Der Hammetschwandlift auf dem Bürgenstück – Europas höchster Freiluft-Aufzug

21.02.2014 |  Von  |  Allgemein, Denkmalpflege
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Der Hammetschwandlift auf dem Bürgenstück – Europas höchster Freiluft-Aufzug
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Mit seinen 153 Metern Höhe ist er ein spektakuläres technisches Objekt der schweizerischen Denkmalpflege – der Hammetschwandlift, der den fünf Kilometer langen, künstlichen Felsenweg am Bürgenstock mit der Aussichtsplattform Hammetschwand verbindet, sucht seinesgleichen in der Schweiz und auf dem ganzen Kontinent. Der Aufzug steht in der Enklave Bürgenstock im Kanton Luzern, die Aussichtsplattform dagegen befindet sich bereits im benachbarten Kanton Nidwalden.

Bürgenstock am Vierwaldstätter See ist bereits seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sowohl als Nobelkurort als auch als beliebtes Urlaubsziel für die gehobene Gesellschaft bekannt. Franz Josef Bucher-Durrer, seines Zeichens Pionier der Schweizer Eisenbahngeschichte und Hotelbetreiber, sorgte für die erste Attraktion, als er in den Jahren zwischen 1897 und 1902 den Felsenweg in die Bürgenstock-Nordflanke schlagen liess. Der Lift entstand von 1903 bis 1905 und führt vom Ende des Felsenwegs, dem Känzeli, hinauf zur Hammetschwand mit seiner unvergleichlichen Aussicht über den See und die Umgebung.



Hammetschwandlift mit Luzern im Hintergrund (Bild: baumanns, Wikimedia, CC)

Hammetschwandlift mit Luzern im Hintergrund (Bild: baumanns, Wikimedia, CC)

Zu Beginn dauerte die Fahrt etwa drei Minuten, das entspricht einem Meter pro Sekunde. Die erste Kabine aus mit Zinkblech beschlagenem Holz fasste acht Personen oder 600 Kilogramm Last. Im Jahr 1936 erfolgte ein erster grösserer Umbau. Der Aufzug erhielt eine neue Kabine aus Leichtmetall, in der nun zwölf Personen Platz fanden. Die Konstruktion des Turmes und der Führungsschienen sowie der Antrieb wurden verstärkt, so dass eine Geschwindigkeit von 2,7 Metern pro Sekunde erreicht wurde. Hintergrund für diese Massnahme war der Wunsch, den Titel des schnellsten Lifts in Europa, der zwischenzeitlich an den Aufzug im Berliner Glockenturm gegangen war, für den Hammetschwand-Lift zurückzuerobern.

Eine zweite Sanierung erfolgte dann in den Jahren 1959/1960. Der Turm wurde erneut verstärkt, der Korrosionsschutz verbessert und der Antrieb mit einem geregelten Beschleunigungsmechanismus auf den damals modernsten Stand gebracht. Danach betrug die Geschwindigkeit immerhin vier Meter pro Sekunde. Im Jahr 1981 gab es eine weitere Teilsanierung, bis die Behörden 1990 unter Androhung der Schliessung eine komplette Überarbeitung der Konstruktion verlangten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Aufzug immerhin schon 85 Betriebsjahre auf dem Buckel und rund vier Millionen Fahrgäste befördert – welcher Lift kann das schon von sich behaupten?

Die finanzielle Belastung durch die erforderlichen Massnahmen überstiegen allerdings die Möglichkeiten des Eigentümers. Er wandte sich darauf hin an das Unternehmen Schindler, das die letzten Sanierungen vorgenommen hatte, um es als Sponsor zu gewinnen. Für das Image der Firma war der Hammetschwandlift wegen seiner Berühmtheit durchaus von grosser Bedeutung, so dass sich beide Parteien schliesslich auf die Gründung einer eigenen Gesellschaft für die Sanierung und den weiteren Betrieb in der Zukunft einigten. Dabei wurde die Talstation zum ersten Mal renoviert, und die bisherige Kabine durch eine an drei Seiten komplett verglaste Panoramakabine ersetzt. Das Fassungsvermögen betrug weiterhin zwölf Personen oder 900 kg Traglast. Wegen der offenen Gitterkonstruktion des Lifts erhielt die Kabine zudem einen besonderen Witterungsschutz.





Offene Gitterkonstruktion des Hammetschwandlifts (Bild: albinfo, Wikimedia, CC)

Offene Gitterkonstruktion des Hammetschwandlifts (Bild: albinfo, Wikimedia, CC)




Die Wiedereröffnung fand rechtzeitig zur Sommersaison im April 1992 statt. Um die herrliche Aussicht und die eigentliche Fahrt mehr in den Fokus der Gäste zu rücken, senkte man die Geschwindigkeit wieder herab, und zwar auf 3,15 Meter pro Sekunde. Die Kabine wurde so gestaltet, dass sie auch mit einem Rollstuhl benutzt werden kann.



Die Basis für den Gitterturm bildet ein etwa 45 Meter hoher Felsschacht am Bürgenstock. Die Konstruktion selbst ist 119 Meter hoch und hat eine Grundfläche von zwei mal zwei Metern. Der untere Zugang zum Lift, der Maschinenraum mit den technischen Anlagen sowie die ersten 14 Meter des Schachts liegen komplett im Inneren des Berges, der Rest aussen mit freiem Blick auf den See. Die Talstation befindet sich rund 916 Meter über dem Meeresspiegel, die Bergstation mit dem Plateau auf 1’114 Metern. Der Aufzug überwindet einen Höhenunterschied von knapp 153 Metern, die Höhe der gesamten Anlage bis zur Turmspitze beträgt 164 Meter. Eine Fahrt dauert derzeit 50 Sekunden. Auf der Aussichtsplattform an der Hammetschwand angekommen, geniesst man einen uneingeschränkten, herrlichen Blick über den Vierwaldstätter See, die Voralpen und einen nicht geringen Teil der Alpen. Am Turm angebrachte Lampen lassen den Lift bei klarem Wetter ab der Dämmerung weithin sichtbar werden.

Aussichtsplattform an der Hammetschwand (Bild: Gindegg, Wikimedia, CC)

Aussichtsplattform an der Hammetschwand (Bild: Gindegg, Wikimedia, CC)

Der Hammetschwandlift und der Felsenweg werden im Winter geschlossen und sind nur während der warmen Jahreszeit ab April in Betrieb. Wer nicht schwindelfrei ist oder unter Höhenangst leidet, sollte die Benutzung lieber sein lassen. Hier noch zwei kleine Anekdoten zum Abschluss: James-Bond-Darsteller Sean Connery, sonst so cool und lässig, soll während der Dreharbeiten zu „Goldfinger“ bei einer Fahrt im Lift Nerven gezeigt und Fracksausen bekommen haben. Und im Volksmund wird der Hammetschwandlift wegen seines charakteristischen Aussehens gerne mal „Luzerner Minarett“ genannt. Den Schutz der kantonalen Denkmalpflege geniesst er allerdings aus anderen Gründen.



 

Oberstes Bild: Hammetschwandlift – Europas höchster Freiluft-Aufzug (Bild: Leiju, Wikimedia, CC)



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Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.



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