Gelungene Symbiose von Denkmalpflege und Ökonomie – das Katharinen-Kloster in St. Gallen

05.12.2013 |  Von  |  Denkmalpflege
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Gelungene Symbiose von Denkmalpflege und Ökonomie – das Katharinen-Kloster in St. Gallen
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Das ehemalige Kloster St. Katharina in St. Gallen ist ein gutes Beispiel dafür, dass ökonomische Interessen und Denkmalpflege gelungene Kooperationen eingehen können, die beiden Seiten gerecht werden. Nach dem Kauf durch eine Privatbank, die bereits ein Nachbargebäude besass, wurde der Bau umfassend und schonend restauriert und dient seit dem Frühjahr 2013 unter dem Namen „Forum St. Katharinen“ als Seminar- und Schulungszentrum des Instituts. Ein Saal mit restaurierter Orgel kann darüber hinaus für Kulturveranstaltungen genutzt werden und wird der Öffentlichkeit zeitweise frei zugänglich sein.

Die Geschichte des Ordens geht zurück bis ins 13. und 14. Jahrhundert. Die Namensgeberin des Klosters war die Märtyrerin Katharina von Alexandrien. Bis 1266 galt St. Katharina als ein Kloster der Augustinerinnen, bis die ansässigen Nonnen im Jahr 1368 die Ordensregel der Dominikaner annahmen. Der grosse St. Gallener Stadtbrand am 20. April 1418 zog auch das Kloster in Mitleidenschaft, es fehlt allerdings eine Überlieferung der tatsächlich entstandenen Schäden.



Erhalten sind heute von der Klosteranlage nur noch der Kreuzgang sowie die frühere Klosterkirche, eines der ältesten Gebäude der Stadt. In den Wirren der Reformation liess der städtische Rat die Einrichtung der Kirche zerstören und sogar die Klöppel der Glocken entfernen. Da die Nonnen sich weigerten, die neue Lehre zu übernehmen, war das Kloster einige Jahre später praktisch aufgelöst und gelangte in den Besitz der Stadt. Sie richtete in dem Gebäude eine Knabenschule ein, später folgte die Bibliothek von Vadian. Auch die Kirche wurde lange Zeit weiter genutzt, unter anderem von der freien evangelischen Gemeinde für Gottesdienste und eine Suppenküche in den Nebengebäuden.

Die Kosten für die Restaurierung belaufen sich nach Angaben der Bank auf etwa zehn Millionen Franken. Dafür wurde der Bau in der Altstadt von St. Gallen allerdings auch komplett und aufwändig saniert. Trotzdem ergibt sich nach Abschluss der Arbeiten ein geschmackvolles und zurückhaltendes Gesamtbild. Die Einrichtung präsentiert sich schlicht und sachlich. Bei den Untersuchung des Parketts kam der ursprüngliche Fussboden wieder zum Vorschein, ein Plattenbelag. Im Laienchor wies er zwei Grababdeckungen und einige geflickte Stellen auf. Der historische Boden wurde mit einem neuen Belag versehen, ohne dass die alte Substanz angegriffen oder verändert wurde. Die Grabplatten der Stiftergräber wurden ebenfalls an ihrem Ort belassen und fachgerecht abgedeckt.

Türen, Schränke, Parkette und Stuckarbeiten an den Decken aus dem Umbau von 1884 blieben erhalten und wurden schonend in die Innenarchitektur integriert. Lediglich die Wände erhielten neue Tapeten. Sämtliche Räume im Obergeschoss und unter dem Dachstuhl nutzt die Bank für Büros und einen Versammlungsraum. Der Dachstuhl war nach dem bekannten grossen Brand in St. Gallen 1418 wieder aufgebaut worden. Die alte Aufteilung der Räume blieb ebenfalls erhalten. Darüber hinaus konnte bei Arbeiten an der Nordwand des Komplexes eine vermauerte Eisentür aus dem 15. Jahrhundert freigelegt werden.



Höhepunkt der Sanierung dürfte die Instandsetzung der alten Orgel sein. Das Instrument, das im Jahr 1806 eingebaut wurde und 1900 ein pneumatisches Orgelwerk erhielt, musste dazu vollständig demontiert werden. Die Elemente wurden repariert und in ihrer originalen Farbgebung mit teilweiser Neuvergoldung wieder aufgebaut. Auch die hölzerne Unterkonstruktion erhielt eine Auffrischung und einige notwendige Ergänzungen.



Der lang gestreckte, in schlichtem Weiss gehaltene Orgelraum soll in Zukunft für öffentliche Veranstaltungen zur Verfügung stehen, an zwei Tagen der Woche aber auch als „Oase der Ruhe“ dienen. Einer der Bank-Teilhaber, der den Erwerb und die Renovierung angeregt hatte, steuerte für den Kirchensaal übrigens zwei hochmoderne Instrumente bei, sogenannte Synthharps, digitale Harfen aus einer Produktionsfirma im nahen Teufen.

Die Planung und Durchführung der Renovierung am St. Katharina Kloster wurde von bekannten und erfahrenen Architekten und Unternehmen aus der Schweiz durchgeführt – und selbstverständlich unter sachkundiger Begleitung durch die Kantonale Denkmalpflege St. Gallen. Mit der Sanierung des Ensembles ist ein Kompetenz-, Tagungs- und Weiterbildungszentrum entstanden, das den Anforderungen des Bankhauses entspricht, für öffentliche, kulturelle Veranstaltungen genutzt werden kann und der Denkmalpflege Genüge tut.

Eine Vermietung der Seminarräume an Dritte ist laut Angaben der Bank übrigens nicht vorgesehen. Man wolle an diesem Ort keinen „Seminartourismus“ einführen, so die Geschäftsleitung. Ein kleines Detail soll darüber hinaus noch angemerkt sein: Im Inneren wurden Wegweiser in lateinischer Sprache angebracht – vielleicht als Reminiszenz an die ehemalige Nutzung des Areals?



 

Oberstes Bild: Ehemaliges Dominikanerinnenkloster St. Katharina, Katharinengasse 15, Sankt Gallen. (Urheber: WWHenderson20 / Wiki / Lizenz: CC)

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.



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