Audiowalks – Architekturgeschichten zum Mitgehen

Mit Audiowalks lassen sich historische Gebäude, Plätze und Kulturlandschaften ohne aufwändige Führungen oder starre Besuchszeiten erlebbar machen. Als moderne, flexible und niederschwellige Lösung sind Audiowalks ideal, um Besuchern einen individuellen Rundgang zu ermöglichen. Mit dem eigenen Smartphone oder einem Audiogerät gehen Teilnehmende auf Entdeckungsreise.

Im folgenden Beitrag erfahren Sie mehr über die Möglichkeit, Baukultur mit Audiowalks zugänglich zu machen und neue Zielgruppen zu erreichen.

Konzept & Funktionsweise von Audiowalks

Ein Audiowalk ist ein Rundgang, bei dem die Teilnehmenden selbstbestimmt und in ihrem eigenen Tempo Stationen ablaufen, an denen sie Audioinhalte abrufen können. Technisch ist das Konzept einfach: Die Audiodateien werden online bereitgestellt, oft über eine Web-App oder per QR-Code, der an den jeweiligen Objekten angebracht wird. Mit einem Smartphone und Kopfhörern können die Inhalte ohne Anmeldung, ohne Wartezeit, ohne Guide abgerufen werden.

Der Content ist vielfältig und kann historische Fakten, Interviews mit Restauratoren, Historikern oder Bewohnern enthalten, alte Geräusche einblenden oder die Stimmen von Zeitzeugen wiedergeben. Wichtig ist die Authentizität: Audiowalks leben davon, dass sie eine emotionale Verbindung schaffen und den Hörenden das Gefühl geben, Teil einer Geschichte zu sein.


Smartphone und Kopfhörer sind ideal für einen Audiowalk. (Bild: oatawa – shutterstock.com)

Vorteile für die Denkmalpflege

Audiowalks bieten eine Reihe von Vorteilen, die sie für die Denkmalpflege besonders interessant machen. Zum einen sind sie niederschwellig: Wer sich für Baukultur interessiert, kann spontan teilnehmen, ohne an fixe Führungszeiten gebunden zu sein. Auch Barrieren wie Sprachbarrieren oder eingeschränkte Mobilität können mit mehrsprachigen Angeboten oder kurzen Strecken leichter überwunden werden.

Zum anderen ermöglichen Audiowalks eine neue Form des Storytellings. Statt trockener Daten und Zahlen können persönliche Geschichten, Anekdoten oder Erinnerungen erzählt werden, die ein Denkmal lebendig machen. Eine restaurierte Fassade erzählt plötzlich von den Händen, die sie instand gesetzt haben; ein unscheinbarer Hinterhof entpuppt sich als Ort sozialer Geschichte. Diese persönliche Ebene fördert die Wertschätzung für historische Substanz.

Ein weiterer Vorteil ist die digitale Vermittlung. Viele Kantone und Gemeinden setzen inzwischen auf digitale Angebote, um jüngere Zielgruppen zu erreichen. Audiowalks lassen sich unkompliziert über soziale Medien und Webseiten bewerben und können dauerhaft bestehen bleiben.

Planung & Umsetzung

Damit ein Audiowalk seine Wirkung entfalten kann, ist eine sorgfältige Planung entscheidend. Zunächst gilt es, geeignete Orte auszuwählen. Dies können historisch bedeutsame Gebäude sein, Plätze mit einer besonderen Geschichte oder ganze Quartiere, die denkmalpflegerisch betreut werden. Idealerweise entsteht eine Route mit fünf bis zehn Stationen, die zu Fuss gut erreichbar sind.

Im nächsten Schritt werden die Inhalte entwickelt. Dazu gehören fachlich korrekte und gut verständliche Skripte. Interviews mit Fachleuten, Zeitzeugen oder Eigentümern können eingespielt werden, ebenso Geräuschkulissen, die den Ort atmosphärisch untermalen. Die Länge einer Audiosequenz sollte zwei bis drei Minuten nicht überschreiten, um die Aufmerksamkeit zu halten.

Technisch ist die Umsetzung heute unkompliziert. QR-Codes, die auf eine spezielle Webseite führen, sind schnell erstellt. Dort können die Audioinhalte gestreamt oder heruntergeladen werden. Ergänzend können Flyer oder digitale Karten erstellt werden, die die Route erklären und Hintergrundinformationen bieten. Wichtig ist eine klare Kennzeichnung vor Ort: Jede Station sollte gut sichtbar beschriftet sein.


Über QR Codes werden Informationen abgerufen. (Bild: Prostock-studio – shutterstock.com)

Audiowalks in der Praxis

Audiowalks werden in der Schweiz bereits an verschiedenen Orten eingesetzt, um historische Bauwerke und Kulturlandschaften erlebbar zu machen. So gibt es in mehreren Städten wie Winterthur oder Bellinzona Rundgänge durch Stadtquartiere, bei denen Interessierte selbstständig Fassaden, Innenhöfe und Plätze erkunden können. In ländlichen Regionen führen Audiowalks beispielsweise entlang alter Mühlenwege, durch Weinbaugebiete oder an ehemaligen Industriearealen vorbei, die heute eine neue Nutzung erfahren haben. Auch kleinere Gemeinden nutzen dieses Format, um weniger bekannte Denkmäler und regionale Baukultur ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken.

Herausforderungen & Lösungen

Eine Herausforderung ist die technische Umsetzung. Nicht überall steht ein stabiles Mobilfunknetz zur Verfügung, und nicht jede Zielgruppe ist mit QR-Codes oder Web-Apps vertraut. Hier können herunterladbare Dateien oder Leihgeräte eine Lösung sein.

Auch die Qualität der Inhalte ist entscheidend. Ein Audiowalk lebt von einer klaren Sprache, einer angenehmen Tonqualität und einer ausgewogenen Mischung aus Information und Erzählung. Fachliche Details sind wichtig, müssen aber so aufbereitet sein, dass auch Laien folgen können. Zudem gilt es, Urheberrechte und Datenschutz zu beachten, wenn Personen interviewt oder historische Töne verwendet werden.

Schliesslich erfordert die Erstellung eines Audiowalks Zeit und Koordination. Denkmalpflegebehörden, Gemeinden, Vereine und Eigentümer müssen zusammenarbeiten, um Inhalte zu sammeln, Rechte zu klären und die technische Infrastruktur bereitzustellen. Ist dieser Aufwand jedoch einmal geleistet, entsteht ein Format, das über Jahre hinweg genutzt werden kann.



Zukunftsperspektiven von Audiowalks

Audiowalks sind mehr als ein kurzfristiger Trend. Mit der zunehmenden Digitalisierung der Denkmalpflege und der steigenden Nachfrage nach individuellen, flexiblen Erlebnissen werden sie in Zukunft an Bedeutung gewinnen. In Kombination mit Augmented Reality könnten sie künftig nicht nur Stimmen, sondern auch historische Bilder oder virtuelle Rekonstruktionen zeigen und so das Geschichtenerzählen noch immersiver gestalten. Auch für Schulen und Tourismusprojekte eröffnen sich neue Möglichkeiten: Klassen können auf eigene Faust historische Quartiere erkunden, während Touristen Regionen jenseits der bekannten Sehenswürdigkeiten erleben und dabei tiefergehende Einblicke in deren kulturelle Entwicklung erhalten.

 

Titelbild: Elizaveta Galitckaia – shutterstock.com

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