Energetische Sanierungsvorhaben gefährden das Centre Le Corbusier in Zürich

29.10.2013 |  Von  |  Allgemein
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Energetische Sanierungsvorhaben gefährden das Centre Le Corbusier in Zürich
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Als architektonisches Juwel mit bewegter Geschichte geht das Centre Le Corbusier im Frühjahr 2014 in den Besitz der Stadt Zürich über. Das herausragende Spätwerk des renommierten Architekten und Künstlers Le Corbusier soll im Zuge seines baurechtlich bedingten Neuerwerbs auch umfangreich restauriert werden. Die Pläne schliessen auch eine Instandsetzung gemäss den aktuell geltenden Energie- und Baunormen ein.

Konsequent durchgeführt haben diese Vorhaben zur Sanierung des Centre Le Corbusier laut der Stiftung zur Förderung der Denkmalpflege eine irreversible Zerstörung zur Folge.



Aus diesem Grund führen derzeit Fachexperten der Denkmalpflege und des Bauingenieurwesens eine Studie durch, um Wege zu finden, moderne Bauökologie und ausserordentliche Designkunst harmonisch miteinander zu verbinden.

Energetische Sanierung versus Denkmalschutz

Insbesondere die Glasfront bereitet Schwierigkeiten hinsichtlich der bestehenden Sanierungspläne der Stadt Zürich. Der Einsatz energieeffizienter Glasfronten gefährdet den optischen Gesamteindruck in hohem Masse. Auch die emaillierte Fassade stellt Denkmal- und Bauexperten vor spezielle Herausforderungen. Zwar werden für Fassadenmodernisierungen auch heutzutage neuartige, farbig angepasste Emaille-Fassaden gefertigt. Diese unterscheiden sich allerdings in ihrer Farbgebung und Materialbeschaffenheit deutlich von der bestehenden Le Corbusier-Fassade und beeinträchtigen somit die Ausstrahlung des architektonisch bedeutenden Werks der Moderne.



In welcher Art die Sanierungsmassnahmen am Heidi-Weber-Museum umgesetzt werden sollen, wird im dem Forschungsprojekt „Umgang mit schützenswerten Bauten der 1950er – 1970er Jahre“ unter Leitung des Professors Dr. Ing. Hassler des Institutes für Denkmalpflege und Bauforschung an der Universität Zürich untersucht. Erste Ansätze zum Instandsetzungskonzept werden voraussichtlich Mitte 2014 veröffentlicht.

Centre Le Corbusier (Heidi Weber Museum) in Zürich-Seefeld. (Urheber: Roland zh / Wiki / Lizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">CC</a>)

Centre Le Corbusier (Heidi Weber Museum) in Zürich-Seefeld. (Urheber: Roland zh / Wiki / Lizenz: CC)




Das Besondere des Le Corbusier-Ausstellungspavillons



Die Schaffung eines einzigartigen, optimalen Ausstellungspavillons stellte das Hauptziel des Ehrendoktors und Baumeisters Le Corbusier dar, als er sich der Idee des Neubaus eines Museums in Zürich widmete. Le Corbusier fasste zu Beginn der 1960er Jahre erste grobe Pläne für die Errichtung seines Museums bei einem Spaziergang durch die Zürichhorner Parkanlagen. Eng damit verbunden war die Umsetzung eines bautechnischen Patents, welches Le Corbusier bereits 1950 in Zusammenarbeit mit dem Bauingenieur Louis Fruitet entwickelt hatte.

Das architektonische Patent wurde für eine modulare Konstruktionsweise aus Stahl angemeldet. Die Planung und Realisierung des Centre Le Corbusier erfolgte gemeinsam mit dem Ingenieur Jean Prouvé. Als besonders charakteristisch zeigt sich die emaillierte, farbige Fassadengestaltung sowie die auffallende Fenster- und Dachgestaltung, die aus der heutigen Betrachtung immer noch sehr modern und avantgardistisch erscheinen.

Le Corbusier – Heidi Weber – Stadt Zürich: eine kunsthistorisch spannende Verbindung

Derzeit befindet sich das architektonisch beeindruckende Kunstzentrum noch im Besitz der namenhaften Kunstmäzenin und Galeristin Heidi Weber. Einerseits ermöglichte sie überhaupt erst die Verwirklichung von Le Corbusiers Konstruktionsplänen. Andererseits hielt sie entgegen den intensiven Übernahmebestrebungen der Stadt Zürich das Kunstzentrum über Jahrzehnte in ihrem Privatbesitz.

Das in den 1960er Jahren erbaute Zeugnis der Moderne, auch Heidi-Weber-Haus genannt, lag seiner Besitzerin so sehr am Herzen, dass sie es trotz der starken Differenzen mit der Stadt Zürich nicht aufgab. Die Auseinandersetzungen nach dem Tode Le Corbusier beruhten auf dem Umstand, dass Frau Weber in letzten 50 Jahren stets die finanziellen Mittel fehlten, um eine durchgehende öffentliche Zugänglichkeit herzustellen.

Centre Le Corbusier (Heidi Weber Museum) in Zürich-Seefeld. (Urheber: Roland zh / Wiki / Lizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">CC</a>)

Centre Le Corbusier (Heidi Weber Museum) in Zürich-Seefeld. (Urheber: Roland zh / Wiki / Lizenz: CC)

Das „Heidi Weber Hauses von Le Corbusier“ (so die Inschrift am Eingang) finanzierte Heidi Weber selbst mit einer Gesamtinvestition von 2 Millionen Franken. Das Grundstück stellte die Stadt Zürich für 50 Jahre unentgeltlich mit der Aussicht auf eine spätere Nutzung zur Verfügung. Mit der Beendigung des vereinbarten 50-Jahreszeitraumes erfolgt im Mai 2014 automatisch die Übernahme des touristischen Anziehungspunktes durch die Stadt Zürich. Das ist allerdings nur der Fall, wenn eine entsprechende, vertraglich geregelte Ausgleichszahlung an Frau Weber erfolgt. Die Höhe dieser Zahlung wurde bei der Vereinbarung der kostenfreien Grundstücksnutzung nicht festgelegt, so dass die Verhandlungen im Jahr 2013 aufgenommen wurden.

Entgegen früherer Konflikte werden jedoch hinsichtlich der Übernahme-Einigung für 2014 keine grösseren Unstimmigkeiten zwischen der Stadt Zürich und der mittlerweile 86-jährigen Kunstmäzenin erwartet. Allerdings wehrt sich Heidi Weber weiterhin gegen eine Massennutzung des Le Corbusier-Komplexes und fordert eine Beschränkung der Personenzahl, die sich gleichzeitig im Haus aufhalten darf. Um die Nutzung als Partylocation zu verhindern, sollen sich ihrer Meinung nach nicht mehr als 150 Personen gleichzeitig im Centre Le Corbusier aufhalten. Ebenfalls liegt ihr eine nichtkommerzielle Nutzung und die Denkmalpflege am Herzen.

Die DenkmalpflegePläne der Stadt Zürich für das Haus von Le Corbusier

Auch die Stadt Zürich spricht sich derzeit für nichtkommerziell ausgerichtete Projekte im Zusammenhang mit dem Heidi-Weber-Haus aus und möchte die Zugänglichkeit beispielsweise über eine Ausdehnung der Öffnungszeiten stark erhöhen. Nach der geplanten Renovierung soll das Museum in neuem Glanz erstrahlen und den weltweit tausenden Le Corbusier-Liebhabern sowie interessierten Stadtbesuchern der Schweizer Metropole Zürich einen interessanten Anlaufpunkt bieten.

 



Text: Kristina Schwalbe

Oberstes Bild: Centre Le Corbusier (Heidi Weber Museum) in Zürich-Seefeld. (Urheber: Roland zh / Wiki / CC)

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