Spannende Entdeckungen bei Ausgrabung in Windisch-Königsfelden AG

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In den kommenden Jahren wird das Hauptgebäude der Psychiatrischen Dienste Aargau saniert und mit einem Neubau ausgestattet. Um die archäologischen Überreste zu dokumentieren, führte die Kantonsarchäologie eine Ausgrabung durch, die nun abgeschlossen ist.

Das Grabungsteam stiess nicht nur in die Vergangenheit der Klinik vor, sondern auch direkt ins Verteidigungssystem des Legionslagers – mit einem überraschenden Fund.

Wer an Vindonissa oder Königsfelden denkt, sieht zuerst das römische Legionslager oder die Klosterkirche mit den berühmten Fensterglasmalereien vor sich. Interessant ist aber auch die Geschichte der psychiatrischen Klinik. Sie beginnt im frühen 19. Jahrhundert, als der Kanton Aargau noch in den Kinderschuhen steckte. Neben Befunden aus der Römerzeit brachte eine Grossgrabung der Kantonsarchäologie Aargau auf dem Klinikareal auch Überreste älterer Klinikgebäude zum Vorschein. Die Ausgrabung wurde nötig, weil in den kommenden Jahren das Klinikgebäude saniert und mit einem Neubau ergänzt wird. Die Untersuchung wurde nun termingerecht abgeschlossen.

„Die Ausgrabung machte es möglich, neben den römischen Befunden auch die Ruinen der alten Klinikgebäude zu dokumentieren, ehe sie im Zusammenhang mit dem kommenden Neubau zerstört werden“, sagt Grabungsleiter Andrew Lawrence. Das Hauptgebäude der Klinik, wie wir es heute kennen, wurde zwischen 1868 und 1872 erbaut. Vorher dienten Räume des mittelalterlichen Klosters Königsfelden als „Kranken- und Irrenanstalt“.


Die Klinik Königsfelden und das Legionslager von Vindonissa (Grafik: © Kantonsarchäologie Aargau)

Die Klinik Königsfelden und das Legionslager von Vindonissa (Grafik: © Kantonsarchäologie Aargau)


Das neue Gebäude musste nicht nur den damaligen Bedürfnissen der modernen Psychiatrie entsprechen, sondern war auch als monumentales Baudenkmal mit Repräsentationscharakter gedacht. Im Verlaufe der Jahre und Jahrzehnte erfuhr die Klinik zahlreiche Umbauten. Viele davon sind nur auf alten Plänen dokumentiert. Die Ausgrabung erlaubte es nun, die Überreste im Boden zu dokumentieren und die Baugeschichte der Klinik nachzuzeichnen.


Grabungsmitarbeitende präparieren ein Erdprofil. (Bild: © Kantonsarchäologie Aargau)

Grabungsmitarbeitende präparieren ein Erdprofil. (Bild: © Kantonsarchäologie Aargau)


Spitzgräben gegen den Feind

Wie alle Legionslager und Kastelle im römischen Reich, war auch Vindonissa von einer hohen Lagermauer umgeben. Davor befanden sich mehrere sogenannte Spitzgräben. Diese Hindernisse sollten den Feind davon abhalten, ins Legionslager einzudringen. Unter den Klinikruinen im Osten des Grabungsareals kam nun ein Abschnitt dieser Lagerumwehrung zum Vorschein.

Die Gräben sind mindestens 8 Meter breit und 2 Meter tief. „Sie stellten eine beträchtliche Hürde für einen Angreifer dar“, sagt Lawrence. Doch ein solches Bauwerk musste auch in Stand gehalten werden. Die Legionäre von Vindonissa reinigten die Spitzgräben immer wieder, damit sie nicht durch Unrat verfüllt und dadurch passierbar wurden. Die offenstehenden Gräben wurden jedoch später, als die Legion im Jahr 101 nach Christus abzog, als Abfallhalden genutzt. „Es ist überraschend, was sich alles in den verfüllten Gräben fand – ein richtiger Querschnitt durch das Lagerleben“, sagt Lawrence.

Diese Verfüllschichten zeichneten sich im Boden deutlich ab, so dass das Grabungsteam sie Schicht für Schicht abtragen konnte. Das Fundmaterial liefert einen Einblick in den Alltag der Legionäre. So kamen nicht nur Waffen und Ausrüstungsgegenstände zum Vorschein, sondern auch Geschirr aus Ton, Spielwürfel, Speisereste und Schlachtabfälle im Form von Tierknochen sowie rund 60 Münzen. Eine davon war sogar aus Gold. „Als die Praktikantin mir zurief, sie habe eine Goldmünze gefunden, dachte ich, es sei ein Scherz“, sagt der Grabungsleiter Lawrence. „Doch beim genauen Hinsehen, war klar, dass wir es tatsächlich mit einem seltenen Fund zu tun hatten“.

Die gut erhaltene Goldmünze des Kaisers Tiberius gehört zweifellos zu den Highlights der Grabung. Die Tatsache, dass diese aus den aufgefüllten Spitzgräben kommt, ist aber für die Archäologen erstaunlich. „Gehen wir davon aus, dass die Gräben als Mülldeponie dienten, so ist es doch merkwürdig, dass sich ein so wertvolles Objekt darunter befindet“, sagt Lawrence. Die Goldmünze wurde von den Restauratoren gereinigt und zusammen mit den anderen Funden in der Datenbank der Kantonsarchäologie erfasst und ins Depot eingelagert.


Ein Zeichner dokumentiert den Befund im Boden. (Bild: © Kantonsarchäologie Aargau)

Ein Zeichner dokumentiert den Befund im Boden. (Bild: © Kantonsarchäologie Aargau)


Untersuchung termingerecht angeschlossen

Die Ausgrabung konnte Ende 2016 termingerecht abgeschlossen werden. Die Vorbereitungsarbeiten für den Neubau der Klinik sind nun in vollem Gange und ergänzen damit die Geschichte der Klinik Königsfelden um ein weiteres Kapitel.

 

Quelle: Kanton Aargau, Departement Bildung, Kultur und Sport
Artikelbild: Überreste der Klinikbauten im Boden (© Kantonsarchäologie Aargau)

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