Burgen – wie sind sie entstanden?

17.09.2021 |  Von  |  Allgemein, Bauwerke, News
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Im deutschsprachigen Raum gab es ca. 50’000 Burgen. Die ältesten wurden im 8. Jahrhundert erbaut, die jüngsten etwa im 15. Schätzungsweise ein Drittel kann heute noch besucht werden. Teilweise wurden die alten Bauwerke umfangreich restauriert, teilweise sind nur noch Überreste zu sehen.

Die meisten Menschen sind fasziniert von Burgen und Burgruinen und viele fragen sich, wie es möglich war, diese Bauwerke einst zu errichten.

Burgen – wer waren ihre Baumeister?

Burgen wurden häufig an exponierter Lage erstellt. Vor allem an Abhängen und auf Bergkuppen scheint es fast unmöglich, ein solches Bauwerk ohne die heute bekannten technischen Möglichkeiten zu erstellen. Und doch stehen sie da: Zeitzeugen aus dem Mittelalter, welche uns in ihren Bann ziehen.

Fakt ist, dass aus jener Zeit kaum sichere Informationen vorliegen, wie eine Burg wirklich entstanden ist. Archäologen können zwar aus den Überresten der Gemäuer den Baustil und somit die Bautechnik ableiten, aber viele Fragen bleiben unbeantwortet. So müssen wir uns bei einigen mit Vermutungen begnügen.

Die ersten Burgen entstanden fast ausschliesslich im Tal. Beliebte Standorte waren die Nähe zu Siedlungen und Städten, an Zollübergängen, Passwegen und Flussüberquerungen. Die Lage wurde so gewählt, dass sich die zu verwaltenden Güter in unmittelbarer Nähe befanden. Erst nach dem 11. Jahrhundert ging man dazu über, die Standorte der Burganlagen in die Höhe zu verlegen. Die Gründe waren einerseits, dass schwer zugängliche Burgen mehr Sicherheit boten, anderseits konnten Besitz und Herrschaftsanspruch auf diese Weise weitum demonstriert werden.

Aber wer waren die Bauherren? Wie entstand eine Burg? Nur wer über entsprechendes Vermögen verfügte, konnte ein solches Bauwerk in Auftrag geben. Das waren Könige, Adlige und vermögende Ritter. Wer einen Lehnsherr hatte, musste von diesem die Erlaubnis zum Bau einholen. Wurde sie erteilt, galt es, einen geeigneten Baumeister zu finden. Im frühen Mittelalter übernahmen wahrscheinlich erfahrene Handwerker wie Zimmerleute oder Steinmetze diese Arbeit. Der eigentliche Beruf des Baumeisters entwickelte sich erst im Hochmittelalter.

Die Arbeit des mittelalterlichen Baumeisters war vielseitig und sehr verantwortungsvoll. Schliesslich hatte er weder Computer noch andere moderne Hilfsmittel, wie wir diese heute kennen, zur Verfügung. Er musste Baupläne erstellen, Arbeitskräfte und Material planen und natürlich bezahlen. Der grösste Anteil des Geldes, welches ihm der Bauherr auszahlte, floss auf diesem Wege in das Projekt. Häufig flossen enorme Summen, schliesslich konnte vom Umfang der Burg auf den Reichtum und somit auf Macht und Einfluss des Besitzers geschlossen werden.


Burgruine bei Balsthal

Ein beliebtest Ausflugsziel: die Burgruine von Neu Falkenstein bei Balsthal (Bild: Tanja Midgardson – shutterstock.com)


Der Bau einer Burg war unvorstellbar aufwendig

Natürlich konnte der Baumeister nicht bestimmen, wie die Burg aussehen und wie sie beschaffen sein sollte. Er erhielt klare Anweisungen durch den Bauherrn. Das Bauwerk sollte dem Schutz aber auch der Machtpräsentation dienen. Deshalb wurden oft prächtige Burgen als Vorbild genommen. Die Baumeister waren gefragt, wenn es darum ging, Verbesserungsvorschläge zu bringen oder über neuste Trends zu berichten. Oft entwarfen sie neue Modelle zur Verteidigung oder für den Komfort der künftigen Bewohner.

Es lag in der Verantwortung des Baumeisters, nicht nur das Geld einzuteilen, sondern auch die voraussichtliche Bauzeit zu planen. Der Bau einer Burg konnte bis zu 20 Jahren in Anspruch nehmen. Beschäftigt wurden neben Tausenden von Handwerkern und Bauarbeitern auch Bauern. Letztere wurden gezwungen, die harte Arbeit auszuführen und erhielten dafür in der Regel keinen Lohn. Ihnen wurde lediglich im Kriegsfall Schutz für ihre Familie und die Tiere in Aussicht gestellte, sobald der Bau beendet wäre.

Interessant ist, dass es die heute üblichen Baupläne zur damaligen Zeit nicht gab. Grundrisse wurden mit Schnüren markiert und nur selten etwas skizziert. Ein erfahrener Baumeister speicherte seinen Bauplan im Gedächtnis ab. Darin lag allerdings eine Gefahr: Die Lebenserwartung lag allgemein im Mittelalter deutlich unter der unseren. Dazu kam, dass die Arbeit auf der Baustelle zahlreiche Unfälle mit sich führte. Verstarb ein Baumeister während der langen Bauphase, gingen mit ihm auch die Pläne verloren.


Überreste einer Burgmauer bei Küsnacht.

Überreste der Burg in Küsnacht (Bild: Octavian Sfetcu – shutterstock.com)


Das Baumaterial für Burgen

Burgen wurden aus Stein erbaut, der grösstenteils aus unmittelbarer Nähe stammte. Im Idealfall konnte das Material für den Bau  durch das Ausheben des Burggrabens gewonnen werden. Auch verwendetes Holz stammte meist aus umliegenden Wäldern.

Es war eine Knochenarbeit, die Steine abzubauen und zu transportieren. Das ewig haltbare Material, war reichlich vorhanden, musste jedoch abgebaut, an den Bauplatz befördert und bearbeitet werden. Bruchmauerwerk ist heute oft das Einzige, was von einer mittelalterlichen Burg noch vorhanden ist. Es handelt sich dabei um Mauern aus Steinen unregelmässiger Grösse. Diese Art Mauerwerk konnte relativ schnell ausgeführt werden und wurde vor allem von weniger wohlhabenden Bauherrn in Auftrag gegeben.

Vor allem in der Zeit von etwa Mitte des 12. bis Mitte des 13. Jahrhunderts wurden Mauern aus grossen sogenannten Buckelquadersteinen errichtet und galten als Zeichen für Wehrhaftigkeit der Anlage und als Statussymbol. Ihre Anfertigung war aufwendig und erforderte höchste Handwerkskunst. Im Burginneren kamen kleinere Steinquader zum Einsatz. Diese konnte einfacher und kostengünstiger hergestellt werden.

Für die Innenausstattung von Burgen wurden grosse Mengen Holz benötigt. Daraus entstanden Treppen, Böden, Dächer, Brücken, Decken und Wehrgänge. Damit das geschlagene Holz verbaut werden konnte, musste es zuerst gehärtet werden. Das geschah, indem die Baumstämme monatelang in Wasser gelegt wurden. Anschliessend musste es gründlich getrocknet und später geräuchert werden. So vorbereitet konnte Holz Hunderte Jahre halten. Allerdings fiel es häufig vorher einem Feuer durch Blitzeinschlag oder während eines Überfalls zum Opfer.


Schloss Visconti, Locarno

Das aus dem 13. Jahrhundert stammende Visconti Schloss in Locarno mit seinen sehr gut erhaltenen Steinmauern (Bild: Amphi – shutterstock.com)


Burgen – Fundgruben für die Archäologie

Für Archäologen und Denkmalpfleger stellen Burgen immer wieder spannende Einsatzgebiete dar. Interessante Bodenfunde und die Überreste des Mauerwerks selbst geben unschätzbare Einblicke in das frühere Leben. Burganlagen helfen zudem, die Geschichte einer Region zu verstehen und nachvollziehen zu können. Leider wurden alte Bauwerke, die sich in schlechtem Zustand befanden, in der Vergangenheit oft einfach abgerissen, bzw. als Quelle für Baumaterial genutzt.

Fest steht, dass das Leben auf einer Burg weniger mit Romantik zu tun hatte, als man es aus Märchen und Sagen schlussfolgern könnte. Der Faszination tut das keinen Abbruch. Wir haben auf denkmalplege-schweiz bereits viele Burgen und Burgruinen vorgestellt. Vielleicht haben Sie jetzt Lust bekommen, die eine oder andere einmal selbst zu besuchen. Das Erleben ist eindrücklicher, wenn Sie sich vorher mit der Geschichte der besuchten Burg auseinandersetzen.

Möchten Sie sich weiterführend über Burgen in der Schweiz informieren? Dann finden Sie umfangreiche Infos beim Schweizerischer Burgenverein.

Blochmonterstrasse 22
CH-4054 Basel
Telefon: 061 361 24 44
Mail: info@burgenverein.ch

Webseite Schweizerischer Burgenverein

Der Schweizerische Burgenverein ist ein Verein zur Erhaltung und Erforschung von Burgen und Ruinen innerhalb der Schweiz.

 

Titelbild: Benny Marty@ shutterstock.com

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