Historische Bauwerke und lebendiges Kulturgut in der Gemeinde Nendaz

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Die Gemeinde Nendaz im Unterwallis erstreckt sich bis zu einer Höhe von 1400 m ü. M. Sie verfügt über einige historische Bauwerke. Aber bekannt ist sie vor allem aufgrund eines Walliser Kulturguts:

Das sind die imposanten Eringerkühe, die jährlich ihre berühmten Kuhkämpfe austragen.

Denkmalschutz in der Gemeinde Nendaz

Wer Traditionelles, Historisches und typisch Schweizerisches sucht, ist in Nendaz genau richtig. Sie finden hier sehenswerte und geschützte Kulturgüter. Die wichtigsten stellen wir Ihnen nachfolgend vor. Der zweite Teil des Beitrags widmet sich den Eringerkühen, die aus dem Wallis nicht wegzudenken sind und das Bild des Kantons mit prägen.

Kapelle Saint-Michel

Die Kapelle Saint-Michel befindet sich in Haute-Nendaz, im alten Dorfteil. Vor etwa 60 Jahren wäre sie beinahe abgerissen worden, da sie den Bewohnern im Wege war. Ein Anwohner überlegte gar, die Kapelle zu kaufen, um sie zu einem Schweinestall umzufunktionieren. Dass dies nicht passierte, ist in erster Linie dem Walliser Denkmalschutz, aber auch umsichtigen Menschen zu verdanken.

Während einer umfassenden Renovation wurde eine Gravur entdeckt, die bezeugt, dass die Kapelle Saint-Michel ursprünglich 1499 erbaut wurde. Nach diversen Rekonstruktionen war diese bisher unentdeckt geblieben. Die heutige barocke Erscheinung der Kapelle lässt sich ins 18. Jahrhundert datieren. Der Innenraum wurde während ca. zehn Jahren vom französischen Künstler Frédéric Brun bemalt. Über dessen Leben ist wenig bekannt. Er selbst gab sich als Deserteur aus der Armee Napoleons aus und fand Schutz und Auskommen in Nendaz. Bis heute besitzen zahlreiche Familien in Nendaz Werke des Künstlers.

Alter Dorfteil

Der alte Dorfteil in unmittelbarer Nähe des Tourismuszentrums von Haute-Nendaz lohnt einen Bummel. Hier entdecken Sie die für Walliser Dörfer typischen Heuschober und Stadel, aber auch traditionelle Walliser Wohnhäuser. Im lokalen Kulturhaus, dem Nind`Art, geben verschiedene Ausstellungen Einblick in das Leben und Kulturerbe der Gemeinde.


Traditionen im Wallis

NENDAZ, Alphornspieler neben typischen Walliser Heuschober (Bild: mountainpix – shutterstock.com)


Kirche von Basse-Nendaz

Die Kirche Saint-Léger ist auch als Kirche von Basse-Nendaz bekannt. Die Bauarbeiten wurden gegen Ende des 9. Jahrhunderts begonnen und Anfang des 10. Jahrhunderts fertiggestellt. Der älteste Teil ist die ehemalige Kapelle, die heute als Krypta dient. Bautätigkeiten, die an der Kirche viele Jahrhunderte immer wieder vorgenommen wurden, verschütteten die Kapelle. Es war Zufall, dass ihre Überreste während einer Renovation in den 1960er Jahren entdeckt wurden. Während dieser Arbeiten, die 1964 aufgenommen wurden, bekam die Kirche ihre heute Struktur.

Historische Bewässerung

Bewässerungskanäle rund um Nendaz zeugen davon, wie die Bauern der Region während Jahrhunderten der trockenen Witterung trotzten. Über 13 Kilometer führt eine Wanderung entlang der historischen Wasserkanäle. Unterwegs gibt es mehrere Bauten zu entdecken, die in früheren Zeiten der Bewässerung dienten.

Eringerkühe – Walliser Symbol und geschütztes Kulturgut

Weideten vor 100 Jahren noch weit mehr als 30’000 Eringerkühe im Wallis, so nahm der Bestand in den letzten Jahrzehnten rapide ab. Heute werden nur noch etwas mehr als 6000 der eindrücklichen Tiere im Register verzeichnet.

Allein innerhalb der letzten fünf Jahre nahm ihr Bestand um zehn Prozent ab. Die Eringerrasse zählt zu den Walliser Kulturgütern, weshalb der Kanton nun Schutzmassnahmen ergreift. Das kantonale Amt für Viehwirtschaft möchte so verhindern, dass die gesamte Art in absehbarer Zeit aussterben könnte.

Der Stellenwert der Eringerrasse im Wallis

Aproz in der Gemeinde Nendaz ist nicht nur für sein hochwertiges Mineralwasser bekannt, sondern auch als Austragungsort der berühmten Kuhkämpfe. Hier wird die Königin der Ringkampfkühe beim Nationalen Eringer Kuhkampffinale gekrönt. Findet der jährliche Schaukampf der kräftigsten Eringerkühe statt, zieht das Spektakel Tausende Besucherinnen und Besucher an.

Die massigen Kühe mit ihrem schwarzen Fell und den eigenwilligen Hörnern zeichnen sich durch Eigensinn und Kraft aus. Etwa 300 Tiere messen sich jeweils im Ring. Dass die Kuhkämpfe durchgeführt werden können, ist ca. 500 Freiwilligen zu verdanken. Noch weitaus zahlreicher ist das Publikum: Bis zu 10`000 Zuschauer sind durchschnittlich jährlich dabei.

Ethnologe Thomas Antonietti, Kurator am Museum Wallis in Sitten/ Sion erklärt: „Diese Tiere sind wichtig für das kollektive Bild, welches wir vom Wallis haben. Was wir hier sehen, ist kantonales Kulturgut.“

Dass die Eringerrasse im Vergleich zu anderen weit weniger Milch und Fleisch liefert, mag für die Landwirtschaft ein Nachteil sein. Dank der traditionellen Schaukämpfe haben sie bis heute überlebt. Im 19. Jahrhundert bereits wendete sich die Landwirtschaftspolitik gegen die vierbeinigen Kraftpakete. Jedoch verlor im Kanton Wallis, wie in auch in anderen Schweizer Regionen, die Landwirtschaft an Bedeutung, während Dienstleistungen im Tourismusbereich einen immer höheren Stellenwert erreichte.

So fand vor ca. 100 Jahren der erste Kampf im Rhonetal statt. Zugelassen sind ausschliesslich Kühe, die schon mindestens ein Kalb zur Welt gebracht hatten, oder trächtige Tiere. Damit wird vermieden, dass zu sportliche und starke Tiere antreten. Wie alle Herdentieren, so machen auch die Eringer die Hierarchie unter sich aus. Die kräftigen Tiere gehen dabei aber mit weitaus mehr Temperament zur Sache als andere Kuhrassen.


Kuhkampf in Aproz

Kuhkämpfe mit Eringerkühen ziehen jährlich Tausende Zuschauer an (Bild: mountainpix – shutterstock.com)


Übrigens: Es gibt bei den Walliser Kuhkämpfen niemals ernsthafte Verletzungen. Realisiert ein Tier, dass es keine Chance hat, gibt es sich freiwillig geschlagen. Es kehrt einfach um und geht weg, erhält allerdings von der Siegerin noch ein paar (ungefährliche) Hornstösse verabreicht.

Das Halten von Eringerkühen im Nebenerwerb

Tiere, die einen Kampf gewonnen haben, bringen bei einem Verkauf viel Geld ein. Grund genug für manch einen Walliser, Eringerkühe im Nebenerwerb zu halten. Ein weiterer Vorteil der Tiere, die der Kanton Wallis zum Kulturgut erklärt hat, ist ihre Anpassungsfähigkeit. Die anspruchslosen Eringer sind robust und wenig krankheitsanfällig, verletzen sich selten und sind insgesamt vergleichsweise anspruchslos.

Sie möchten mehr erfahren? Nachfolgend finden Sie nützliche Links und Kontaktdaten:

Nendaz Tourisme
+41 27 289 55 89

www.nendaz.ch

Infos über Kuhkämpfe im Wallis
Fédération Suisse d’élevage de la Race d’Hérens
Case postale 437
1951 Châteauneuf / Sion

www.raceherens.ch/de

 

Titelbild: mountainpix @ shutterstock.com

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