Ökostrom vs. Normalstrom – Was sind die Unterschiede?

14.01.2020 |  Von  |  Allgemein
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Ökostrom vs. Normalstrom – Was sind die Unterschiede?
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Strom wird als Blut der modernen Zivilisation bezeichnet. In der Tat wäre ein Leben ohne Strom heute kaum noch vorstellbar. Weder Einkaufen noch Tanken, Fernsehen Telefonieren wäre möglich, vom Internet ganz zu schweigen.

Für die meisten Verbraucher ist es selbstverständlich, dass der Strom aus der Steckdose kommt. Wie er dorthin kommt und das es beim Strom Unterschiede gibt, ist vielen gar nicht bewusst.

Normalstrom – ein Strommix

Rein technisch gesehen gibt es zwischen Ökostrom und Normalstrom keinen Unterschied. Der Strom, der daheim aus der Steckdose kommt, ist Wechselstrom mit einer Spannung von 230 V und einer Frequenz von 50 Hz. Der Unterschied liegt darin, wie der Strom erzeugt wird. Ökostrom stammt aus erneuerbaren Quellen, während Normalstrom einen Strommix darstellt. Damit ist die Einspeisung aus unterschiedlichen Quellen in das öffentliche Netz gemeint. Je nach den lokalen Bedingungen setzt sich der Normalstrom (Strommix) in jedem Land anders zusammen.

Normalstrom Schweiz

Bedingt durch die Lage in den Alpen gibt es in der Schweiz auf kurze Entfernungen grosse Höhenunterschiede. Dazu kommt, dass ganzjährig viel Niederschlag fällt. Deswegen spielt im Schweizer Strommix traditionell der in Wasserkraftwerken erzeugte Strom eine grosse Rolle. Aus Wasserkraft gewonnener Strom macht ca. 55 Prozent im Schweizer Strommix aus. Das ist positiv, da Wasserkraft eine erneuerbare Energiequelle ist und bei der Stromerzeugung kein Kohlendioxid freigesetzt wird.

Weitere 36 Prozent des Stroms stammen aus Kernkraftwerken. Die setzen zwar auch kein CO² frei, sind aber potentiell für die Umwelt gefährlich. Knapp 6 Prozent des Stroms stammen aus anderen erneuerbaren Energiequellen. Nur 3 Prozent im Schweizer Strommix wird aus der Verbrennung fossiler Energieträger, beispielsweise Kohle, Erdgas oder Erdöl, erzeugt.

Zum Vergleich: Strommix Deutschland

Dort sieht die Situation völlig anders aus. Fast die Hälfte des Strommix (ca. 40 Prozent) wird aus der Verbrennung fossiler Energieträger erzeugt. Den grössten Anteil daran hat Braunkohle. Die ist aufgrund des hohen Gehalts an Schwefel besonders schädlich für Umwelt und Gesundheit. Strom aus Wasserkraft hat dagegen nur einen Anteil von 4 Prozent am Strommix. Kernenergie hat einen Anteil von etwa 13 Prozent.

Strom aus erneuerbaren Energien hat momentan einen Anteil von ca 47 Prozent.

Was bedeutet Ökostrom?

Ökostrom ist Strom, der nur aus erneuerbaren, umweltfreundlichen Energiequellen erzeugt wird. Dazu zählen unter anderem:

Aus diesen Quellen bezogener Strom wird als nachhaltiger oder Ökostrom bezeichnet, weil er aus erneuerbaren Quellen stammt und bei seiner Erzeugung kein Kohlendioxid freigesetzt wird. Je mehr Ökostrom erzeugt wird, um so mehr wird die Erderwärmung gebremst, da weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre entlassen wird.

Bei Strom aus Kernenergie sieht das ein bisschen anders aus. Auf den ersten Blick ist dieser Strom ebenfalls umweltfreundlich, weil bei seiner Erzeugung kein CO² entsteht. Die Kernenergie birgt jedoch ein gewisses Restrisiko für die Umwelt, das niemals zu 100 Prozent eliminiert werden kann. Selbst die besten Sicherheitseinrichtungen können versagen oder es können sich Naturkatastrophen oder Havarien ereignen, die von den Konstrukteuren nie eingeplant waren und auf die das Bedienungspersonal nicht vorbereitet ist. Das Problem bei der Kernenergie besteht darin, dass bei einem Unfall weite Landstriche über viele Jahre radioaktiv verseucht und unbewohnbar werden.

Daher ist es eine vernünftige Entscheidung, wenn Sie anstelle des Normalstroms Ökostrom wählen. Damit unterstützen Sie aktiv den Umweltschutz.


Grüne Stadt

Ökostrom ist umweltfreundlicher und aus erneuerbaren Energien produziert. (Bild: D-Krab – shutterstock.com)


Wie wählt man Ökostrom in der Praxis?

Eingangs wurde bereits erwähnt, dass es technisch keine Rolle spielt, wie der Strom erzeugt wurde. Alle sind gleich. Es gibt keinen Filter, den Sie an die Steckdose anschliessen können und der nur Ökostrom durchlässt. Wenn Sie Ökostrom wählen, entscheiden Sie sich für einen Anbieter, der seinen Strom nur aus erneuerbaren Quellen erzeugt. Typische Beispiele sind Strom aus Wasserkraft oder Solarstrom. Der so erzeugte Strom wird in das Stromnetz eingespeist, das die Endverbraucher versorgt.

Sie müssen sich das so ähnlich wie einen grossen See vorstellen. Die Stromerzeuger sind die Quellen, die den See speisen. Der örtliche Stromversorger stellt die Leitung dar, die Wasser in Ihr Haus bringt. Wählen Sie Ökostrom, sagen Sie im übertragenen Sinn, dass nur sauberes Wasser in den See fliessen soll. Ökostrom wird ja aus sauberen Energiequellen erzeugt. Ein Verbraucher allein macht noch keinen Unterschied. Anders sieht das aus, wenn sich mehr und mehr Kunden dazu entscheiden, Ökostrom zu beziehen. Dann ändert sich die Zusammensetzung des „Stromsees“. Das „Wasser“ wird sauberer. Das bedeutet, der Anteil an umweltfreundlich und nachhaltig erzeugten Strom am Strommix steigt.

Warum ist Ökostrom teurer als Normalstrom?

Seine Erzeugung ist aufwendiger und die Anlagen sind in der Regel kleiner und können nicht so viele Verbraucher auf einmal versorgen. Zudem werden grosse Summen in die Forschung, Entwicklung und den Ausbau der Anlagen gesteckt. Dieses Geld muss erst einmal aufgebracht werden. Langfristig gibt es jedoch keinen anderen Weg als auf den Ausbau erneuerbarer Energien zu setzen. Kernkraft ist auf Dauer zu gefährlich und Wasserkraft allein kann den wachsenden Energiebedarf der Schweiz allein nicht decken. Ökostrom stellt eine Investition in die Zukunft dar. Er sichert die Energieversorgung kommender Generationen.

 

Titelbild: PopTika – shutterstock.com


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