Ein Sommertag im Wasserschloss Hallwyl

04.08.2014 |  Von  |  Allgemein, Denkmalpflege
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Ein Sommertag im Wasserschloss Hallwyl
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Wer nach einem besonderen Ausflugsziel im Kanton Aargau sucht, ist mit einem Besuch des Schlosses Hallwyl gut beraten. Es ist eines der bekanntesten und schönsten Wasserschlösser der Schweiz. Mit der Grösse der Habsburg kann das Wasserschloss Hallwyl zwar nicht mithalten, es ist aber dennoch eine Attraktion für Reisende und Geschichtsinteressierte und im Denkmalschutzinventar des Kantons Aargau verzeichnet. Dieser ist seit 1994 Eigentümer des Schlosses.

Schloss Hallwyl liegt am nördlichen Ende des Hallwilersees. Die beiden Teile des Schlosses stehen auf zwei Inseln im Aabach. Der ursprüngliche Bau war ein Wohnturm, der im 13. Jahrhundert von den Herren von Hallwyl errichtet wurde. Der Turm war auf drei Seiten von einem Trockengraben umgeben. Im Jahr 1265 kam unmittelbar am Bachufer eine Erweiterung dazu. Im Erdgeschoss entstand ein Palas mit Vorratsräumen. Der Begriff Palas bezeichnet einen saalähnlichen, oft repräsentativen Bauteil einer mittelalterlichen Burg. Erstes und zweites Obergeschoss wurden zu Wohnräumen ausgebaut.



Schloss Hallwyl liegt am nördlichen Ende des Hallwilersees. (Bild: Peter Berger, Wikimedia, GNU)

Schloss Hallwyl liegt am nördlichen Ende des Hallwilersees. (Bild: Peter Berger, Wikimedia, GNU)

Erweiterungen und Umbauten des Wasserschlosses

Die Erweiterung zum zweiteiligen Wasserschloss begann im 14. Jahrhundert. Dafür wurde im umliegenden Sumpfland eine Insel aufgeschüttet. Aus dieser Zeit ist noch ein Rundturm erhalten. Zwei grosse Brände in den Jahren 1380 und 1415 zerstörten wesentliche Teile der Burg. Die Hallwiler Herren gaben jedoch nicht auf. Unermüdlich wurde das Wasserschloss wieder aufgebaut und diverse Erweiterungen geplant. Ein Zeitsprung in das 16. Jahrhundert zeigt schon ein repräsentatives Schloss. Der spätgotische Stil ist auch heute noch sichtbar.



Bauliche Merkmale aus der Neugotik zeigten sich ebenfalls: Der Bauherr Hans Theodor von Hallwyl veranlasste den Umbau einiger Gebäudeteile; diese Umbauphase fiel in den Zeitraum 1871 bis 1873. Schon ein Jahr später musste er allerdings wegen der Gründerkrise Konkurs anmelden. Sein Bruder Walther Hallwyl kaufte ihm das Schloss ab. Ende gut, alles gut? Leider nicht, denn nun folgten drei Jahrzehnte, in denen Schloss Hallwyl überhaupt nicht genutzt wurde.

Schloss Hallwyl – Wohnhaus und Innenhof (Bild: Flyout, Wikimedia, CC)

Schloss Hallwyl – Wohnhaus und Innenhof (Bild: Flyout, Wikimedia, CC)

Der Weg zum Museum

Erst im Jahr 1910 veranlasste die Ehefrau Walther Hallwyls, Wilhelmina von Hallwyl, eine umfassende Sanierung und Wiederinstandsetzung. Zum Einsatz kam der Archäologe Nils Lithberg, der zunächst die erforderlichen Untersuchungen durchführte. Für die Sanierung und Renovation war der Architekt Anders Roland zuständig. Er machte die neugotischen Umbauten rückgängig, sodass das Schloss wieder in den ursprünglichen, mittelalterlichen Zustand versetzt wurde.

Wilhelmina von Hallwyl gründete schliesslich die Hallwil-Stiftung. Das Schloss wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Jahr 1994 fand das Schloss seinen jetzigen Eigentümer: Es ging als Schenkung an den Kanton Aargau. Von 1997 bis 2004 wurde eine umfassende Gesamtsanierung durchgeführt.



Heute beherbergt das Schloss ein Museum, das dem Museum Aargau angegliedert ist. In elf Themenbereichen kann sich der Besucher über die Geschichte des Schlosses und der Herren von Hallwyl informieren. Die Lebensweise der Schlossherren und der Bevölkerung werden in anschaulicher Art und Weise dargestellt. Das Wasserschloss und das Museum sind von April bis Oktober jeweils von Dienstag bis Sonntag geöffnet.

Grabsteine vor dem Schloss Hallwyl (Bild: Badener, Wikimedia, CC)

Grabsteine vor dem Schloss Hallwyl (Bild: Badener, Wikimedia, CC)




Geschichte an originalen Schauplätzen

Das Museum im Wasserschloss gliedert sich in vier Teilbereiche: Vorderes Schloss, Hinteres Schloss, Mühleinsel und Kornhaus. Im spannenden Audioführer kommen Familienmitglieder zu Wort, aber auch einfache Leute, Bauern und Untertanen der Hallwyler Herrschaft berichten von den historischen Gegebenheiten. Das Museum bietet neben dem ständigen Museumsinventar jährlich wechselnde Ausstellungen. In der Vergangenheit gab es beispielsweise eine Werkstatt-Ausstellung der Kantonsarchäologie Aargau, in der die archäologischen Funde und Ausgrabungen vorgestellt wurden. Ein interessanter Einblick in die Forschungsarbeit rundete diese Sonderausstellung aus dem Jahr 2006 ab. Im Jahr 2011 wurden unter dem Motto „Allein die Menge macht das Gift!“ die Kräuterrezepte von Burkhard III. von Hallwyl vorgestellt.

Die Sonderausstellung 2014 steht ganz im Zeichen der Hygiene und Körperpflege: „Stilles Örtchen, heisses Bad“ informiert über die diesbezüglichen Gepflogenheiten in der 900-jährigen Geschichte. Diese Ausstellung gehört zu einem Zyklus, den das Museum Aargau an insgesamt sechs Ausstellungsorten veranstaltet. 2000 Jahre Heilkunst – unter dem Oberbegriff „Achtung ansteckend“ hat nicht nur die Bad- und Toilettenkunde ihren Platz, sondern auch weitere interessante Themen aus der Heilkunde werden vorgestellt.

Bei all diesen Sonderausstellungen im Schloss Hallwyl lernt der Besucher auch verborgene Ecken und Winkel kennen, die sonst nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Ein umfassendes Rahmenprogramm mit Vorträgen und Workshops ergänzt die jeweilige Sonderausstellung.

Schloss Hallwyl und Umgebung

Wenn man schon einmal im schönen Kanton Aargau zu Gast ist, bietet es sich natürlich an, die umliegende Gegend zu erkunden. Das romantische Wasserschloss Hallwyl liegt am Rande des einzigartigen Naturschutzgebietes am Hallwilersee. Das Ufergebiet um den See gilt als national bedeutendes Flachmoor. In den Uferregionen gedeihen über 300 verschiedene Pflanzenarten. Wer sich also nicht nur für historische Schlösser und Burgen interessiert, sondern sich auch für lebendige Umwelt begeistert, der findet am Hallwilersee im Kanton Aargau ein wunderschönes Naturparadies vor.



 

Oberstes Bild: Das Wasserschloss am Hallwilersee im Kanton Aargau (© Tage Olsin, Wikimedia, CC)

Über Claudia Göpel

Als gelernte Zahntechnikerin schreibe ich exzellent recherchierte Texte rund um die Themen Zahnmedizin, Allgemeinmedizin, Geriatrie und Gesundheit.
Sie profitieren mit mir als Auftragstexterin zudem von einem reichen Erfahrungsschatz in den Berufsbereichen Gastronomie, Kultur und Recht. Blog- und Fachartikel über Kinder, Tiere (Hunde, Katzen, Vögel, Fische, Reptilien, Kleinsäuger, Vogelspinnen), Pflanzen, Mode, Möbel und Denkmalschutz schreibe ich ebenfalls mit Begeisterung und reichlich Hintergrundwissen.
Zum Ausgleich verfasse ich in meiner Freizeit Kriminalstorys sowie erotische Kurzgeschichten, die unter dem Pseudonym Anastasia in zahlreichen Büchern und Erotik-Magazinen veröffentlicht sind. Ausserdem bin ich seit vielen Jahren ehrenamtlich als Klinikclown für kranke Kinder in deutschen Krankenhäusern und Hospizen aktiv.


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