Die Luxusdenkmäler von Interlaken: Kloster, Hotel und Casino

15.10.2014 |  Von  |  Allgemein, Denkmalpflege
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Die Luxusdenkmäler von Interlaken: Kloster, Hotel und Casino
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Den Baudenkmälern der Klasse A in der kleinen Gemeinde Interlaken – gelegen im Verwaltungskreis Interlaken-Oberhasli im Kanton Bern – geht es richtig gut. Privatinvestoren kümmern sich um den Erhalt. Wir möchten Ihnen die drei schönsten Denkmalobjekte und natürlich das Dörfli Interlaken und seine Geschichte vorstellen.

Interlaken gilt als Zentrum des östlichen Berner Oberlandes, liegt auf einer Schwemmebene, dem „Bödeli“, direkt an der Aare zwischen Thunersee und Brienzersee und gehört aufgrund seiner extrem verkehrsgünstigen Lage zu den beliebtesten Ferienregionen der Schweiz. Aufgrund des grandiosen Blicks auf das Jungfraumassiv wird Interlaken auch Jungfrauregion genannt. Die kleine Gemeinde mit ihren gerade einmal 5650 Einwohnern verfügt über 60 Hotels, 6 Jugendherbergen, 8 Campingplätze und zahlreiche private Ferienwohnungen.



Von den beiden Bahnstationen Interlaken-Ost und Interlaken-West aus bereisen Sie mit der Oberlandbahn die gesamte Region. Interlaken ist die kleinste Gemeinde der Schweiz, die über zwei Intercitybahnhöfe verfügt. Neben seinem Status als Alpin-Region ist Interlaken für die alljährlichen Tell-Festspiele bekannt.

Interlaken – der alte Turm (V&A Dudush, Wikimedia, CC)

Interlaken – der alte Turm (V&A Dudush, Wikimedia, CC)

Von der Aarmühle übers Kloster zum Dörfli Interlaken

Das Dorf selbst kann auf namhafte Fans zurückblicken, darunter Johann Wolfgang von Goethe und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Interlaken trägt seit Anbeginn den Steinbock im Wappen, liegt inmitten der Aare-Schlucht und ist umgeben von der beeindruckenden Bergwelt der Schweizer Alpen.



Freiherr Seliger von Oberhofen liess um 1130 auf dem „Matten“ zwischen den beiden Seen ein Bethaus aus Holz erbauen. Diese bescheidene Holzhütte war der Grundstein für das vom Augustinerorden gegründete Kloster Interlaken, in dem etwa 30 Mönche und Laienpriester lebten und arbeiteten. Kaiser Lothar III. nahm das kleine Kloster 1133 unter seine Schirmherrschaft. 1224 nahm es die noch junge Stadt Bern unter ihren Schutz. Bis 1484 gab es neben dem Männerkloster auch ein Frauenkloster, das jedoch wegen „sittlichen Zerfalls“ geschlossen wurde.

Im Zuge der Reformation wurde das ehemalige Doppelkloster im 16. Jahrhundert in ein Spital umgewandelt und später zu einem Schloss umgebaut, das seitdem dem Kanton Bern gehört. Die alte Kirche und der beeindruckende gotische Kreuzgang sind noch heute Bestandteil des Ensembles. Die Ortschaft Interlaken wurde erst 1891 umbenannt, bis dahin trug sie den Namen Aarmühle. Über Kloster und Schloss Interlaken gibt es bereits einen ausführlichen Bericht, über die denkmalgeschützte Luxus-Hotel-Anlage „Victoria-Jungfrau“ und das ebenfalls in einem denkmalgeschützten Gebäude der Klasse A beheimatete Casino finden sich hingegen nur wenige Publikationen, ausser natürlich den Werbebroschüren der Tourismusbranche.

Luxustempel in beeindruckender Pracht: Victoria-Jungfrau

Die 1856 von Eduard Ruchti als Pension gegründete und 1864/65 neu gebaute Hotelanlage steht unter dem Schutz der Schweizer Denkmalbehörde und ist ein architektonisches Juwel der Belle Epoche. Entworfen wurde das Hotel von den Architekten Jakob Friedrich Studer und Horace Edouard Davinet. Das Victoria-Jungfrau gilt seit Beginn der Blütezeit des alpinen Tourismus als erstes Haus am Platze, mit kurzen Unterbrechungen im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Jeder will den prestigeträchtigen Gebäudekomplex mit dem beeindruckenden Kuppelbau besitzen. Selten gab es um ein Denkmal so viel Gerangel, bei dem schliesslich die bekannte Schweizer Hoteliersfamilie Manz den Kürzeren gegenüber der AEVIS Holding SA zog, die seit Anfang des Jahres Mehrheitseigner des Hotels ist und sich seitdem über steigende Aktienkurse freut.



Ein Appartement im Luxusdenkmal kostet pro Nacht so viel, wie eine Schweizer Sekretärin in der Woche verdient. Wer es sich leisten kann, zieht nicht nur in ein geschichtsträchtiges Denkmal ein, sondern nutzt zusätzlich die Annehmlichkeiten eines modernen, 5000 Quadratmeter grossen Wellnesstempels mit Schwimmhalle, Fitness- und Spa-Bereich im Inneren. Kein Staubkorn liegt auf den Marmorfliesen, und auch die Fassade des Hotels weist keinerlei Risse auf. Ein Grossteil der Gewinne wird in den Erhalt und die Restauration der historischen Bausubstanz gesteckt. Eine kluge Investition, denn das Fünf-Sterne-Hotel mit seinem einzigartigen Blick auf das Jungfraumassiv erfreut sich einer hervorragenden Auslastung.

Hotel Victoria-Jungfrau in Interlaken, Kanton Bern (Bild: Dietrich Michael Weidmann, Wikimedia, GNU)

Hotel Victoria-Jungfrau in Interlaken, Kanton Bern (Bild: Dietrich Michael Weidmann, Wikimedia, GNU)




Vom Kursaal übers Lagerhaus zum Casino Interlaken

Im Kursaalgarten befindet sich heute wieder das Casino Interlaken in einem ohnehin als Casino konzipierten Prachtbau mit Orangerie-Charakter. 33 Privatpersonen erwarben 1858 ein 14 Hektar grosses Grundstück des ehemaligen mittelalterlichen Augustinerklosters, gestalteten eine wunderschöne Parkanlage mit Springbrunnen und Promenade und eröffneten 1859 ein Casino, das jedoch nur einen Monat lang als solches betrieben werden durfte, denn der Kanton Bern erliess just in diesem Jahr ein Verbot für „Hasard-Spiele“, das über 100 Jahre lang schweizweit Bestand haben sollte. Daraufhin wurde das Objekt als Molke-Kurhaus genutzt, fiel aber gnadenlos bei einer Kontrolle des Medizinaluntersuchungsamtes durch.

Kursaal Interlaken, Kanton Bern (Bild: Dietrich Michael Weidmann, Wikimedia, GNU)

Kursaal Interlaken, Kanton Bern (Bild: Dietrich Michael Weidmann, Wikimedia, GNU)

Seitdem war das Gebäude Bierwirtschaft, Kursaal, Theater, Ballsaal und Restaurant. Zwischenzeitlich musste das Haus sogar als Lagerhalle für die Armee herhalten und diente im den beiden Weltkriegen kurzzeitig als Lazarett. Zwischen 1955 und 1987 wurde das Objekt mehrfach saniert, umgebaut und erweitert. Seit der Legalisierung 1998 bemühte sich die Kurgesellschaft um eine offizielle Glücksspiellizenz. Die Spielbanklizenz für den erneuten Spielbetrieb wurde im Oktober 2001 endlich vom Bundesrat der Schweiz vergeben. Seitdem tanzen hier wieder die Puppen, rollt die Roulettekugel und bebt der Black-Jack-Tisch – so, wie es ursprünglich vor über 150 Jahren geplant war.



 

Oberstes Bild: Das kleine Interlaken ist gesegnet mit hervorragend erhaltenen Baudenkmälern. (© Fabio Sommaruga  / pixelio.de)

Über Claudia Göpel

Als gelernte Zahntechnikerin schreibe ich exzellent recherchierte Texte rund um die Themen Zahnmedizin, Allgemeinmedizin, Geriatrie und Gesundheit.
Sie profitieren mit mir als Auftragstexterin zudem von einem reichen Erfahrungsschatz in den Berufsbereichen Gastronomie, Kultur und Recht. Blog- und Fachartikel über Kinder, Tiere (Hunde, Katzen, Vögel, Fische, Reptilien, Kleinsäuger, Vogelspinnen), Pflanzen, Mode, Möbel und Denkmalschutz schreibe ich ebenfalls mit Begeisterung und reichlich Hintergrundwissen.
Zum Ausgleich verfasse ich in meiner Freizeit Kriminalstorys sowie erotische Kurzgeschichten, die unter dem Pseudonym Anastasia in zahlreichen Büchern und Erotik-Magazinen veröffentlicht sind. Ausserdem bin ich seit vielen Jahren ehrenamtlich als Klinikclown für kranke Kinder in deutschen Krankenhäusern und Hospizen aktiv.


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