Das Kirchner Museum in Davos – schlichte Architektur für expressionistische Kunst

17.04.2014 |  Von  |  Ausstellung, Denkmalpflege, Kunst
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Das Kirchner Museum in Davos – schlichte Architektur für expressionistische Kunst
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Davos im Kanton Graubünden ist nicht nur ein über die Schweiz hinaus bekannter Kur- und Wintersportort. Berühmt wurde die kleine Stadt unter anderem auch durch den erstmals 1924 erschienenen Roman „Der Zauberberg“ von Thomas Mann, der später auch verfilmt wurde sowie den deutschen Maler des Expressionismus und Mitbegründer der Künstlergruppe „Die Brücke“, Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938).

Kirchner lebte die letzten 21 Jahre von 1917 bis zu seinem Tod in der Nähe von Davos, zunächst in einer Hütte auf der Stafelalp, dann im Haus in den Lärchen (Davos Frauenkirch), schliesslich im Haus auf dem Wildboden. Inspiriert von der Stadt und der Landschaft, schuf er dort einen grossen Teil seiner Werke. 1938 beging er mit einem Schuss ins Herz Selbstmord. Lange Zeit sah die kunstgeschichtliche Forschung die Ursache für die Selbsttötung in der Diffamierung seiner Kunst in Deutschland.



Waldfriedhof – Farbholzschnitt, Kirchner Museum Davos (Bild: Ernst Ludwig Kirchner, Wikimedia)

Waldfriedhof – Farbholzschnitt, Kirchner Museum Davos (Bild: Ernst Ludwig Kirchner, Wikimedia)

Im Juli 1937 war Kirchner von den Nationalsozialisten aus der „Preussischen Akademie der Künste“ ausgeschlossen worden. Kurz darauf wurden weit über 600 seiner Werke beschlagnahmt und aus den Museen entfernt. Ausserdem wurden 32 Bilder in der berüchtigten Ausstellung „Entartete Kunst“ in München gezeigt. Heute geht man allerdings davon aus, dass seine jahrelange Morphiumsucht der Hauptgrund für Kirchners Selbstmord war.

Die Gründung des Kirchner Museums erfolgte 1982. Anfangs war die Sammlung von rund 500 Exponaten in einem alten Postgebäude in der Fraktionsgemeinde Davos-Platz untergebracht. Der Nachlassverwalter Roman Norbert Ketterer (1911-2002) und seine Frau Rosemarie stifteten schliesslich den heutigen Bau, der im September 1992 feierlich eröffnet wurde. Aus diesem Anlass kamen noch einmal 500 Werke sowie 160 Skizzenbücher mit knapp 10’000 Zeichnungen hinzu. Weitere Schenkungen erfolgten ab 1993, so dass das Kirchner Museum heute Kunstwerke aus allen Schaffensperioden und Themenkreisen des Künstlers präsentieren kann.





Ernst Ludwig Kirchner: Davos im Sommer, 1925, Kirchner Museum Davos (Bild: Ernst Ludwig Kirchner, Wikimedia)

Ernst Ludwig Kirchner: Davos im Sommer, 1925, Kirchner Museum Davos (Bild: Ernst Ludwig Kirchner, Wikimedia)

Für den Neubau wurden im Sommer 1989 vier Archtitekturbüros zu einem Wettbewerb eingeladen. Die Jury entschied sich im Herbst des Jahres einstimmig für den Entwurf von Annette Gigon und Mike Guyer aus Zürich. Es handelt sich dabei um den ersten grossen Auftrag für das Architektenpaar, der auch zur Ausführung gelangte. 2012 wurde es mit dem Tageslicht-Award der Velux-Stiftung ausgezeichnet. Als Kulturgut von nationaler Bedeutung steht es auch unter dem Schutz der Denkmalpflege.

Die Architektur des Museums gilt heute in vielen Kreisen als richtungsweisend in diesem Sektor, weil sie Ästhetik und Funktionalität auf gelungene Weise miteinander verbindet, eine starke Eigenwertigkeit aufweist und trotzdem im Dienst anderer Kunst steht.



Gigon und Guyer gingen bei ihrem Entwurf von regionalen Gegebenheiten wie Licht- und Klimaverhältnissen, aber auch der in Davos vorherrschenden Flachdacharchitektur aus. Kasimir Edschmid, der expressionistische Dichter und Zeitgenosse Kirchners, schrieb 1932 über Davos: „Die Architektur der Häuser von Davos hat sich nach der Sonne gerichtet und sie gleicht mit ihren wabenhaften Vorbauten von Balkonen einer merkwürdigen, klaren und reinen Lineatur, die einem anderen Stern angehören könnte. Die Architektur dieser wabenhaften Häuser hat in der Umgebung von flackernden Schneebergen und tiefblauem Himmel eine übersinnliche Schönheit.“





Das Kirchner-Museum in Davos (Bild: Adrian Michael, Wikmedia, CC)

Das Kirchner-Museum in Davos (Bild: Adrian Michael, Wikmedia, CC)

Die Architekten wollten eine ideale Begegnungsstätte für Mensch und Kunst gestalten. Gelungen ist dies vor allem durch die schon erwähnte Reduktion auf das Wesentliche. Die Ausstellungsräume befinden sich in vier Kuben, die durch eine lichtdurchflutete Wandelhalle miteinander verbunden sind. Diese ist nicht nur ein Ort der Besinnung, sondern bietet gleichzeitig einen hervorragenden Ausblick auf die alpine Umgebung, die das Schweizer Schaffen des Künstlers Kirchner so sehr geprägt hat und in vielen seiner Werke thematisiert wird.

Lichträume über den Sälen sorgen mit ihren seitlich angeordneten Glasflächen für eine mehrfache Filterung des Tageslichts und dessen gleichmässige Verteilung in den Räumen. Im Untergeschoss sind die Funktionsräume des Museums untergebracht. Das Gebäude konzentriert sich in seiner Schlichtheit auf das Wesentliche – mit einer sensiblen, raffinierten Kombination aus den Baumaterialien Glas, Stahl, Holz und Beton. Die vier Kuben und die Wandelhalle sind derart angeordnet, dass sie nicht eine lineare Raumfolge ergeben, sondern dem Besucher ermöglichen, seinen Rundgang völlig frei zu wählen. Darüber hinaus nutzen sie das verfügbare Terrain optimal aus.

Seit seiner Errichtung hat das Kirchner Museum international nicht nur in Fachkreisen grosse Aufmerksamkeit erregt. Es bildet in all seiner schlichten Eleganz einen passenden und würdigen Rahmen für die Kunst des grossen Expressionisten und wurde zu Recht unter den Schutz der Denkmalpflege gestellt.



 

Oberstes Bild: Das Kirchner Museum in Davos verbindet Funktion und Ästhetik auf einzigartige Weise (Bild: Minnou, Wikimedia, CC)



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Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.



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