Neue Hinweise zur Besiedlung des Zürcher Stadtgebiets

27.05.2016 |  Von  |  Denkmalschutz
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Neue Hinweise zur Besiedlung des Zürcher Stadtgebiets
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Die archäologische Rettungsgrabung in Zürich-Höngg, Rütihof-Grossried, welche seit November 2015 läuft, steht kurz vor dem Abschluss. Funde liefern neue Einblicke in die ur- und frühgeschichtliche Besiedlung des Zürcher Stadtgebiets. 

Seit November 2015 führen die Archäologinnen und Archäologen des Amts für Städtebau (Abteilung Unterwasserarchäologie) im nördlichen Bereich des städtischen Grundstücks Rütihof-Grossried zwischen Regensdorfer-, Frankentaler- und Geeringstrasse eine archäologische Rettungsgrabung durch.

Auch wenn sich die anfängliche Vermutung, dabei auf Grabhügel der frühkeltischen Zeit zu stossen, bis jetzt nicht bestätigt hat, kamen überraschende Funde aus mehreren ur- und frühgeschichtlichen Epochen zutage. Diese Funde und mehrere Radiokarbondatierungen (Messung des Kohlenstoffisotops 14C zur Altersbestimmung) werfen ein neues Licht auf die Besiedlung des Zürcher Stadtgebiets.

So zeigen Holzkohlereste, dass die älteste steinzeitliche Besiedlung im Zeitraum 3100 bis 3500 v. Chr. erfolgt sein muss. Siedlungen aus dieser sogenannten „Horgener Kultur“ konnten bislang nur in Form von Pfahlbauten an den Seeufern nachgewiesen werden, wie zum Beispiel im Jahr 2010 bei der Rettungsgrabung „Parkhaus Opéra“.


Luftaufnahme der Grabung (Bild: Stadt Zürich Hochbaudepartement)

Luftaufnahme der Grabung (Bild: Stadt Zürich Hochbaudepartement)


Seltene Zeugnisse einer frühen Kultur

Um einen äusserst seltenen Fund handelt es sich bei einem sogenannten „Glockenbecher“, der in einer Grube gefunden wurde. Die Scherben aus der Steinzeit – gemäss Radiokarbondatierung stammen sie aus der Zeit um 2400 v. Chr. – sind Zeugen einer europaweit verbreiteten kulturellen Erscheinung im 3. Jahrtausend v. Chr., die in der Schweiz nur mit wenigen Funden repräsentiert ist. In Zürich konnten Siedlungsreste dieser sogenannten „Glockenbecherkultur“ bislang nicht gefunden werden, obwohl Analysen von Bodenproben zeigen, dass genau in diesem Zeitraum eine verstärkte Rodung der Wälder sowie eine markante Intensivierung des Getreideanbaus erfolgte, was auf eine intensive Siedlungstätigkeit hinweist.

Andere Funde weisen auf Siedlungstätigkeiten in der spätkeltischen Zeit (Eisenzeit), im Zeitraum 170 – 350 v. Chr. hin. Überraschend kamen zudem mehrere römische Brandgräber mit Urnen und verbrannten Knochen zum Vorschein, eine im Kanton Zürich äusserst seltene Entdeckung. Nach ersten Einschätzungen datieren diese ins 2. Jahrhundert zurück. Mehrere Grabensysteme bieten Einblick in die frühmittelalterliche Besiedlung von Höngg: Radiokarbondatierungen zeigen, dass das Gelände im 7. – 9. Jahrhundert besiedelt gewesen war. Die genaue Funktion der Gräben – etwa als Teil einer Verteidigungsanlage oder als Umzäunung eines landwirtschaftlichen Betriebs – ist noch ungeklärt.

Interessierte können die Grabung besichtigen

Aufgrund der zum Vorschein gekommenen Gräber wird die Rettungsgrabung bis Ende Juli verlängert. Am Montag, 30. Mai 2016, von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16.30 Uhr besteht für die interessierte Bevölkerung die Möglichkeit, den Archäologinnen und Archäologen auf dem Grabungsgelände über die Schulter zu schauen.

 

Artikel von: Stadt Zürich Hochbaudepartement
Artikelbild: Detailaufnahme der Grabung (© Stadt Zürich Hochbaudepartement)

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