Unterwegs auf alten Strassen

28.01.2016 |  Von  |  Denkmalpflege
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Unterwegs auf alten Strassen
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Viele historische und schützenswerte Strassen und Wege sind im Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz (IVS) aufgelistet.

Das Inventar gewährt einen Einblick in die spannende Verkehrsgeschichte der Schweiz und enthält eine Vielzahl schöner und spannender Wanderrouten auf den Spuren der Vergangenheit.

Bilder, Karten und Texte zu historischen Wegen und Wegbegleitern

Im IVS sind Verlauf und Zustand, geschichtlicher Hintergrund und historische Bedeutung der alten Schweizer Verkehrswege dokumentiert. Doch nicht nur die Strassen, Wege und Pfade selbst sind aufgeführt, sondern auch die sogenannten wegbegleitenden Elemente. Dazu zählen beispielsweise Kapellen und Gasthäuser entlang der Route, Distanzsteine, Wegkreuze und Brücken. Denn diese sind untrennbar mit den Wegen verbunden und verdienen es darum ebenso, für nachkommende Generationen erhalten und nutzbar zu bleiben.

Das Inventar ist in den 1980er Jahren als Bestandsaufnahme angelegt und seither stetig erweitert und vervollständigt worden. Die umfassende Sammlung von Dokumenten dient vorrangig dem Schutz und Erhalt der historischen Verkehrswege. Sie bietet jede Menge Material, das sowohl für interessierte Laien als auch für Experten interessant ist und tiefe Einblicke in die Schweizer Verkehrsgeschichte gewährt.


Viele historische und schützenswerte Strassen und Wege sind im Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz aufgelistet. (Bild: © Stefano Ember - shutterstock.com)

Viele historische und schützenswerte Strassen und Wege sind im Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz aufgelistet. (Bild: © Stefano Ember – shutterstock.com)


Die Anlage des IVS erfolgte laut Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG, Artikel 5 und 6). Durch Angliederung gehört es zum Bundesamt für Strassen (ASTRA). Nebst dem Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) und dem Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) stellt es das dritte Inventar des NHG dar; die Hauptinventarisierung erfolgte zwischen den Jahren 1983 und 2003.

Aufbau, Gliederung und Nutzung des Inventars

Die drei Hauptbestandteile des IVS sind die schriftliche Dokumentation, eine Geländekarte im Massstab 1:25’000 und eine Inventarkarte. Bei der Bewertung der inventarisierten Schutzobjekte werden deren Erhaltungszustand und Bedeutung berücksichtigt. Es gibt drei Bewertungsstufen: lokal schützenswert, regional schützenswert und national schützenswert. Alleinverantwortlich für Schutz, Pflege und Aufarbeitung lokal und regional geschützter Verkehrswege sind die Kantone. Für die national schützenswerten Wege ist der Bund zuständig.


Häderlisbrücke in der Schöllenenschlucht; Uri, Schweiz. Sie ist ein Teil des alten Saumpfads. (Bild: © Хрюш, Wikimedia, CC BY-SA 3.0)

Häderlisbrücke in der Schöllenenschlucht; Uri, Schweiz. Sie ist ein Teil des alten Saumpfads. (Bild: © Хрюш, Wikimedia, CC BY-SA 3.0)


Jeder Verkehrsweg ist kartographiert und mit Monografien versehen, die den Wegverlauf und heutigen Zustand beschreiben sowie Auskunft über historische Belege geben. Auf der Inventarkarte ist der Schutzstatus durch die Farbe zu erkennen: National schützenswerte Wege sind rot eingezeichnet, regional schützenswerte blau und lokal schützenswerte grün.

Weitere Kennzeichnungen und Symbole geben Informationen über die Substanz des Weges und die wegbegleitenden Objekte. Daran kann man beispielsweise ablesen, ob und in welchem Ausmass die historische bzw. traditionelle (Bau‑)Substanz einer Strasse erhalten geblieben ist oder ob ihr heutiger Verlauf noch dem ursprünglichen entspricht.

Wandern mit dem Projekt Kulturwege Schweiz

Das Projekt Kulturwege Schweiz hat auf Grundlage des IVS viele Wanderrouten erarbeitet, die sich an den historischen Verkehrswegen und alten Kulturlandschaften der Schweiz orientieren. Das Projekt ist für jedermann zugänglich. Betrieben wird es von ViaStoria, einer Fachorganisation, deren Hauptaufgaben die Erhaltung und Nutzung historischer Wege sowie die Erforschung der Schweizer Verkehrsgeschichte sind.

Das Routennetz umfasst zwölf Hauptrouten und dreihundert regionale Routen. Jede Hauptroute ist einem Aspekt der Schweizer Verkehrs- und Kulturgeschichte zugeordnet und kann in mehreren Tagesetappen „erwandert“ werden. Auf den Regionalrouten lassen sich die Kulturlandschaften bei ein- oder mehrtägigen Wanderungen noch genauer entdecken und ganz persönlich erschliessen. Jede Wanderung auf einer Regionalroute hat ein bestimmtes Thema, zum Beispiel eine Spezialität der Region oder ein geschichtliches Ereignis.



Kulturwege Schweiz ist gut vernetzt mit lokalen und regionalen Tourismusorganisationen, Landwirten und anderen Anbietern regionaler Erzeugnisse und Spezialitäten. Durch diese enge Zusammenarbeit kann das Kulturwege-Projekt auf vielen Routen stimmige Gesamtkonzepte anbieten, in denen etwa Unterkunft, Übernachtung und Gepäcktransporte schon geregelt sind. Ein solches Paketangebot kann auch Degustationen, Weinproben und Museumseintritte an den Etappenzielen oder die Dokumentation der gesamten Reise enthalten.

Zwölf Hauptrouten zum Erwandern der historischen Schweiz

Zu den zwölf Hauptrouten von Kulturwege Schweiz gehören unter anderem die ViaCook, die ViaSbrinz, die ViaSuworow, die ViaJacobi und die Via Francigena. Die ViaCook bezeichnet den Weg, den der berühmte Reisende Thomas Cook nahm, als er im Jahr 1863 mit einer Reisegruppe in der Schweiz unterwegs war. Cook gilt bis heute als wichtiger Pionier des Tourismus. Auf der ViaSbrinz lassen sich die historischen Transportwege des Sbrinz, eines Zentralschweizer Hartkäses, von Norden nach Süden erwandern.

Wer auf der ViaSuworow unterwegs ist, folgt der Route des russischen Generals Suworow, dessen Weg ihn bei seinem Alpenfeldzug im Jahr 1799 über sechs Pässe führte. ViaJacobi und ViaFrancigena sind Teile historischer Pilgerwege: des berühmten Jakobsweges und des traditionellen Pilgerwegs von Canterbury nach Rom. Auf den Webseiten von Kulturwege Schweiz werden alle Routen und Stationen detailliert vorgestellt.

 

Artikelbild: © by-paul – Fotolia.com

Über Christine Praetorius

Christine Praetorius, Jahrgang 1971, spricht und schreibt über Neues, Altes, Schönes und Kurioses. Ich liebe Sprache und Musik als die grössten von Menschen für Menschen gemachten Freuden – und bleibe gerne länger wach, um ihnen noch etwas hinzuzufügen. Seit 2012 arbeite ich mit meinem Mann Christian als freie Texterin, Autorin und Lektorin.



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