Steinerne Zeitzeugen in Muntogna da Schons

09.04.2021 |  Von  |  Denkmalpflege
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Kulturgüter am Schamserberg

Wer auf der A3 durch die Viamala und weiter nach Süden reist, erblickt bei Zillis rechts oben am Hang eine auffällige, mittelalterliche Kirche mit zwei stilistisch unterschiedlichen Türmen: Die Kirche von Lohn. Sie ist eines von mehreren sehenswerten Sakralbauten, für die ein Abstecher zum Schamserberg lohnt.

Fusion am Schamserberg

Am 1. Januar 2021 entstand durch Fusion der Orte am Schamserberg die politische Gemeinde Muntogna da Schons. Die ehemaligen politischen Gemeinden Lohn, Mathon, Casti-Wergenstein und Donat fusionierten mit grosser Mehrheit: Deutlichen Gegenwind gab es lediglich aus Donat. Die Einwohner von Mathon und Lohn hingegen waren einstimmig dafür.

Muntogna da Schons ist rätoromanisch und heisst übersetzt Schamserberg. Dieser befindet sich in der Region Viamala in Graubünden, im Naturpark Beverin. Neben der atemberaubenden Landschaft beeindrucken am Schamserberg die zahlreichen Zeitzeugen.


Typisches Dorfbild am Schamserberg

Typisches Dorfbild in Muntogna da Schons


Die Kirchen von Muntogna da Schons

Am Schamserberg befinden sich mehrere Kulturgüter, die gemäss der Haager Konvention und dem Bundesgesetz unter Schutz bei bewaffneten Konflikten gestellt wurden. Es sind vor allem einzigartige Gotteshäuser, die nachfolgend vorgestellt werden.

Baselgia veglia S. Antonius Mathon

Es existieren keine Aufzeichnungen über den Bau der Antoniuskirche. Jedoch wurde bereits 831 eine Kirche in Mathon erwähnt. Die sichtbare Kirchenruine St. Antonius befindet sich unterhalb des Ortes und wird auf Anfang des 13. Jahrhunderts datiert. 1956 konnte bei Grabungen eine halbrunde Apsis freigelegt werden. Sie stammt aus spätkarolingischer Zeit und erstreckt sich bis zum Chor des neueren Bauwerks. Die entdeckten Fragmente aus romanischer und vorromanischer Zeit wurden dem Rätischen Museum übergeben. Erhalten geblieben sind der Turm, der 1528 erhöht wurde und ein spätgotisches Glockengeschoss enthält. Ausserdem bestehen noch Mauern des gerade abgeschlossenen Chors mit Tonnenwölbung und des spätromanischen Schiffs. Einzelne Farbreste lassen vermuten, dass das Schiff einst komplett bemalt war.

Baselgia refurmada Mathon

Die neue Kirche wurde in Mathon 1728 errichtet. Die Glocke wird ins frühe 16. Jahrhundert datiert. 1822 baute man eine Orgel mit Bauernmalerei ein. Es war die erste Orgel einer Schamser Talkirche. Erwähnenswert ist die kunstvolle Schnitzerei des Schalldeckels der Kanzlei.

Baselgia refurmada Patzen-Farden

Mitten im Berg, auf einem Vorsprung und von Wiesen umgeben, thront die reformierte Kirche von Pazen-Farden. Aufgrund ihrer exponierten Lage wird sie gern das Herz des Schamserbergs genannt. Sie wurde 1407 eingeweiht. Der Glockenturm trägt ein Zeltdach und ist talwärts an das Kirchenschiff angebaut. Er besitzt eine Glockenstube, die in jede Himmelsrichtung über eine zweifache Öffnung verfügt. Im Inneren sind die Reste von Wandmalereien zu sehen. Es ist nicht bekannt, wer diese einst malte. Vermutlich stammen sie von einem süddeutschen Meister und sind im 15. Jahrhundert entstanden.

Baselgia refurmada Lohn


Kirche mit zwei Türmen aus verschiedenen Epochen

Der ältere der beiden Kirchtürme der Lohner Kirche stammt wahrscheinlich aus dem 12. Jahrhundert.


Die spätgotische Kirche von Lohn weist eine Besonderheit auf: Sie besitzt zwei stilistisch verschiedene Kirchtürme. Der Glockenturm wird ins 14. und 15. Jahrhundert datiert. Der direkt danebenstehende kleinere Turm ist deutlich älter. Er stammt wahrscheinlich von einer romanischen Kirche, die sich früher am gleichen Ort befand. Diese besass, wie 1954 nachgewiesen werden konnte, eine runde Apsis. Renovationsarbeiten wurden an der Lohner Kirche in den Jahren 1719, 1832 sowie 1953/54 vorgenommen. Das Kircheninnere ist überraschend schlicht. Während der Renovation in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurden Wandmalereien des Waltenburger Meisters entdeckt. Leider ist davon nichts mehr zu sehen: Man hat sie komplett überstrichen. Ob aus Unachtsamkeit oder Ablehnung von Bildern in reformierten Kirchen ist nicht bekannt. Heute befinden sich lediglich Schriften und Jahreszahlen an den Wänden.

Baselgia refurmada in Casti

Die romanische Saalkirche aus dem 12. Jahrhundert ist eine Besonderheit in Graubünden. Ihr massiver Kirchturm besitzt ein Glockengeschoss mit Glocken, welches in die Zeit zwischen 1300 und 1484 datiert wird. Frühgotische Wandmalereien des Waltensburger Meisters finden sich im Inneren der Kirche, darunter ein Verkündungsengel an der Chorbogenwand. In der Apsiskalotte finden sich Reste von Evangelistensymbolen sowie einer Majestas Domini. Die Baselgia refurmade in Casti wurde von 1971 bis 1973 sowie von 1990 bis 1994 restauriert. 2007 erhielt die Kirche eine fünfregistrige Orgel.

Eine weitere, unter Denkmalschutz stehende, Kirche am Schamserberg ist die reformierte Kirche in Wergenstein. Sie wurde unter dem Patrozinium von Calixt im Spätmittelalter bezeugt. Als sie 1538 erweitert wurde, hatte Wergenstein bereits die Reformation angenommen, sodass die Kirche schon als reformierte Predigerkirche geplant war. Der mit einem Zeltdacht versehen Turm ist in Richtung Tal angelegt und verfügt über eine einstöckige Glockenstube.

Weitere Objekte der Denkmalpflege in Muntogna da Schons

Eines der eindrücklichsten Häuser am Schamserberg ist das unmittelbar neben der Lohner Kirche gelegene Pfrundhaus. Es stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts und ist das einzige Gebäude in Schams, welches im Stil eines Walserhauses errichtet wurde. Bis Mitte des letzten Jahrhunderts war hier die Dorfschule untergebracht. Nach einer Renovation wird es nun als Gemeindezentrum genutzt.


Pfrundhaus in Lohn GR

Einzigartiges Pfrundhaus in Lohn GR, im Hintergrund der Glockenturm der Lohner Kirsche


Die Geschichte Lohns reicht bis ins 9. Jahrhundert zurück. Im Ortskern stehen mehrere Gebäude unter Denkmalschutz. Die wichtigsten wurden mit interessanten Infotafeln versehen.

Wer sich für die Entstehungsgeschichte von Donat interessiert, muss in der Zeit viel weiter zurückgehen: Die Region, in der sich das heutige Donat befindet, war bereits vor über 2000 Jahren besiedelt. Archäologen machten bei der Maillard-Brücke beeindruckende Funde. An der Grabungsstelle gibt es Informationen darüber.

Der Naturpark Beverin und die Gemeinde Muntogna da Schons kennen keinen Massentourismus. Am schönsten erkunden Sie die ehemals eigenständigen Orte am Schamserberg zu Fuss. So entgehen Ihnen keine der interessanten Zeitzeugen, zu denen zum Beispiel alte Brunnen, Bauernhöfe, die seit Jahrhunderten bewirtschaftet werden, oder eine alte Mühle gehören.

Möchten Sie noch weiter in die Geschichte der Region eintauchen, besuchen Sie die CasaStorica in Andeer

Weitere Informationen und eine Übersicht über bevorstehende Veranstaltungen erhalten Sie auf der Webseite des Naturparks Beverin. 2021 finden diverse Veranstaltungen zum Thema „Baukultur im Naturpark Beverin“ statt.

 

Bilder: Lohn, Muntogna da Schons © Sabine Itting

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