Viermal abgebrannt, viermal wieder aufgebaut – St. Nikolaus in Bremgarten

26.01.2014 |  Von  |  Allgemein, Denkmalpflege
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Viermal abgebrannt, viermal wieder aufgebaut – St. Nikolaus in Bremgarten
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Die Stadtkirche St. Nikolaus gehört zu den Wahrzeichen von Bremgarten im Kanton Aargau. In ihrer langen Geschichte, die bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht, war sie viermal einem verheerenden Feuer ausgesetzt, davon dreimal in der Zeit des späten Mittelalters. Das letzte Feuer am 28. März 1984 wurde durch unsachgemässe Renovierungsarbeiten ausgelöst.

Glücklicherweise waren die Pläne des Baus vor Beginn der Renovation vollständig aufgezeichnet worden, so dass sie mit Spenden und Geldern für die Denkmalpflege aus dem Lotteriefonds wieder aufgebaut werden konnte.



Die Stadtkirche entstand in ihrer heutigen Gestalt zum grössten Teil in der Gotik, anfangs als ein für jene Zeit typischer Saalkirchenbau. Aus archäologischen Untersuchungen geht hervor, dass St. Nikolaus wohl auf Betreiben der Habsburger schon im 11. Jahrhundert errichtet wurde, also vor der Stadtgründung. Damals existierten lediglich zwei kleine Siedlungen: rund um die Burg lag Vilingen und auf dem Areal der heutigen Unterstadt Bremgarten. Beide wuchsen im 12. Jahrhundert zu einem grösseren Ort zusammen. Die erste urkundliche Notiz der Kirche erscheint im Jahr 1252.

Um diese Zeit erhielt St. Nikolaus auch eine erste Unterteilung des Innenraumes mit Sakristei und Beinhaus. Der bisherige Erdfussboden wurde mit Mörtel versehen. Als die Bevölkerung der Stadt immer weiter wuchs und der Platz nicht mehr für alle Gläubigen ausreichte, kam es zu einer Erweiterung nach Westen. Der erste Brand um 1340 führte zu sehr starken Beschädigungen des Gotteshauses. Im Zuge des Neubaus wurde mit dem Turm begonnen, der damals eine Höhe von rund 50 Metern ereichte. Die Jahreszahl 1343 in dessen Fundament bestätigt den Baubeginn sowie den Namen des Baumeisters Rudolf von Merenschwand.

Die nächste grosse Zerstörung brachte der Stadtbrand im Jahr 1382, in dessen Folge die Westmauer komplett neu gebaut und Nord- und Südmauer saniert werden mussten. An der nördlichen Seite entstanden zwei Kapellen. Schliesslich brannte im März 1434 Bremgartens Unterstadt und damit auch wiederum die Kirche. Die damals entstandenen Schäden wurden zunächst nur notdürftig repariert.

Am 7. August 1580 schlägt der Blitz in Bremgarten in die Kirche ein, während der Siegrist die Glocken läutet (Bild: Socrates75, Wikimedia)

Am 7. August 1580 schlägt der Blitz in Bremgarten in die Kirche ein, während der Siegrist die Glocken läutet (Bild: Socrates75, Wikimedia)




Erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts kam es auf Grund der vorgegangenen Beschädigungen und einem weiteren Bevölkerungszuwachs zu einem grundlegenden Umbau. Die aussen liegenden Kapellen wurden als Nebenschiff in den Innenraum miteinbezogen, gotische Fresken zierten die Wände. In den späteren Jahrhunderten wurde St. Nikolaus ergänzt durch die Sakristei (1532), das Südwand-Portal aus der Spätrenaissance (1617), eine Glockenstube und einen neuen Turmhelm (1742/43) und schliesslich das Hauptportal (1804).

Inneres der Stadtkirche St. Nikolaus in Bremgarten (Bild: Andreas Faessler, Wikimedia, CC)

Inneres der Stadtkirche St. Nikolaus in Bremgarten (Bild: Andreas Faessler, Wikimedia, CC)

Am 28. März 1984 kam es zum vierten Brand des Gotteshauses. Arbeiter hatten bei der Renovation der Holzbalken im Chor ein Schutzmittel verwendet, das feuergefährliche Gase absonderte. Als einer der Handwerker eine hervorstehende Schraube mit einer Trennscheibe stutzen wollte, entzündeten sich die Dämpfe durch den Funkenflug schlagartig. Es folgte eine Explosion, bei der aber glücklicherweise niemand zu Schaden kam. In wenigen Stunden breitete sich das Feuer über den Dachstuhl bis hin zum Haupteingang aus. Eine offene Tür zum Turm liess auch diesen in Flammen aufgehen.



Etwa 100 Feuerwehrleute aus Bremgarten und umliegenden Orten waren mit den Löscharbeiten beschäftigt. Allerdings war die Leiter für den Turm zu kurz, so dass zusätzlich ein Helikopter eingesetzt werden musste. Kurz nachdem die Löscharbeiten eingestellt waren, stürzten sämtliche Glocken in die Tiefe und schmolzen, darunter auch die bislang älteste Glocke im Kanton Aargau. Ihre Reste stehen als Branddenkmal heute vor der Kirche. Das Feuer zerstörte ausserdem das Dach, Orgel und Orgelempore sowie die Überbauten der Altäre. Lediglich die Sakristei blieb verschont. Da es, wie erwähnt, aber ausführliche Pläne gab, konnte St. Nikolaus mit Mitteln der Denkmalpflege und aus Spenden wieder aufgebaut werden.





Brand der Stadtkirche Bremgarten am 28. März 1984 (Bild: Micha L. Rieser, Wikimedia, CC)

Brand der Stadtkirche Bremgarten am 28. März 1984 (Bild: Micha L. Rieser, Wikimedia, CC)

Leider wurden die erst 1983 bei Renovationsarbeiten entdeckten Fresken von Paul Widerkehr (1630) von dem Feuer ebenfalls vernichtet. Allerdings brachte der Brand darunter Fresken aus der Spätgotik um 1500 hervor, Darstellungen der zwölf Apostel in Überlebensgrösse und klassischen Gewändern. Die erhaltenen Reste wurden komplett frei gelegt und schmücken heute den Chor.

Ein besonderes Kapitel in der Geschichte der Stadtkirche Bremgarten nehmen die insgesamt sieben Orgeln ein. Die erste stammte aus der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Baden und wurde 1458 eingebaut. Nach einer Renovierung im Jahr 1578 erhielt St. Nikolaus von 1612 bis 1616 die zweite Orgel, gebaut von Thomas Schott. Es folgten ein Instrument von Franz Joseph Otter von Trimbach (1788/89), ein neubarockes Werk von Friedrich Goll (1898), ein Exemplar aus der Werkstatt der Th. Kuhn AG (1953), die dem letzten Brand zum Opfer fiel, und die heutige Orgel der Metzler AG im Jahr 1988.

Heute steht die Stadtkirche St. Nikolaus unter dem Schutz der Kantonalen Denkmalpflege. Sie wird wieder für regelmässige Gottesdienste und darüber hinaus häufig für Konzerte von Orchestern und Chören und für Orgelkonzerte genutzt.



 

Oberstes Bild: Stadtkirche St. Nikolaus in Bremgarten, Ansicht von südöstlicher Richtung (Bild: Wladyslaw, Wikimedia, CC)

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.



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