Abenteuerliche Pfade im Naturschutzgebiet Pfynwald

09.02.2016 |  Von  |  Denkmalschutz
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Abenteuerliche Pfade im Naturschutzgebiet Pfynwald
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Reisende in früheren Zeiten machten um den Pfynwald im Kanton Wallis lieber einen grossen Bogen: Die zehn Quadratkilometer grosse, wilde Landschaft zwischen Siders und Leuk, in der auch noch Räuberbanden ihr Unwesen trieben, war ihnen nicht geheuer.

Der ehemalige Räuberwald liegt genau auf der Sprachgrenze zwischen den Ober- und den Unterwallisern. Sein französischer Name ist Forêt de Finges bzw. Bois de Finges. Heute gehört er zu den wichtigsten Naturschutzgebieten der Schweiz. Denn nur noch wenige so grosse und zusammenhängende alpine Föhrenwälder sind erhalten geblieben.

Ein gepflegter Naturlehrpfad und ein umstrittener Kanal

Durch den Forêt de Finges fliesst die Rhône, die Wald und Region im Lauf der Jahrtausende mitgestaltet hat. Regelmässige Überflutungen, Murgänge und Rutschungen gaben dem Gebiet sein Gesicht und seinen Charakter. Dazu kamen häufige Waldbrände, die im trockenen und heissen Klima des Mittelwallis immer wieder entstehen können. Südwestlich von Leuk liegt der Illgraben, der im Lauf der Zeit ungeheure Erdmassen aufgeschüttet hat, die die Grundlage des Pfynwaldes bilden. Und da die Erosion des Illgrabens kein abgeschlossener Prozess ist, bleibt das Land unter dem Wald weiterhin in Bewegung.

Das Schutzgebiet Pfynwald wird von mehreren Umweltschutzverbänden gepflegt. Durch seine wie verwunschen wirkende und urtümliche Natur führt ein Naturlehrpfad mit Stationen an besonders faszinierenden Plätzen. Wer ihn entlanggeht, findet viele Informationen zu den zahlreichen, teil ebenfalls geschützten Tier- und Pflanzenarten, die hier heimisch sind. Doch der Lehrpfad wird auch wegen seiner Schönheit und seines Erholungswerts geschätzt und von einheimischen Spaziergängern ebenso frequentiert wie von Touristen.


Suonen sind historische Bewässerungskanäle (Bild: © Pelerin, Wikimedia, CC BY-SA 3.0)

Suonen sind historische Bewässerungskanäle (Bild: © Pelerin, Wikimedia, CC BY-SA 3.0)


Als Schutzmassnahme für den Pfynwald wird das neue Teilstück der A9 durch diese Landschaft zum grossen Teil unterirdisch geführt. Anders sieht es mit einem Kanal aus, den die Rhonewerke AG mitten durch das Schutzgebiet gebaut hat. Dieses Projekt ist bei Umwelt- und Heimatschützern sowie Anrainern stark umstritten. Für Kritik sorgen vor allem die glatten, steilen Betonwände des Kanals, da sie sowohl für Menschen als auch für Tiere gefährlich sind.

Das Naturparkzentrum zum Schutzgebiet Pfynwald ist in Salgesch in der 300 Jahre alten Johanniterkomturei untergebracht. Es umfasst eine Ausstellung, eine Fachbibliothek und eine Informationsstelle.

Wandern entlang der alten Suonen

Suonen sind historische Bewässerungskanäle, die im Wallis eine lange Tradition haben. Sie wurden als offene Gräben angelegt, in denen das kostbare und lebensspendende Wasser aus den Bergbächen in Weinberge und Ostplantagen und bis auf die trockenen Äcker und Weideflächen gelangen kann. Dabei nimmt es oft sehr kreative und abenteuerliche Wege.

Beim Bau der A9 haben Archäologen Überreste von fünf alten Suonen gefunden. Der älteste Graben wurde zwischen dem 1. und dem 4. Jahrhundert n. Chr. von den Römern angelegt und ist somit die älteste wissenschaftlich belegte Suone, die je entdeckt wurde. Viele der historischen Wasserwege sind immer noch in Betrieb. Wenn sie weiterhin so gut gepflegt und unterhalten werden, können sie noch viele Jahrhunderte lang ihren Zweck erfüllen.



Entlang der Suonen gibt es mehrere geschichtsträchtige und wildromantische Wanderwege. Einer davon führt entlang der Bisse de Finges. Diese historische Suone heisst auch Pfyngut, da sie früher die Wiesen von Pfyngut bewässerte. Das Wasser wurde von der Rhône abgeleitet und in Richtung des unteren Pfynwaldes in den Fluss zurückgeführt. Nach dem Bau einer modernen Berieselungsanlage wurde die Bisse de Finges im 20. Jahrhundert stillgelegt, doch ihr Verlauf ist immer noch gut zu erkennen.

 

Artikelbild: © kameramaeleon – fotolia.com

Über Christine Praetorius

Christine Praetorius, Jahrgang 1971, spricht und schreibt über Neues, Altes, Schönes und Kurioses. Ich liebe Sprache und Musik als die grössten von Menschen für Menschen gemachten Freuden – und bleibe gerne länger wach, um ihnen noch etwas hinzuzufügen. Seit 2012 arbeite ich mit meinem Mann Christian als freie Texterin, Autorin und Lektorin.


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