Erstmals in der Übersicht: Liste historischer Gärten in der Schweiz

30.09.2014 |  Von  |  Allgemein, Denkmalpflege
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Erstmals in der Übersicht: Liste historischer Gärten in der Schweiz
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Nicht nur alte Bauwerke, technische Denkmäler, Monumente und Skulpturen werden von den Mitarbeitern der Denkmalpflege betreut, auch Gartenanlagen gehören dazu. Die Gartendenkmalpflege hat erstmals alle historischen und schützenswerten Gärten der Schweiz erfasst.

Die in 20-jähriger akribischer Arbeit erstellte Gartendenkmal-Liste umfasst 30’000 Gärten, Kleinparks und Gartenanlagen im öffentlichen und privaten Besitz. Seit 1995 haben Fachleute und interessierte Laien alle erhaltenswerten Parks, Anlagen und Gärten aus der Zeit vor 1960 erfasst. Endlich können sich die Denkmalpfleger anhand einer offiziellen Inventarliste informieren und Schutzmassnahmen einleiten, wenn das nötig werden sollte. Denn nicht jeder Privatbesitzer ist in der Lage, seinen historischen Garten fachgerecht zu pflegen. Es ist jedoch von höchster Bedeutung, diese historischen Anlagen zu schützen und für die Nachwelt zu erhalten.



Den Abschluss der Erfassungsarbeiten verkündeten Sprecher des Bundesamts für Kultur (BAK) und der Schweizer Abteilung des Internationalen Rates für Denkmalpflege (ICOMOS) Anfang Juli 2014 in einem der Listen-Objekte: natürlich in einem Garten. Gewählt wurde hierfür der beeindruckende Hochgarten des historischen Béatrice-von-Wattenwyl-Hauses in Bern. Auf dieses gärtnerische Schmuckstück gehen wir in diesem Bericht weiter unten noch etwas näher ein.

„Gessner–Garten“ im Alten Botanischen Garten „zur Katz“ in Zürich (Bild: Roland zh, Wikimedia, CC)

„Gessner–Garten“ im Alten Botanischen Garten „zur Katz“ in Zürich (Bild: Roland zh, Wikimedia, CC)

Bern ist in der Gartendenkmalliste besonders stark vertreten

Die letzten Zählungen wurden im Kanton Waadt absolviert (3278 Gartendenkmäler). Alle gelisteten Gärten und Anlagen sind über die Internetseite von ICOMOS Schweiz unter der Service-Nummer 043 300 20 80 abrufbar. Machen Sie doch mal einen virtuellen gärtnerischen Rundgang! Fragen Sie nach ein paar attraktiven Objekten in Ihrer Nähe, die Sie bei einem Wochenendausflug zu Fuss, per Bahn oder mit dem Motorrad erreichen können. Sie werden bereits von den Fotos begeistert sein, die zu fast jedem Garten im Internet zu finden sind. Doch ein realer Besuch vor Ort ist viel schöner.



Jedenfalls hat sich beim Sichten der gesammelten Daten herausgestellt, dass der Kanton Bern die meisten historisch wertvollen Gärten und Anlagen in der gesamten Schweiz besitzt, noch vor Tessin (4649) und St. Gallen (3990). Die exakte Zahl der als besonders schutzwürdig eingestuften Gartenanlagen im Kanton Bern lautet 6155. Die grosse Zahl der gärtnerischen Denkmäler kann Brigitte Nyffenegger, Mitarbeiterin der Abteilung Gartenpflege bei der ICOMOS Schweiz, mit den unzähligen herrschaftlichen Landsitzen und Grossbauerngärten erklären. Die wenigsten historischen Anlagen gibt es mit 78 in der Basler Landschaft.





Rosengärten in Rapperswil (Bild: Roland zh, Wikimedia, CC)

Rosengärten in Rapperswil (Bild: Roland zh, Wikimedia, CC)

Die Gartendenkmal-Liste ist NICHT rechtsverbindlich, sondern stellt nur ein Arbeitsinstrument für die Denkmalpfleger dar. Kein privater Gartenbesitzer kann sich in die Liste einklagen, ebenso kann sich kein Eigentümer einer in der Liste aufgeführten Gartenanlage herausklagen. Es bestehen keinerlei Ansprüche oder Einschränkungen. Sollte die Inventarliste nämlich rechtsverbindlich sein, so könnten dem Besitzer Nutzungseinschränkungen auferlegt werden, andererseits hätte er Anspruch auf Fördermittel für den Erhalt der Anlage.

Allerdings haben die Mitarbeiter der Denkmalpflege ein waches Auge auf den Erhalt und die Pflege der Gärten und Anlagen und geben Hilfestellung, wenn es nötig wird. Hierfür können Sie vermittelnd tätig werden, vor allem wenn der in der ICOMOS-Liste aufgeführte Garten nicht als nationales Kulturdenkmal gelistet ist (dann gäbe es nämlich Subventionen). Die kantonalen Gartendenkmalpfleger besitzen einen guten Draht zur ICOMOS Schweiz, in der Restauratoren, Steinmetze, Architekten und Gartenbauingenieure vereinigt sind.

Blick über den Schanzengraben nach Norden auf das Bollwerk „zur Katz“ mit dem Arboretum des Botanischen Gartens in Zürich. (Bild: Roland zh, Wikimedia, CC)

Blick über den Schanzengraben nach Norden auf das Bollwerk „zur Katz“ mit dem Arboretum des Botanischen Gartens in Zürich. (Bild: Roland zh, Wikimedia, CC)

Leitfaden für Besitzer historischer Gärten

Der Schutz historischer Gärten und Gartenanlagen mit öffentlicher Unterstützung steht in der Schweiz erst am Anfang. Doch ist es von höchster Bedeutung, diese historischen Anlagen zu schützen und für die Nachwelt zu erhalten. Für die einzelnen Kantone haben BAK und ICOMOS Schweiz einen Leitfaden beziehungsweise eine Broschüre mit dem Titel „Gartendenkmäler in der Planung“ herausgebracht, der an Behörden und Fachleute verschickt wird. Denn die „Schutzinstrumente“ für den Erhalt der Gärten unterscheidet sich von Kanton zu Kanton.



Privatleute können den Leitfaden bei der ICOMOS direkt herunterladen. Die Unterstützung für die Besitzer historischer Gartenanlagen und Parks soll ideeller und finanzieller Natur sein. Das zumindest erklärte BAK-Vorsteherin Isabelle Chassot anlässlich der Medienkonferenz zur öffentlichen Vorstellung der Liste Anfang Juli 2014. Nähere Informationen sowie kompetente Ansprechpartner finden Sie über die offizielle ICOMOS-Webseite: http://www.icomos.ch/arbeitsgruppen/gartendenkmalpflege/aktuelle-projekte.html

Das Béatrice-von-Wattenwyl-Haus in Bern (Bild: Sandstein, Wikimedia, CC)

Das Béatrice-von-Wattenwyl-Haus in Bern (Bild: Sandstein, Wikimedia, CC)

Das Béatrice-von-Wattenwyl-Haus in Bern

Wie versprochen, erfahren Sie zum Schluss einige Eckdaten dieses beeindruckenden Schmuckstückes in Kurzform. Das 1705 nach Plänen von Joseph Abeille erbaute Stadtpalais befindet sich in der Berner Altstadt an der Junkerngasse 59 in unmittelbarer Nähe des Erlacherhofs. Das Objekt gehört der Schweizerischen Eidgenossenschaft und trägt den Namen der Gattin des letzten Besitzers. Im Gebäude finden Empfänge des Bundesrates statt. Die nach Süden ausgerichtete Hauptfassade mit Hochgarten, beidseitiger Freitreppe und terrassenförmig abgestuften Gärten verleihen dem Prachtbau ein monumentales Gepräge.



 

Oberstes Bild: Münsterplattform in Bern (© Keete 37, Wikimedia, CC)

Über Claudia Göpel

Als gelernte Zahntechnikerin schreibe ich exzellent recherchierte Texte rund um die Themen Zahnmedizin, Allgemeinmedizin, Geriatrie und Gesundheit.
Sie profitieren mit mir als Auftragstexterin zudem von einem reichen Erfahrungsschatz in den Berufsbereichen Gastronomie, Kultur und Recht. Blog- und Fachartikel über Kinder, Tiere (Hunde, Katzen, Vögel, Fische, Reptilien, Kleinsäuger, Vogelspinnen), Pflanzen, Mode, Möbel und Denkmalschutz schreibe ich ebenfalls mit Begeisterung und reichlich Hintergrundwissen.
Zum Ausgleich verfasse ich in meiner Freizeit Kriminalstorys sowie erotische Kurzgeschichten, die unter dem Pseudonym Anastasia in zahlreichen Büchern und Erotik-Magazinen veröffentlicht sind. Ausserdem bin ich seit vielen Jahren ehrenamtlich als Klinikclown für kranke Kinder in deutschen Krankenhäusern und Hospizen aktiv.


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