Der Hauptbahnhof Zürich – Verkehrsknotenpunkt und Objekt der Denkmalpflege

24.02.2014 |  Von  |  Allgemein, Denkmalpflege
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Der Hauptbahnhof Zürich – Verkehrsknotenpunkt und Objekt der Denkmalpflege
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Der Zürcher Hauptbahnhof ist nicht nur der grösste, sondern auch einer der ältesten Bahnhöfe der Schweiz. Mit seinen fast 3’000 Ein- und Abfahrten pro Tag gilt er auch als einer der am meisten frequentierten Bahnhöfe weltweit. Die Inlands- und Fernzüge aus den Nachbarländern Frankreich, Österreich, Italien und Deutschland prägen den Endpunkt der allerersten Bahnlinie der Schweiz, der „Spanisch-Brötli-Bahn“.

Er liegt in direkter Nachbarschaft zum Schweizerischen Landesmuseum am Rande der Altstadt. Unter seinen Gleisen und Bahnsteigen fliesst die Sihl, deren Mündung in die Limmat sich ebenfalls in der Nähe befindet. Ursprünglich wurde der Hauptbahnhof Zürich als Kopfbahnhof errichtet. Allerdings gibt es heute unterirdische Durchfahrten für die S-Bahn. Ein weiterer Bahnhofsteil für den normalen Zugverkehr im Untergrund ist im Bau und soll im Jahr 2014 fertiggestellt sein.



Das Gebäude des Architekten Jakob Friedrich Wanner wurde 1871 eröffnet und ersetzte den alten Bau von Gustav Albert Wegmann aus dem Jahr 1847. Der monumentale Haupteingang wurde in Form eines Triumphbogens gestaltet und führte in ein prunkvolles Inneres mit zahlreichen Innenhöfen und Wandelgängen, Wartesälen und Restaurants.

Frühestes Bild des Zürcher Hauptbahnhofs, September 1871 (Quelle: Fred Rihner: lllustrierte Geschichte der Zürcher Altstadt; Aarau 1975, Wikimedia)

Frühestes Bild des Zürcher Hauptbahnhofs, September 1871 (Quelle: Fred Rihner: lllustrierte Geschichte der Zürcher Altstadt; Aarau 1975, Wikimedia)

Seinen heutigen Namen Zürich Hauptbahnhof erhielt er im Jahr 1893 im Zuge der Eingemeindung der Zürcher Vororte. 1902 wurden wegen Platzmangel der nördliche Trakt mitsamt Bahnpost sowie vier zusätzliche Gleise hinzugefügt. Nachdem die SBB sich 1916 für das Einphasen-Wechselstromsystem entschieden hatten, erfolgte nach und nach die Elektrifizierung aller von Zürich ausgehenden Strecken. Die erste war die Verbindung Zürich-Zug im Jahr 1923, die letzte wurde 1927 an das Stromnetz angeschlossen. Die Quer- und die Perronhalle mit 16 Gleisen entstanden 1933.

Da der Bahnhof mit seinen Gebäuden und Gleisanlagen ein riesiges Areal beansprucht und auch die beiden Flüsse Sihl und Limmat für den immer stärker werdenden Verkehr in der Stadt schwere Hindernisse darstellten, gab es mehrfach Überlegungen, eine U-Bahn zu bauen, was aber vom Volk ebenso häufig abgelehnt wurde.





(Bild: Hansueli Krapf, Wikimedia, CC)

(Bild: Hansueli Krapf, Wikimedia, CC)

Im Jahr 1970 schliesslich waren die Arbeiten am Bahnhofsvorplatz sowie der Ladenpassage „Shopville“ abgeschlossen. Der Platz wurde zur Fussgängerzone und das unterirdisch gelegene „Shopville“ diente seitdem als einziger Zugang zum Bahnhof. In den 1980er Jahren verkam „Shopville“ mehr und mehr zu einem Drogenumschlagplatz, so dass Reisende nur noch die Querhalle und die Strassenbahnhaltestelle nutzten und andere Bereiche mieden.

Die Probleme nahmen erst durch den Bau der S-Bahn und die Überbauung eines Teils der Gleise sowie teilweise Schliessungen während der Nachstunden ab. Durch ein Projekt unter dem Namen „HB-Südwest“ sollten neue Flächen für die weitere Stadtentwicklung sowie mehr Platz für die ständig wachsende Zahl von Reisenden geschaffen werden.

Mit der neuen S-Bahn und dem Bau des über zwei Kilometer langen Hirschengrabentunnels entstanden im Zürcher Hauptbahnhof zwei weitere, unterirdische Bahnhöfe, die seit 1990 durch Ladenpassagen miteinander verbunden sind. Sie bilden heute eine der grössten Shopping-Malls des Landes. In der Folgezeit gab es weitere bauliche Veränderungen und Erweiterungen. So wurden in der Haupthalle 1996 provisorische Einbauten entfernt und in der Perronhalle neue Stützen eingebaut. Der grosse Erfolg der S-Bahn-Linien führte zum Bau eines weiteren Tunnels und zusätzlicher S-Bahn-Gleise für den Bahnhof Löwenstrasse.





Shopville-Railcity in Züricher Hauptbahnhof  (Bild: Toni, Wikimedia, CC)

Shopville-Railcity in Züricher Hauptbahnhof (Bild: Toni, Wikimedia, CC)

Die Glocken des ehemaligen Bahnhofs, die die Abfahrten der Spanisch-Brötli-Bahn signalisierten, kamen im Neubau von 1871 in einem kleinen Turm an der Ostfassade unter, die alte Uhr wurde über dem Haupteingang angebracht – schon ganz im Sinne heutiger Anforderungen der Denkmalpflege. Laut der damaligen Signal-Ordnung mussten die Glocken zehn Minuten vor der Anfahrt einmal, fünf Minuten vorher zweimal und unmittelbar vor der Abfahrt dreimal geläutet werden.

Zum 150-jährigen Jubiläum installierte ein Team der ETH Zürich ein dreidimensionales Display aus 25’000 einzeln ansteuerbaren Lichtelementen, auf denen sowohl Lichtspiele als auch Filmsequenzen gezeigt werden können. Bis auf Weiteres soll die „NOVA“ genannte Installation im Zürcher Bahnhof hängen bleiben.



Seit 2007 besteht eine Partnerschaft zwischen SBB und Deutscher Bahn bzw. zwischen Zürich Hauptbahnhof und dem neuen Berliner Hauptbahnhof. Sinn und Zweck der Kooperation ist es, den Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen den Betreibern der beiden Bahnhöfe, die beide eine ähnliche Grösse aufweisen, zu fördern.

Hauptbahnhof Zürich (Bild: Ikiwaner, WIkimedia, CC)

Hauptbahnhof Zürich (Bild: Ikiwaner, WIkimedia, CC)

In Zürich nutzen täglich zwischen 300’000 und 500’000 Reisende den Service der SBB. Bis auf wenige Nachtstunden von halb zwei und vier Uhr ist der Bahnhof durchgehend geöffnet. Von den 2’915 derzeitigen Zugfahrten pro Tag sind 2’607 Personenzüge. Umgerechnet fährt also alle 25 Sekunden ein Zug ab oder ein. Die Länge der Gleisanlagen beträgt vier Kilometer, die der gesamten Gleise etwa 100 Kilometer. Fast 800 Weichen und 1’000 Signale sorgen für die Regelung des Zugverkehrs. Zürich Hauptbahnhof ist damit ein gigantisches Objekt, nicht zuletzt auch für die Experten der kantonalen Denkmalpflege.



 

Oberstes Bild: Der Hauptbahnhof Zürich – Verkehrsknotenpunkt und Objekt der Denkmalpflege (Bild: Roland zh, Wikimedia, CC)



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Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.



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