Bauforschung in Basel – seit über 30 Jahren mit hervorragenden Ergebnissen

04.11.2013 |  Von  |  Allgemein, Denkmalpflege
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Bauforschung in Basel – seit über 30 Jahren mit hervorragenden Ergebnissen
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1980 wurde das Basler Denkmalschutzgesetz erlassen. Ohne Übertreibung kann man es als epochal bezeichnen. Es markierte in Basel den Beginn systematischer Bauforschung und legte die Basis für nachhaltige Denkmalpflege. Doch worin besteht eigentlich die Tätigkeit von Bauforschern? Und was leistete diese Wissenschaft bisher in Basel?





Bauforschung: Eine historische Wissenschaft

Bauforschung beschäftigt sich weniger mit den technischen Hintergründen als vielmehr mit der Historie von Bauwerken. Sie liefert damit vertiefte Erkenntnisse über die Baugeschichte eines Ortes, die über das einzelne Objekt hinausgehen. Entstanden ist die Bauforschung aus der Mittelalterarchäologie heraus. Im Gegensatz zu ihrer Mutterdisziplin wird in der Bauforschung jedoch nicht ausgegraben, sondern historische Bestandsgebäude untersucht. Damit liefert die Bauforschung viele interessante Erkenntnisse über Bauen in früheren Epochen, aber auch über das Leben unserer Vorfahren.

Die Basler Bauforschung

Bereits 1978 begann der Denkmalpfleger Alfred Wyss im Stile eines Pioniers mit systematischer (und nicht nur sporadischer) Bauforschung. Er etablierte die Bauforschung als Teilbereich der Mittelalterarchäologie. 1980 wurde die Daseinsberechtigung der Disziplin sogar im Denkmalschutzgesetz verankert:

§ 5. Denkmäler sind Einzelwerke und deren Reste, die wegen ihres kulturellen, geschichtlichen, künstlerischen oder städtebaulichen Wertes erhaltenswert sind.
§ 6. Denkmäler sind zu erhalten, zu erforschen und wenn möglich in ihrem gewachsenen Zusammenhang zu sichern und nach § 8 mit baugeschichtlichen Methoden zu untersuchen.
§ 8. Wird durch Bauten oder Einrichtungen ein Denkmal betroffen, so hat der Eigentümer die notwendigen Untersuchungen in vertretbarem Rahmen zu dulden.

Der Gesetzestext stellt also heraus, dass Bauforschung im Kontext von Bauvorhaben steht. Sie befriedigt damit nicht nur Forschungsinteressen der Stadt, sondern hilft gutachterliche Grundlagen für den Umgang mit historischen Bauwerken im Zuge von Umbauarbeiten zu legen.



Die Bauforschung der Stadt Basel befasst sich mit einem Restbestand des historischen Kerns. Dessen Aussehen kann man im Stadtplan von Rudolf Falkner aus dem Jahr 1865 nachvollziehen. Die rot eingefärbten Gebäude sind bis heute erhalten geblieben.

Die Basler Altstadt um 1865. (Quelle: denkmalpflege.bs.ch)

Die Basler Altstadt um 1865. (Quelle: denkmalpflege.bs.ch)

Methoden der Bauforschung

Interessant für die Bauforschung sind in erster Linie die Mauern. Diese werden, wie andere baulichen Strukturen auch, auf ihr Alter, ihre Beschaffenheit und vor allem auf ihre Beziehungen untereinander untersucht. Die Beschaffenheit und Ausdehnung der Mauern sowie deren Verhältnis zu benachbarten Bauelementen geben Aufschluss über Baustile, Baupausen und gegebenenfalls katastrophale Ereignisse.



Des Weiteren befasst sich die Bauforschung mit den Bauhölzern. Diese kommen in unterschiedlichsten Bereichen des Gebäudes vor, als Balken, Dach- oder Fachwerk sowie als Wände und Vertäfelungen. Gerade der üppige Einsatz von Holz in historischen Bauten erlaubt den Einsatz eines hervorragenden Instruments zur Gebäude- und Bauphasendatierung: Die Dendrochronologie.

Dendrochronologie: Holz aufs Jahr genau datieren

Die Dendrochronologie ist eine naturwissenschaftliche Methode zur Datierung des Alters von Hölzern, speziell von Bauhölzern. Das periodische Dickenwachstum von Baumstämmen hinterlässt sogenannte Jahresringe (einen pro Jahr), deren Dicke und Abstand zueinander Rückschlüsse zum Beispiel auf klimatische Bedingungen in der Vergangenheit zulassen. Zunächst werden also die Abstände der Jahresringe genau gemessen und in ein Diagramm übertragen.

Dendrochronologie beruht auf den Jahresringen in Baumstämmen. (Quelle: denkmalpflege.bs.ch)

Dendrochronologie beruht auf den Jahresringen in Baumstämmen. (Quelle: denkmalpflege.bs.ch)




Das so entstandene spezifische Diagramm oder Klimabild wird dann mit einer Referenzkurve verglichen. Diese erfasst das Klimabild der gleichen oder einer vergleichbaren Baumart am selben Standort. So lässt sich das Datum der Fällung der Stammes und damit der Errichtung des Gebäudes errechnen.

Andere Untersuchungsgegenstände der Bauforschung

Auch die Typologie der Dachwerke, von denen in Basel mittlerweile über 260 erfasst sind, gibt spannende Einblicke in die Zimmermannskunst von damals. Zwei Dachwerkskonstrukte kann man im ausgehenden Mittelalter unterscheiden: Das selbsttragende Sparrendach und das aus einem Traggerüst und aufgelegten Rafen bestehende Pfettendach.

Neben den Dachwerken sind auch noch die Ausstattungen von hohem Interesse. Sie sind oftmals von hohem künstlerischen Wert und besitzen ihre eigene Geschichte. In den letzten 30 Jahren wurden auf diesem Gebiet in Basel geradezu sensationelle Entdeckungen gemacht, so der Fund der Kaisersaaldecke im Spalenhof (Spalenberg 12) oder die mittelalterliche Quadermalerei im Haus Heuberg 20. Im Haus der Firma Möbel Pfister am Unteren Rheinweg 8 und 10 wurden zahlreiche Deckenmalereien gefunden, was das bereits vor der Ausführung stehende Entkernungsprojekt zum Stoppen brachte.

Statistik und Zukunft

Die letzten 33 Jahre gab es in Basel mehr als 700 bauforschliche Einsätze in über 500 historischen Bauten. Besonders bedeutende Untersuchungen bzw. Entdeckungen waren dabei unter anderem:

  • Die Untersuchungen am Chorherrenstift St. Leonhard
  • Die Entdeckung des Gründungsbaus der Kleinbasler Klosterniederlasssung im Kleinen Klingental
  • Die Erfassung der unzähligen Bauphasen des Spalenhofs
  • Die umfassenden Untersuchungen am Rosshof

Trotz der umfassenden bisherigen Tätigkeit geht der Bauforschung auch in Zukunft die Arbeit nicht aus. Zur Zeit läuft beispielsweise eine Renovation im Ackermannshof an der St. Johanns-Vorstadt 19, wo unter anderem sensationelle Malereifunde zutage traten.



 

Oberstes Bild: Basler Rathaus (© Christian Heinz / pixelio.de)

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