Tiefe Einblicke in das mittelalterliche Marienheiligtum bei Büren an der Aare

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Tiefe Einblicke in das mittelalterliche Marienheiligtum bei Büren an der Aare
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Auf der „Chilchmatt“ bei Büren a. d. Aare stand im Spätmittelalter eine Wallfahrtskirche, die der Wiedererweckung und Taufe totgeborener Kinder diente. In seiner Neuerscheinung legt der Archäologische Dienst des Kantons Bern nun ein facettenreiches Bild der einzigartigen Fundstelle vor.

In den Jahren 1992–1998 führte der Archäologische Dienst des Kantons Bern im Vorfeld eines Bauprojektes bei Büren a. d. Aare auf der „Chilchmatt“ Rettungsgrabungen durch.

Schnell war klar, dass mit den angetroffenen Mauern und den unzähligen Kinderbestattungen die Reste des schriftlich überlieferten Marienheiligtums von Oberbüren entdeckt wurden. Die 2019 vorgelegten, interdisziplinären Auswertungsergebnisse geben nun tiefe Einblicke in die Funktionsweise eines spätmittelalterlichen Marienwallfahrtsortes und die damaligen Vorstellungen vom Seelenheil.



Die Wiedererweckung totgeborener Kinder in Oberbüren

Ursprünglich als Kapelle gegründet, entwickelte sich Oberbüren im Spätmittelalter dank einem wundertätigen Gnadenbild der Muttergottes zu einem populären Wallfahrtszentrum. Gemäss dem damaligen Glauben war totgeborenen Kindern die Taufe (und damit der Eintritt ins Paradies) nicht gestattet. Entsprechend besassen Auferweckungsheiligtümer wie dasjenige in Oberbüren eine grosse Anziehungskraft. In der Wallfahrtskirche wurden die Körper totgeborener Kinder mit glühenden Kohlen und Kerzen erwärmt. Die Hitze brachte eine Feder, die vor die Lippen der Kinder gehalten wurde, in Bewegung und es schien, als ob die Verstorbenen einen Atemzug täten. Die wiedererweckten Kinder konnten umgehend getauft und anschliessend in geweihter Erde bestattet werden.

Eine Stätte der Besinnung

Nach der Reformation geriet die Wallfahrtskirche in Oberbüren in Vergessenheit. Und bis zu den Vorabklärungen des Bauprojekts in den 1990er-Jahren wurde das Land nur noch landwirtschaftlich genutzt. Nach der archäologischen Untersuchung erwarb die Gemeinde Büren a. d. Aare 1998 einen Teil des Geländes aus Pietät und Rücksicht auf dessen aufwühlende Geschichte. In Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Dienst errichtete sie darauf 2003 eine Gedenkstätte, deren Zentrum heute mit der Metallskulptur „Die Feder“ von Gunter Frentzel (1935–2017) markiert wird.

Buchpräsentation mit Vortrag

Die reich bebilderte Publikation „Das mittelalterliche Marienheiligtum von Oberbüren“ wird am Mittwoch, 20. März 2019, um 18 Uhr im Rathaus von Büren a. d. Aare der Öffentlichkeit übergeben. Nach einführenden Worten eines Vertreters der Gemeinde und einer Ansprache von Hans Ulrich Glarner, Vorsteher des Amtes für Kultur, werden der Archäologe Peter Eggenberger, die Historikerin Kathrin Utz Tremp und die Anthropologin Susi Ulrich-Bochsler verschiedene Aspekte des Marienheiligtums vorstellen. Umrahmt wird die Veranstaltung durch musikalische Darbietungen der Mittelalter-Spiellüt.



Angaben zur Publikation

Peter Eggenberger et al., Das mittelalterliche Marienheiligtum von Oberbüren. Archäologische Untersuchungen in Büren an der Aare, Chilchmatt. Bern 2019. 396 S. mit 235 Abb. und 34 Taf. Preis: CHF 42.–. ISBN 978-3-9524659-7-4.

Zu beziehen beim Archäologischen Dienst des Kantons Bern, adb@erz.be.ch, 031 633 98 00.

 

Quelle: Kanton Bern, Erziehungsdirektion
Artikelbilder: © Archäologischer Dienst des Kantons Bern

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