Historisches Kurhotel Feusisgarten – bald nur noch Geschichte?

Das ehemalige Kurhotel Feusisgarten in der Gemeinde Feusisberg SZ ist ein kulturhistorisches Denkmal mit besonderem Charme. Das markante Gebäude im HeimatstilhH liegt in der Landwirtschafts­zone ausserhalb des Dorfkerns und bildet mit seiner exponierten Aussichtslage über dem Zürichsee gemeinsam mit den Baumgruppen ein Ensemble von ausserordentlichem Reiz.

Es beherbergt heute ein Restaurant mit Aussichtsterrasse. Doch seine Tage sind möglicherweise gezählt: 2019 wurde es an einen Investor verkauft, der das Gebäude abreissen und luxuriöse Alterswohnungen errichten will – der Feusisgarten steht nicht unter Denkmalschutz.

Gegen den geplanten Abbruch regt sich massiver Widerstand, denn der Feusisgarten ist bei der Bevölkerung sehr beliebt und „gehört einfach zu Feusisberg“, wie viele Feusisberger meinen. Mittlerweile wurde die Interessens­gemeinschaft „Pro Feusisgarten“ gegründet mit dem Ziel, den Feusisgarten unter Schutz zu stellen. Der Gemeinderat von Feusisberg sieht dazu bislang keine Veranlassung. Unterstützung erhält die IG vom Schwyzer Heimatschutz, der sich der Forderung nach Denkmalschutz angeschlossen hat.

Die wunderbare Aussichtslage Feusisbergs über Zürichsee und Linthebene wurde erstmals 1784 von Pfarrer und Sextar Joseph Franz Kümi von Wollerau beschrieben: „Eine der herrlichsten Aussichten in der ganzen Schweiz ist die ab dem hier nahe an die Gränzen des Zürichergebiets anstossenden Feusisberg.“ Doch bis ins 18. Jahrhundert war Feusisberg eine abgelegene bäuerliche Streusiedlung, abseits der Pilgerroute nach Einsiedeln gelegen und nur über schlechte und steile Fusswege erreichbar. Die Situation änderte sich schlagartig, als in den 1860er-Jahren eine neue Strasse gebaut wurde. Feusisberg entwickelte sich zu einem beliebten Kurort, und es entstanden Wirtshäuser und Kuranstalten: 1857/58 das Kurhaus Feusisgarten, 1859 das „Hotel und Pension zur schönen Aussicht“, wenig später das Gasthaus Feusisberg, 1897 das Hotel Schönfels.

1901 wurde auf dem Etzel, dem Hausberg Feusisbergs, eine Gaststätte mit Aussichtsturm errichtet. In einem Zeitungsartikel von 1886 heisst es: „Das herrlich über dem Zürichsee, gerade der Ufenau gegenüber über dem Waldrand am Abhange des Etzel lieblich herniederschauende Feusisberg mit seinem hohen Kirchthurme hat zwei Pensionen, zum ‚Feusisgarten‘ und ‚Zur frohen Aussicht‘. Das ausgedehnte erstere Etablissement zählte diesen Sommer bis zu 60 Kuranten, Sommerfrischler, zumeist frohen Humors, die da ein gemüthliches Familienleben pflegten, hergekommen aus den Kantonen Zürich, Glarus, Aargau, Basel etc., um sich einen neuen Menschen anzuziehen.“ (Anja Buschow Oechslin, Der Bezirk Höfe).


Werbung für das „Kurhaus Feusisgarten“ im „Höhenluftkurort Feusisberg“ in einer Zeitschrift, 1906

Werbung für das „Kurhaus Feusisgarten“ im „Höhenluftkurort Feusisberg“ in einer Zeitschrift, 1906


Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts florierte der Fremdenverkehr prächtig. Mit dem ersten Weltkrieg kam der Einbruch, der Kurbetrieb rentierte sich nicht mehr und der Feusisgarten wurde an die Krankenkassen der Bezirke Horgen und Meilen verkauft, die 1919 ein Erholungsheim einrichteten. In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg beherbergte der Feusisgarten berühmte Schriftsteller aus Deutschland, die den Ort zur Erholung und als Zufluchtsort nutzten.

In den 1970er-Jahren befand sich der Feusisgarten in einem baulich schlechten Zustand und stand zum Verkauf. Um eine Übernahme durch auswärtige Investoren zu verhindern, versuchte die Gemeinde Feusisberg, die Liegenschaft kaufen, doch scheiterte das Geschäft an einer erfolgreichen gerichtlichen Anfechtung des Kaufvertrages durch einen Stimmbürger wegen Überschreitung der Gemeindekompetenzen. Daraufhin ergriffen Feusisberger Bürger der Korporation Wollerau die Initiative und konnten den Kauf des Feusisgartens durch die Korporation durchsetzen. In der Folge wurde in der Liegenschaft ein italienisches Restaurant betrieben. 2019 verkaufte die Korporation Wollerau den Feusisgarten schliesslich an einen Investor, der den Abbruch des Gebäudes und die Errichtung von 50 Alterswohnungen plant.

Baugeschichte

Das 1857/58 errichtete Hotel bestand aus zwei zusammengebauten zweigeschossigen Häusern mit grossen Balkonen. Es verfügte über eine Trinkhalle, einen Garten und sogar einen eigenen Schiessplatz.


Feusisgarten, ursprünglicher Bau von 1847/48, Ansichtskarte von 1902 (Quelle: Zentralbibliothek Zürich)


1913 brannte das Gebäude ab und wurde durch den heutigen Neubau ersetzt: „Dreigeschossiger Bau in Heimatstilformen von sieben mal drei Achsen mit gemauertem Erdgeschoss und verschindelten Obergeschossen. Der Hauptfassade ist ein zweigeschossiger, eine Achse tiefer Anbau mit Flachdach vorgelagert. Das schlicht gestaltete Haus deckt ein mächtiges Mansardwalmdach, das an der Hauptfassade ein dreiachsiges geschweiftes Zwergdach und zwei seitliche Dachgauben mit rundbogigem Abschluss besitzt.“ (Anja Buschow Oechslin, Der Bezirk Höfe).


Neubau 1913, Ansichtskarte von 1941 (Quelle: IG Pro Feusisgarten)

Neubau 1913, Ansichtskarte von 1941 (Quelle: IG Pro Feusisgarten)


Der Feusisgarten ist das letzte noch verbliebene Baudenkmal aus der Blütezeit von Feusisberg als Luft- und Molkekurort. Alle anderen Hotels aus dieser Zeit sind bereits verschwunden: Das Hotel Schönfels wurde 1986 abgerissen (heute steht dort das Panorama-Hotel), das „Hotel und Pension zur frohen Aussicht“ 2008.

Ein Gutachten von Prof. Dieter Geissbühler, Architekt und Dozent an der Hochschule Luzern – Technik & Architektur, das die IG Pro Feusisgarten in Auftrag gegeben hatte, kommt zum Ergebnis: Das Gebäudeensemble hat eine hohe baukulturelle Bedeutung. Es weist Elemente des zeittypischen „Heimatstils“ auf, der regionaltypische Elemente in klassizistischer Art kombiniert. Durch seine Lage an einer markanten Aussichtsposition ausserhalb des Dorfes ist es identitätsbildend für die Landschaft. Aufgrund des baukulturellen Wertes müsste eine Unterschutzstellung beantragt werden. Die Errichtung von privaten Wohnungen ist nicht zonenkonform.

Für die IG Pro Feusisgarten gab es eine Welle der Unterstützung aus der Bevölkerung. Schon in der zweiten Woche nach ihrem erstmaligen Auftritt in der Öffentlichkeit wurde die Zahl von 100 Mitgliedern überschritten. Es bleibt zu hoffen, dass der Gemeinderat von Feusisberg durch den Druck der Öffentlichkeit zur Besinnung kommt und sich um den Schutz des kulturhistorischen Erbes kümmert. „Oder wollen unsere Gemeindevertreter als kulturelle Barbaren in die Geschichte eingehen?“, fragt eine Leserbriefschreiberin.

Quellen:

Buschow Oechslin, Anja: Die Kunstdenkmäler des Kantons Schwyz. Band 4: Der Bezirk Höfe. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Bern 2010.

Buschow Oechslin, Anja: Der „touristische Blick“ erschliesst sich den Gipfel des Etzels. Mitteilungen des historischen Vereins des Kantons Schwyz, Nr. 100 (2008)

Prof. Dieter Geissbühler: Expertengutachten über die Schutzwürdigkeit des Feusisgartens, 10. September 2019, IG Pro Feusisgarten

Webseite der IG Pro Feusisgarten: www.feusisgarten.ch

 

Titelbild: © IG Pro Feusisgarten

Über Siegfried Hettegger

Siegfried Hettegger aus Feusisberg ist beruflich Informatiker. Er ist Mitgründer und Sprecher der IG Pro Feusisgarten.


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