Pfahlbauten in Beinwil-Ägelmoos – Erosionsschutz zur Sicherung

11.10.2016 |  Von  |  News
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Pfahlbauten in Beinwil-Ägelmoos – Erosionsschutz zur Sicherung
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Mit der Pfahlbausiedlung Beinwil-Ägelmoss verfügt der Kanton Aargau über einen ganz besonderen Schatz. Die Überreste aus prähistorischer Zeit gehören zum UNESCO-Welterbe und sind eine der wichtigsten archäologischen Fundstellen im Aargau.

Das Besondere dabei: die bis zu einem Meter mächtigen Fundschichten liegen vollständig unter Wasser. Organische Überreste wie Bauhölzer, Gerätschaften oder Textilien sind dadurch grundsätzlich vor Zersetzung geschützt – ein einmaliges archäologisches Archiv.

Allerdings stellen Forschungstaucher seit einigen Jahren eine starke Erosion dieser prähistorischen Siedlungsreste fest. Zum Schutz vor weiterer Zerstörung ist eine Abdeckung des gefährdeten Bereichs mit Geotextil und Kies notwendig.

Schleichende Zerstörung durch Erosion

Grosse Teile der 3000-6000 Jahre alten Siedlungsschichten liegen ohne Schichtüberdeckung ungeschützt am Seegrund. Dort sind sie Strömungen und Wellenschlag ausgesetzt. Die dadurch verursachte, anhaltende Erosion hat innerhalb weniger Jahre bereits wesentliche Teile der Siedlungsreste unwiederbringlich zerstört. Deshalb besteht dringender Handlungsbedarf – ohne Schutzmassnahmen wäre innerhalb einiger Jahrzehnte mit der Zerstörung der Fundstelle zu rechnen.


Bronzezeitliche Keramik (1700 v. Chr.) aus der Fundstelle Beinwil-Ägelmoos. (Bild: Kantonsarchäologie Aargau)

Bronzezeitliche Keramik (1700 v. Chr.) aus der Fundstelle Beinwil-Ägelmoos. (Bild: Kantonsarchäologie Aargau)


50 Jahre Schutz – für kommende Generationen

Mit Hilfe von Bohrungen und Prospektionstauchgängen konnte die Kantonsarchäologie in Zusammenarbeit mit der Tauchequipe der Stadtarchäologie Zürich die geeigneten Schutzmassnahmen definieren. Weitere Grundlagen lieferten Gutachten zur Stabilität des Untergrunds und zur Gewässerökologie, so dass auch die Belange von Natur- und Umweltschutz und fischereirechtliche Fragen berücksichtigt werden können.

Wie Erfahrungen in anderen Schweizer Seen zeigen, bietet eine Abdeckung mit Geotextil und Kies den besten Schutz der Fundstelle vor Erosion. Spezialisierte Forschungstaucher befreien die Oberfläche zunächst von Schlick. Sie dokumentieren und entfernen aus dem Boden ragende Pfahlstümpfe. Anschliessend verlegen sie das Geotextil. Dieses wird mit 15 bis 20 cm Kies abgedeckt. Der Kiestransport erfolgt durch einen speziellen Ponton mit „Jalousie-Boden“. Der Ponton wird mit Kies befüllt, über der zu schützenden Fläche platziert und der Jalousieboden geöffnet.



Mit diesen Massnahmen kann das einzigartige Kulturerbe Beinwil-Ägelmoos für mindestens 50 Jahre geschützt und für kommende Generationen bewahrt werden. Der Abschluss der Arbeiten ist für Herbst/Winter 2017/2018 geplant.

 

Artikel von: Kanton Aargau
Artikelbild: Ein Forschungstaucher dokumentiert den Zustand der archäologischen Fundstelle unter Wasser. Im Vordergrund sind freigespülte Pfähle zu erkennen. (© Unterwasserarchäologie Zürich)

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