In diesem Denkmal werden noch Nägel mit Köpfen gemacht

06.01.2016 |  Von  |  Denkmalpflege
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In diesem Denkmal werden noch Nägel mit Köpfen gemacht
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In der Schweiz gibt es nur noch einen einzigen Betrieb, in dem Nägel hergestellt werden: die Schweizerische Nagelfabrik AG in Winterthur, auch bekannt als „die Nagli“. Aktive Produktion, Museums- und Schaubetrieb finden unter dem Dach des denkmalgeschützten Fabrikbaus statt – und Besucher sind gern willkommen.

Seit 1895 macht die Nagli Nägel mit Köpfen nach alter Väter Sitte. Die Nachfrage ist gut, das Familienunternehmen läuft, und beim Schaubetrieb im Industriedenkmal kommt der historische Maschinenpark zum Einsatz. Von den Objekten des Industriewegs Winterthur ist die Nagli im Quartier Grüze das erfolgreichste – vielleicht, weil sie so viel Geschichte mitbringt, ohne selbst schon Geschichte zu sein.

Besondere Nägel für einen speziellen Markt

Die Schweizerische Nagelfabrik AG in Winterthur ist nicht nur die einzige Nagelproduktionsstätte in der Schweiz, sondern auch der einzige Anbieter von sogenannten Bezeichnungs- oder Bezeichnungskopfnägeln. Das sind Nägel, in deren Kopf eine Jahreszahl eingeschlagen ist, beispielsweise das Jahr der Produktion.

Zu den regelmässigen Abnehmern dieser besonderen Nägel gehören die Bahn- und Telefongesellschaften. Sie verwenden Bezeichnungsnägel, weil ihre Mitarbeiter aus den eingeprägten Jahreszahlen wichtige Informationen ablesen können. Denn wenn der Kopf des Nagels dessen Alter bzw. Verwendungsjahr verrät, lässt sich daraus auch ableiten, wann das Holz, in dem er steckt, verbaut oder zum letzten Mal ersetzt wurde.

Mit Hilfe der Nagli-Spezialnägel behalten die Gesellschaften den Überblick über wichtige empfohlene bzw. vorgeschriebene Wartungs- und Erneuerungsintervalle, beispielsweise für Eisenbahnschwellen oder hölzerne Telefonmasten. Diese alte Methode ist bis heute unübertroffen, weil sie so einfach wie zuverlässig und ausserdem sehr wirtschaftlich ist.

Gute alte Technik: Die Nagli-Maschinengruppe von 1895

Zum Maschinenpark der Schweizerischen Nagelfabrik AG Winterthur gehören eine horizontale Schlagmaschine (die „Grossmutter“) und fünf vertikale Schlagmaschinen, die wie früher über Lederriemen und Wellen angetrieben werden. Zwei davon stellen die Bezeichnungskopfnägel her. Weitere Produkte der Nagli sind Fensterstreicher und Stifte.

Nur gute Technik, mit der Menschen gut umgehen, hat auch die Chancen und das Zeug dazu, gute alte Technik zu werden. Und wenn sie das bereits ist, verdient sie es umso mehr, dass man gut zu ihr ist. Fünf der Nagel- und Einschlagmaschinen der Nagli gehören schon seit dem Betriebsbeginn im Jahr 1895 zur Fabrik. Zwischen 2000 und 2004 wurden sie von dem Industriearchäologen Dr. Hans-Peter Bärtschi und seinem Expertenteam fachmännisch überholt.

Um die heutige Art des Schaubetriebs zu ermöglichen und Aufbau wie Funktion der Nagel- und Schlagmaschinen spannend und anschaulich zu demonstrieren, wurde die ursprüngliche Maschinengruppe in den Jahren 2015 und 2016 ein weiteres Mal restauriert. Die Veränderungen sind jedoch minimal: Statt der ursprünglichen Dampfmaschine kommt heute ein Elektromotor zum Einsatz.

Die Anordnung der fünf ältesten Maschinen ist seit 1895 gleich geblieben. Die Kraftübertragung erfolgt über ein Vorgelege auf die Hauptwelle und fünf Lederriemen, einen für jede Maschine. Durch diese gemeinsame Transmission stellt die 120 Jahre alte Maschinengruppe ein fest miteinander verbundenes System dar. Dass dessen Disposition seit 1895 nicht verändert wurde, liegt vor allem daran, dass der Betrieb der beiden Produktionsmaschinen für die Bezeichnungsnägel durchgehend sichergestellt sein musste (und muss).

Auch das Gründergebäude der Nagli, ein eingeschossiger Fabrikbau mit Flachdach und Stichbogenfenstern, ist weitgehend erhalten geblieben. Neben dem Maschinensaal beherbergt der Bau neben dem Bahnhof Winterthur/Grüze die Spedition, die Verpackerei, das Meisterbüro und die Putzerei.



Schaubetrieb am Industriekulturweg Winterthur

Als der Industriekulturweg Winterthur, zu dem 20 Standorte gehören, im Jahr 1989 eingerichtet wurde, gab es noch keine städtische Denkmalpflege im heutigen Sinn. So fühlte sich auch kein Amt zuständig für historische Maschinen und Industriebetriebe. Ziel des Projekts war, die bedeutendsten Fabrikanlagen der Industriestadt Winterthur zu erhalten, um sie für Besucher bzw. Öffentlichkeit zugänglich zu machen und attraktiv zu präsentieren.

Von den damals als Topobjekte eingestuften Anlagen des Industriekulturwegs ist die Nagli heute mit rund 2‘000 Besuchern pro Jahr die erfolgreichste. Zum Schaubetrieb des Industriedenkmals gehören noch eine kleine Ausstellung zur Industriegeschichte von Winterthur, das Drahtlager, die Umspulmaschine und die alte Putzerei. In den Ausstellungsräumen können auch Filme vorgeführt werden.

Wer die Nagli in Winterthur besichtigen und die Arbeit der alten Maschinen mit allen Sinnen erleben will, kann das nur im Rahmen eines geführten Rundgangs tun. Spontane und unbegleitete Streifzüge in der alten Fabrik sind aufgrund der Schutz- und Sicherheitsvorschriften nicht möglich. Angeboten werden regelmässige öffentliche Rundgänge, denen sich Neugierige jederzeit anschliessen können, und buchbare Rundgänge mit optionalem Rahmenprogramm für geschlossene Gruppen.

 

Artikelbild: © Roland zh, Wikimedia, CC



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Über Christine Praetorius

Christine Praetorius, Jahrgang 1971, spricht und schreibt über Neues, Altes, Schönes und Kurioses. Ich liebe Sprache und Musik als die grössten von Menschen für Menschen gemachten Freuden – und bleibe gerne länger wach, um ihnen noch etwas hinzuzufügen. Seit 2012 arbeite ich mit meinem Mann Christian als freie Texterin, Autorin und Lektorin.



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