Die Restaurierung des Luzerner Pulverturms gestaltet sich schwieriger als erwartet

16.10.2013 |  Von  |  Allgemein, Denkmalpflege
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Die Restaurierung des Luzerner Pulverturms gestaltet sich schwieriger als erwartet
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Die Museggmauer mit den Museggtürmen ist eines der Wahrzeichen Luzerns und dominiert zusammen mit dem Wasserturm und der Kapellbrücke den historischen Ortskern der Stadt. In der beginnenden Neuzeit stellte sie Luzerns steinernen Schutz gegen Angriffe dar. Entsprechend gab es in der Mauer auch zwei mit Schiesspulver beladene Türme: den Heuturm und den Pulverturm. Letzterer gehört zu den ältesten Bauwerken auf der Musegg. Sein Bauholz wurde gemäss dendrochronologischer Messungen im Herbst/Winter 1398/99 geschlagen. Der Pulverturm zu Luzern ist somit über 600 Jahre alt.





Sagenumwobenes Fundament?

Aber nicht nur sein Alter macht den Pulverturm zu einem besonderen Bauwerk. Sein Sockelgeschoss ist Stoff für Legenden: Der unterste Teil des Turmschafts zeigt nämlich einen anderen Mauerwerkscharakter als der obere. Beide Bauabschnitte lassen sich durch eine horizontale Naht deutlich voneinander unterscheiden. Diese Tatsache der Zweiteilung des Turmsockels führte schon früh zu der Hypothese, der Pulverturm stehe auf einem Rest der sagenumwobenen Burg auf Musegg. Die Bauuntersuchung konnte die Vermutung zumindest soweit bestätigen, als der untere Turmteil sich tatsächlich vom Rest abhebt. Bei der Errichtung der beiden Bauteile wurden verschiedene Gerüstsysteme angewandt. Ein noch älteres Gebäude steckt jedoch nicht im Pulverturm. Die Unterschiede erklären sich durch den Bauablauf. So könnte zwischen dem Bau des Sockels und dem der oberen Turmteile eine Unterbrechung erfolgt sein, etwa durch den Winter in Kombination mit einem Wechsel der Baumannschaft. Solche Baupausen waren im Mittelalter an der Tagesordnung, da der Kalkmörtel in der kalten Jahreszeit nicht abbinden kann. Somit mussten die Arbeiten ins Frühjahr vertagt werden, möglicherweise mit anderen Arbeitern und anderen Steinen. Die genaue Ursache ist jedoch unbekannt.

Das heutige, etwas ramponierte Erscheinungsbild des 27,5 Meter hohen Turms kommt daher, dass das Bauwerk in den letzten 600 Jahren nicht unterhalten wurde. Ursprünglich war der Pulverturm verputzt. Nur einzelne steinerne Vorsprünge wie die Konsolen des Wehrgangs und die Ecksteine schauten aus dem Putz heraus. Dieser konnte unter den Blendbogen des Wehrgangs nachgewiesen werden. Weitere Hinweise darauf, dass das Gebäude verputzt war, liefern die extreme Kleinteiligkeit des Mauerwerks sowie die unregelmässigen Steinlagen. Die Mauer sollte also nie nackt dastehen und der Witterung ausgesetzt sein. Leider wurde die Jahrhunderte hindurch der abgebröckelte Putz nie ersetzt. Das zeigten Untersuchungen von Spezialisten nach Entfernung des Efeus. Jetzt ist eine umfangreiche Restaurierung notwendig. Sie läuft bereits seit Ende August 2013.

So könnte der Pulverturm nach der Restauration aussehen.

So könnte der Pulverturm nach der Restauration aussehen.




Zustand schlechter als erwartet



Leider hat sich im Zuge der Restaurierung herausgestellt, dass der Zustand des Pulverturms sehr viel schlechter ist als bisher angenommen. Es sind Risse entstanden, ganze Brocken haben sich herausgelöst. Durch das ins Mauerwerk eingedrungene Wasser ist der Sandstein weich und spröde geworden und die Mauer aufgequollen. Im Winter gefror das Wasser in Mauerritzen und dehnte sich aus. Die Folge: Der Frost hat an vielen Stellen Risse aufgesprengt. Sogar der auf der Westseite über Jahrzehnte gewachsene Efeu fügte dem Pulverturm Schaden zu, indem die zentimeterdicken Ranken ins Mauerwerk eindrangen und ebenfalls ganze Steine herauslösten. Das ursprüngliche Sanierungskonzept wurde deswegen dahingehend geändert, dass jetzt grössere Flächen als bisher vorgesehen neu verputzt werden. Nach der Restaurierung wird deshalb der Pulverturm dem benachbarten, kürzlich sanierten Allenwindenturm ähneln. Ursprünglich sollte die bisherige vom steinernen Mauerwerk geprägte Ansicht beibehalten werden.

Nun müssen die stark verwitterten, losen und zerrissenen Steinoberflächen um einige Zentimeter abgetragen werden. Tiefere Löcher werden mit wetterfesten Sandsteinen zugemauert sowie gerissene Eckpartien mit kurzen Ankern gesichert. Die Fassadenflächen werden so restauriert, dass kein Wasser in die Ritzen eindringen kann. Deswegen müssen die Fugen voll ausgefüllt und an intakte Steinoberflächen angeschlossen werden. In diesem Zuge geschieht auch die grossflächige Neuverputzung, damit das Wasser schnell und vollständig abfliessen kann.

Die Sanierungsarbeiten werden zwar länger als geplant dauern, sollen aber noch 2013 abgeschlossen werden.



 

(Oberstes Bild: Sicht auf die Museggmauer mit Nachbarturm des Pulverturms. © Geri 340 / Wikimedia / CC)

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