzählt von einem Basilisken, der in einer Höhle unter dem heutigen Gerberbrunnen hauste. Ein Relief im Rathaus erinnert an die beiden mutigen Gerber, die es wagten, das Untier anzugreifen. Die im Jahr 1927 angebrachte Inschrift am Gerberbrunnen verweist auch auf den Symbolcharakter des Basilisken und mahnt die Stadtbevölkerung, sich vom Drachen der Zwietracht zu befreien.

Ebenfalls weithin bekannt ist das von Christian Morgenstern verfasste Gedicht über einen Basler Tierprozess im Jahr 1474. Damals konnten auch Tiere für verschiedene Vergehen vor Gericht gestellt und verurteilt werden. In Basel traf es einen elfjährigen Hahn, dem man vorwarf, entgegen den Naturgesetzen ein Ei gelegt zu haben. Um zu verhindern, dass daraus ein Basilisk schlüpft, wurde das Corpus Delicti verbrannt. Dem alten Hahn, der zu seiner Verteidigung wenig vorzubringen wusste, schlug man nach einem ordentlichen Prozess den Kopf ab.


Laut Mythologie ist der Basilisk trotz seiner geringen Grösse sehr gefährlich. (Bild: © Luca-bs, Wikimedia, CC BY-SA 3.0)

Laut Mythologie ist der Basilisk trotz seiner geringen Grösse sehr gefährlich. (Bild: © Luca-bs, Wikimedia, CC BY-SA 3.0)


Es gibt eine weitere Legende, nach der ein Kaufmann den ersten Basilisken nach Basel gebracht haben soll. Fest steht natürlich, dass Kaufleute neben nützlichen und schönen Waren auch viel Verdächtiges im Gepäck haben können. Wo der Handelsmann das Monster aufgelesen und wie er es transportiert hat, ist allerdings ebenso unklar wie die Gründe des Basilisken für seine Reise in die Schweiz.

Einen lebendigen Basilisken kann man im Tropenhaus des Botanischen Gartens bestaunen: Der dort wohnende Stirnlappenbasilisk (Basiliscus plumifrons) gehört einer Leguanart an, die ursprünglich in Honduras oder Panama beheimatet ist. Ausser dem Namen hat die zierliche Echse mit dem Lieblingsmonster der Stadt allerdings wenig gemeinsam – zum Glück, denn wäre das anders, gäbe es sicher erhebliche Probleme mit der artgerechten Haltung.

Die Basler Basiliskenbrunnen

Das starke Wachstum der Stadt Basel im 19. Jahrhundert machte eine neue Regelung der Trinkwasserversorgung erforderlich. Man brauchte Brunnen, die kompakt gebaut waren und das kostbare Wasser nur bei Bedarf spendeten. Die zuerst installierten Ventilbrunnen und simplen Stockbrunnen waren zwar praktisch, doch in ästhetischer Hinsicht genügten sie schon bald nicht mehr den gehobenen Ansprüchen der Basler Stadtbevölkerung.

Bei einem Wettbewerb zur Gestaltung neuer und schönerer Trottoirbrunnen im Jahr 1884 setzte sich der Vorschlag des ausgebildeten Architekten Wilhelm Bubeck durch. Sein Entwurf sah als Brunnenfigur einen wasserspeienden Basilisken vor, der das Baslerwappen hält. Am Fuss des Brunnens ist eine kleine Trinkschale angebracht, damit auch Hunde und andere Tiere ihren Durst an den neuen Stadtbrunnen stillen können.



Zunächst wurden 19 Basiliskenbrunnen gegossen und in der Stadt aufgestellt; der erste sprudelte 1896 am Totentanz in der St. Johanns-Vorstadt. 30 weitere folgten, von denen viele an andere Städte verschenkt wurden – etwa an Zürich, Wien, Moskau und Shanghai. Heute gibt es noch 28 der wasserspeienden Fabeltiere in Basel. Alle zeigen in Richtung des Rheins, nur nicht der Brunnen gegenüber dem Münster auf der Kleinbasler Seite. Er steht anders herum, damit fotografierende Touristen den Kopf und nicht die Rückseite des Basilisken zusammen mit dem Münster ablichten.

 

Artikelbild: © Valery Shanin – shutterstock.com

Über Christine Praetorius

Christine Praetorius, Jahrgang 1971, spricht und schreibt über Neues, Altes, Schönes und Kurioses. Ich liebe Sprache und Musik als die grössten von Menschen für Menschen gemachten Freuden – und bleibe gerne länger wach, um ihnen noch etwas hinzuzufügen. Seit 2012 arbeite ich mit meinem Mann Christian als freie Texterin, Autorin und Lektorin.


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