Die Habsburg – Ursprung einer grossen Herrscherdynastie

04.02.2014 |  Von  |  Allgemein
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Die Habsburg – Ursprung einer grossen Herrscherdynastie
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Sie ist die Stammburg eines der bedeutendsten Adelsgeschlechter Europas – die Habsburg, in jüngerer Zeit auch unter dem Namen Schloss Habsburg bekannt. Ihre Überreste befinden in der gleichnamigen Gemeinde im Kanton Aargau auf dem Kamm des Wülpelsbergs in einer Höhe von rund 500 Metern. Seit 1948 steht sie unter dem Schutz der kantonalen Denkmalpflege. Im Schweizerischen Inventar der Kulturgüter wird sie unter den Kulturgütern nationaler Bedeutung eingestuft.

Bereits im 6. und 7. Jahrhundert vor Christus befand sich an dieser Stelle eine Siedlung. Im 1. Jahrhundert nach Christus legten die Römer hier eine Signalstation an. Später galt der Wülpelsberg als Zuflucht für Zivilisten, da er leicht zu verteidigen war und beispielsweise vor den Plünderungs- und Raubzügen der Alamannen Schutz bot.



Nach einer umstrittenen Gründungssage, niedergeschrieben im 19. Jahrhundert durch Ernst Ludwig Rochholz, erbaute Radbot, der Graf von Klettgau, die Burg, als er auf der Suche nach einem bei der Jagd verlorenen Habicht die strategisch günstige Lage des Hügels erkannte. Der Schweizer Historiker und Politiker Aegidius Tschudi widersprach der Sage aber bereits im 16. Jahrhundert. Er glaubte vielmehr, dass der Name Habsburg von „haben“ bzw. „Habe“ stammt.

Habsburger Wappenbuch – die älteste bekannte realitätsnahe Darstellung der Habsburg aus dem Jahre 1634 (Bild: Hans Ulrich Fisch,Wikimedia)

Habsburger Wappenbuch – die älteste bekannte realitätsnahe Darstellung der Habsburg aus dem Jahre 1634 (Bild: Hans Ulrich Fisch,Wikimedia)

Als gesichert gilt aber die Tatsache, dass die ersten Bauten um 1025 entstanden. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Habsburg in mehreren Phasen zu einer Doppelburg ausgebaut, bis sie zu Beginn des 13. Jahrhunderts ihre grösste Ausdehnung erreichte. Der erste urkundlich nachweisbare Graf von Habsburg war Otto II. (1108). Insgesamt lebte das Adelsgeschlecht aber nur etwa 200 Jahre an diesem Ort.

In der Zeit um 1220/30 verliessen die Habsburger ihren Stammsitz, weil sie nicht gross und nicht repräsentativ genug war. Sie wurde in der Folge an Dienstleute verliehen. Als die Eidgenossenschaft 1415 den Aargau eroberte, ging die Burg für die Habsburger verloren. Allerdings hatten sie mittlerweile in Wien ein weitaus grösseres und bedeutenderes Zentrum ihrer Herrschaft aufgebaut.



Im Lauf der Zeit verfiel der ältere, östliche Teil zu einer Ruine, der westliche ist bis auf wenige Umbauten bis heute erhalten. Die allerersten Verteidigungsanlagen bestanden wahrscheinlich zum grössten Teil aus Holz, wurden jedoch durch die nachfolgenden Baumassnahmen zerstört.

Auch die Gebäude für Gesinde und ökonomische Zwecke dürften aus Holz gewesen sein. Das sogenannte Steinhaus, entstanden um 1050, wurde gegen Ende des 11. Jahrhunderts durch den Ost- und Nordturm, Ostbering und Torzwinger ergänzt. Um diese Zeit kamen wohl auch die Kapelle und der Sodbrunnen im Burghof, dessen Ummauerung und der Kleine Turm hinzu. Mit dem Nordbering als Verbindung zwischen Nordturm und Ostbering war die vordere Burg dann im 12. Jahrhundert vervollständigt.

Burghof und Umfassungsmauer des Innenhofes der hinteren Burg (Bild: MichaelFrey & Sundance Raphael, Wikimedia, CC)

Burghof und Umfassungsmauer des Innenhofes der hinteren Burg (Bild: MichaelFrey & Sundance Raphael, Wikimedia, CC)

Anfang des 13. Jahrhunderts erhielt die Habsburg ihren hinteren Teil mit dem Grossen Turm, einer weiteren Mauer im Norden und dem Flankierungsturm am westlichen Ende der Anlage, knapp 100 Jahre später den Palas. Um diese Zeit war die vordere Burg bereits dem Verfall überlassen worden. Ihre Reste wurden Ende des 17. Jahrhunderts geschleift und schliesslich um 1815 eingeebnet. Die hintere Burg erfuhr mehrere Renovationen, die letzte erfolgte von 1994 bis 1996 unter Aufsicht der Denkmalpflege. Gegenwärtig befindet sich im Palas ein Restaurant (seit 1979). Darüber hinaus werden sowohl die Jägerstube als auch der Burghof gastronomisch genutzt und bieten Platz für insgesamt rund 200 Personen. Ausstellungen im Kleinen und Grossen Turm informieren über die Dynastie der Habsburger, die Siedlungs- und Baugeschichte und den Alltag in der mittelalterlichen Burg. Das Museum gehört seit einigen Jahren zum Verbund „Museum Aargau“.

Ausgrabungen der Aargauischen Kantonsarchäologie in den 1970er und 1980er Jahren förderten bei der Erweiterung eines Wasserreservoirs für die Gemeinde Habsburg Ruinen und Fundamente des bis dahin verborgenen vorderen Burgteils zu Tage. Aus römischen Zeiten wurden Backsteine und Ziegel, Ziegelstempel der Legio XXI Rapax (21. Legion) sowie eine Münze aus der Regierungszeit des Kaisers Probus gefunden, der Rom von 276 bis 282 regierte.





Nördliche Seite der Habsburg um 1250 (Bild: Micha L. Rieser, Wikimedia, CC)

Nördliche Seite der Habsburg um 1250 (Bild: Micha L. Rieser, Wikimedia, CC)

Noch ältere Funde brachten die Ausgrabungskampagnen 1994/95, darunter Tierknochen und Keramik aus der Eisenzeit und eine Steinbeilklinge aus der Jungsteinzeit. Letztere ist allerdings ein Einzelfund und deutet nicht auf eine derart frühe Besiedlung des Wülpelsbergs hin.



In späteren Kulturschichten aus dem Mittelalter fanden sich neben einzelnen römischen Objekten Topfscherben, ein Hufeisen und Kachelfragmente aus dem 11./12. bzw. 14. Jahrhundert sowie Münzen und Alltagsgegenstände aus späteren Zeiten. Interessante Ergebnisse lieferte auch die Auswertung von Tierknochen, die auf dem Gelände gefunden wurden.

Sie stammen überwiegend von Haustieren und belegen, dass die Jagd keine besondere ökonomische Bedeutung hatte. Bei den Fleisch liefernden Haustieren ist eine Verschiebung vom Schwein im Mittelalter zum Rind in der frühen Neuzeit zu verzeichnen, Geflügel scheint für die Ernährung bedeutungslos gewesen zu sein.

Die Habsburg bezeugt also nicht nur den Ursprung der Herrscherdynastie, sondern zeigt – ganz im Sinne der Denkmalpflege – auch ein lebhaftes Bild des mittelalterlichen Lebens in der Burg und ihrer Umgebung.



 

Oberstes Bild: Südwestliche Seite der Habsburg (Bild: Roland Zumbuehl, Wikimedia, CC)

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.



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