Nach der Renovation im Maihofschulhaus: So macht Lernen wieder Spass!

28.03.2014 |  Von  |  Allgemein, Denkmalpflege
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Nach der Renovation im Maihofschulhaus: So macht Lernen wieder Spass!
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Das Schulanlage Maihof am Rande der Stadt Luzern stammt aus der Zeit des Späthistorismus und zählt zu den bedeutendsten Vertretern des Heimatstils bei den städtischen Schulhäusern. Nach jahrzehntelangem Schulbetrieb war die Sanierung und Modernisierung dringend notwendig. Ende 2012 waren die Arbeiten abgeschlossen, seitdem ist das Maihofschulhaus mit seinen Nebengebäuden wieder ein lebendiges Zentrum für Kinder.

Die Erhaltung der historischen Konstruktion



Der bekannte Luzerner Architekt Othmar Schnyder war im Jahr 1906 für die Erbauung der Schulanlage Maihof verantwortlich. Die Maihofschule befindet sich auf der Kuppe des Schlossbergs und ist gemeinsam mit der denkmalgeschützten Kirche St. Josef der Mittelpunkt des Maihofquartiers. Das Schulhaus, die Pausenhalle und die Turnhalle stehen nebeneinander und prägen das Strassenbild.

Maihofschulhaus vor dem Beginn der Gesamtsanierung 2011 (Bild: © Kantonale Denkmalpflege Luzern, Theres Bütler)

Maihofschulhaus vor dem Beginn der Gesamtsanierung 2011 (Bild: © Kantonale Denkmalpflege Luzern, Theres Bütler)

Die repräsentativen Fassaden der Schulanlage sollten bei der Renovation erhalten bleiben. Optisch besonders hervortretend sind bei den Gebäuden aus Naturstein die unterschiedlichen Gebäudehöhen mit Querfirsten und Schmuckgiebeln. Es zeigt sich eine weiche, asymmetrische Ansicht im Gesamtumriss, die dem Späthistorismus entspricht. Der Grundriss der einzelnen Gebäude ergibt eine U-förmige Anordnung der Klassenzimmer. Im Hof der Schulanlage wurde im Zuge der Renovierung ein Neubau errichtet, in dem Gruppenräume, die Bibliothek und die Aula untergebracht sind.



Hinter den historischen Fassaden verbirgt sich eine moderne Konstruktion, die für die Bauzeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts richtungsweisend war. Hier befinden sich die sogenannten Siegwart-Balkendecken. Diese speziellen Betondecken sind eine patentierte Erfindung, die der von dem Architekten Hans Siegwart gegründeten gleichnamigen Gesellschaft in Luzern zugeordnet wird.

Eingangshalle des Maihofschulhauses (Bild: © Kantonale Denkmalpflege Luzern, Theres Bütler)

Eingangshalle des Maihofschulhauses (Bild: © Kantonale Denkmalpflege Luzern, Theres Bütler)

Die Gesamtsanierung berücksichtigte unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten den historischen Wert der Schulanlage Maihof. Einige Beispiele: An der Westfassade wurde der Schmuckgiebel rekonstruiert. Die Fenster erfuhren ebenfalls eine Umgestaltung. Nachdem in den 70er Jahren eher zweckmässige Fenster eingesetzt worden waren, kamen wieder Fenster mit der ursprünglichen Fensterteilung zur Geltung.

Das Innere der Gebäude blieb weitgehend erhalten. Hier findet man Verkleidungen der Fenster und Türen, die sorgfältig renoviert wurden. Neben der optischen Wiederherstellung blieb die Aufgabe der Dämmung, um das Gebäude energietechnisch auf einen zeitgemässen Stand zu bringen. Die Natursteinfassaden und die inneren Wandflächen liessen keine Neudämmung zu, deshalb musste mit zahlreichen anderen Massnahmen der Energieverbrauch reduziert werden, Auf zwei kleineren Flachdächern installierten die Bauherren eine Photovoltaik-Anlage. Des Weiteren kam ein effizientes Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung zum Einsatz.

Schulhaus Maihof vom Nord-Osten aus gesehen (Bild: © Kantonale Denkmalpflege Luzern, Theres Bütler)

Schulhaus Maihof vom Nord-Osten aus gesehen (Bild: © Kantonale Denkmalpflege Luzern, Theres Bütler)




Sehenswerte Wandverkleidungen mit Linkrusta-Tapeten

Erhalten blieben auch die Linkrusta-Tapeten, hier waren an etlichen Stellen Ergänzungen und Neufassungen notwendig. Unter Linkrusta versteht man ein linoleumähnliches Material. Es wird aus oxidiertem Leinöl (Linoxin), Kopalharz, Kolophonium, Holzmehl sowie Füll- und Farbstoffen hergestellt. Der Herstellungsprozess ergibt eine Masse, die auf ein Trägermaterial aufgebracht wird.

Dafür eignen sich festes Papier und Gewebe aus Baumwolle, Jute oder Hanf. In der Optik gleicht Linkrusta dem früher häufig verwendeten Linoleum. Mit einer Walze lässt sich das Material strukturieren, so dass sich unterschiedliche Oberflächen ergeben. Linkrusta-Tapten sind wasserbeständig und widerstandsfähig. Die Oberfläche kann mit Farben und Lacken behandelt und veredelt werden, auch Blattvergoldungen sind möglich.

Als stabiler, schlag- und druckfester Wandbelag wurde das Material ab dem ausklingenden 19. Jahrhundert häufig verwendet, Linkrusta-Tapeten sind auch heute noch in vielen historischen Gebäuden anzutreffen. Prominente Beispiele sind die Carnegie Hall in New York und das Café Royal in London. Zahlreiche Bürger- und Patrizierhäuser sind ebenfalls mit der dekorativen Wandverkleidung ausgestattet. So ist es nicht verwunderlich, dass die Linkrusta-Tapeten im Maihofschulhaus als schützenswert gelten.

Schulhaus Maihof, Erdgeschoss (Bild: © Kantonale Denkmalpflege Luzern, Theres Bütler)

Schulhaus Maihof, Erdgeschoss (Bild: © Kantonale Denkmalpflege Luzern, Theres Bütler)

Pulsierendes Leben im Schulhaus Maihof

Seit der Erbauung am Beginn des 20. Jahrhunderts hat die Schulanlage Maihof schon unzählige Kinder beherbergt und mit diversen Möglichkeiten zum Lernen, aber auch Spielen versorgt. Als um das Jahr 1900 die Einwohnerzahlen in Luzern stiegen, beschloss man den Bau des Schulhauses auf dem Gebiet „Weggismatte“. Das Gebäude sollte im Stil eines französischen Schlosses errichtet werden. Am 17. September 1906 nahm die Schule mit damals 12 Klassen den Betrieb auf. Im Lauf der Jahrzehnte gab es immer wieder Anlässe zum Feiern. So gründete beispielsweise Josef Vallaster-Rütter im Jahr 1943 eine Stiftung. Die Zinsen der Stiftung sollten den Maihofschülern hin und wieder für einen festlichen Anlass zur Verfügung stehen.

Schulhaus Maihof, Klassenzimmer (Bild: © Kantonale Denkmalpflege Luzern, Theres Bütler)

Schulhaus Maihof, Klassenzimmer (Bild: © Kantonale Denkmalpflege Luzern, Theres Bütler)

Im Jahr 1956 fand eine Feier zum fünfzigjährigen Schuljubiläum statt. Die Turnhalle war mit Fahnen geschmückt, zahlreiche Gäste, Eltern und Kinder nahmen an der Feier teil. Die Schülerzahl war auf über 900 Kinder angewachsen. Man kann sich heute noch vorstellen, wie gross die Begeisterung war, als Josef Vallaster die Kinder mit 900 Nussgipfeln verwöhnte und einen kostenlosen Ausflug an einem der nächsten Sommertage in Aussicht stellte.



Von 1957 bis 1980 fanden in sieben Bauetappen Modernisierungen statt. Der Pausenhof musste umfassend saniert werden, er bestand zum damaligen Zeitpunkt hauptsächlich aus Asphalt und bot kaum kindgerechte Möglichkeiten. Mit einer Umgestaltung und Begrünung hatten die Kinder nun eine Freifläche zum Spielen und Toben.

Schulhaus Maihof, Pausenhalle (Bild: © Kantonale Denkmalpflege Luzern, Theres Bütler)

Schulhaus Maihof, Pausenhalle (Bild: © Kantonale Denkmalpflege Luzern, Theres Bütler)

Zum hundertjährigen Jubiläum im Jahr 2006 waren die Schülerzahlen erheblich gesunken. Trotzdem war die Feier ein voller Erfolg, Schüler und Lehrer erschienen in historischen Gewändern. Die Schulanlage Maihof zeigt sich heute von aussen in einem repräsentativen Zustand. Das Innenleben beschränkt sich nicht nur auf den Schulbetrieb, sondern umfasst zeitgemässe Angebote: Theatergruppen, Aufgabenhilfe, Betreuung und Schulsozialarbeit zählen für die Maihofschule zum Standard.



 

Oberstes Bild: Schulanlage Maihof in Luzern nach Restauration 2013 (Bild: © Kantonale Denkmalpflege Luzern, Theres Bütler)


2 Kommentare


  1. Wäre doch schön gewesen, wenn der Name des Architekturbüros, das die Sanierung und den Erweiterungsbau geplant und deren Ausführung begleitet hatte, genannt worden wäre: generalplan 4 ag aus Luzern.

  2. Die Erneuerung des Maihofschulhauses ist wirklich gelungen. Die an der Renovation Beteiligten haben erfolgreich versucht, nicht ein Museum, sondern Lebens- und Lernräume für Kinder und für die beteiligten erwachsenen Menschen zu gestalten!
    Leider spiegelt sich das in diesem Bericht überhaupt nicht wider. Wie fügt sich der Bau ins Quartier ein? Wie wird der Bau und die Umgebung von den Kindern gestaltet und genutzt?
    Wo sind die Menschen, die hier (zu einem Teil) den ganzen Tag leben?
    vgl. Dienststelle Volksschulbildung Luzern (Hrsg.)(2012): Dem Lernen Raum geben. Pädagogische Planungshilfe.

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