Tipps für die nachhaltige energetische Verbesserung von Baudenkmälern

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Tipps für die nachhaltige energetische Verbesserung von Baudenkmälern
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Historische Gebäude sind wertvolle Zeitzeugen. Mit ihrem unverkennbaren Aussehen, ihren alten und neuen Geschichten und natürlich auch durch ihren Nutzwert tragen sie viel zum Charakter eines Ortes oder einer Region bei.

Dass alte Bauten in vielerlei Hinsicht nicht mehr „zeitgemäss“ sind, macht sie umso interessanter, liebens- und erhaltenswerter. Doch in puncto Energieeffizienz sollten auch Denkmäler mit der Zeit gehen: In der aktuellen Broschüre „Denkmal und Energie“ zeigen die Bundesämter für Kultur und Energie Wege zur schonenden energetischen Verbesserung denkmalgeschützter Gebäude.

Zeitgemässer Energieverbrauch in alten Gemäuern

Die Broschüre, die das Bundesamt für Kultur (BAK) und das Bundesamt für Energie (BFE) im November 2015 gemeinsam herausgegeben haben, befasst sich mit Themen von lokaler und globaler Bedeutung. Die vermehrte Erzeugung und Nutzung von Energie aus erneuerbaren Ressourcen, die Verringerung des CO2‑Ausstosses und die Optimierung von Gebäuden und Fassaden für einen besseren Energiehaushalt ist erklärtes Ziel der Energiepolitik des Bundes und der Kantone.

Für die energetische Sanierung und Aufrüstung moderner, nicht denkmalgeschützter Bauwerke gibt es nicht nur klare Richtlinien, sondern auch eine Vielzahl standardisierter Lösungen. Die lassen sich jedoch bei altehrwürdigen Baudenkmälern nicht so einfach umsetzen. Denn hier geht es nicht nur um die ideale Energieerhaltung und -nutzung, sondern immer auch um den möglichst schonenden Umgang mit der historischen Bausubstanz.

Alte Mauern und Balken, historische Fassaden, Fenster und Dachstühle sind oft mangelhaft isoliert und daher als „Energiefresser“ bekannt. Daneben sind sie jedoch ebenfalls wertvolle Ressourcen, die nicht nachwachsen und daher auch im Sinne notwendiger Modernisierungen weder verschwendet noch zerstört werden dürfen. Sie sind gewissermassen Quellen der Kultur und der sicht- und fühlbaren Identität eines Landes und seiner Bevölkerung.

Wie die gute und gleichberechtigte Koexistenz von historischer Bausubstanz und zeitgemässer Energieproduktion und -nutzung funktionieren kann, wird in der kostenlosen Broschüre „Denkmal und Energie“ mit konkreten Handlungs- und Planungsanleitungen verdeutlicht. Zudem werden einige interessante Projekte vorgestellt, bei denen die erfolgreiche und nachhaltige Umsetzung moderner Ideen an alten Gemäuern bereits hervorragend geklappt hat.


In puncto Energieeffizienz sollten auch Denkmäler mit der Zeit gehen. (Bild: Philip Halling, Wikimedia, CC)

In puncto Energieeffizienz sollten auch Denkmäler mit der Zeit gehen. (Bild: Philip Halling, Wikimedia, CC)


Alte und neue Baukultur respektvoll in Einklang bringen

Baudenkmäler sind selten. Sie machen nur einen kleinen Teil des Gebäudebestandes aus und dürfen weder in ihrem Erscheinungsbild noch in ihrer historischen Bausubstanz beeinträchtigt werden – auch nicht zur Verwirklichung wichtiger und notwendiger Energieziele. Nachhaltigkeit sowie ein bewusster und respektvoller Umgang mit dem Vorhandenen sind bei entsprechenden Massnahmen also auf ganzer Linie gefragt.

Bei manchen historischen Gebäuden ist es weder möglich noch angemessen, sie energietechnisch auf den neuesten Stand zu bringen. Doch grundsätzlich ist es stets sinnvoller, sie zu erhalten, als sie aufwendig umzubauen oder gar abzureissen. Denn gerade diese Bauten haben bereits einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Nachhaltigkeit geleistet: Früher gab es wenig Alternativen zur ökologischen Bauart, und was schon seit Jahrhunderten steht und seinen Zweck erfüllt, schont damit auch die Umwelt.

Bei der energetischen Optimierung von Denkmälern geht es also darum, die vorhandenen Möglichkeiten zu erkennen und bestmöglich auszuschöpfen. Alle Sanierungsarbeiten müssen perfekt auf die Bausubstanz, die Lage und die Wirkung des Denkmals abgestimmt werden und sich nachher harmonisch ins Gesamtbild einfügen, zu dem neben dem Gebäude auch die Landschaft oder ein schützenswerter Ortskern gehören. Darum liegt die Priorität immer auf sogenannten nichtbaulichen Massnahmen, die sich mit den Schutzinteressen vertragen und vereinbaren lassen.

Denkmalgerechte Massnahmen zur besseren Wärmewirtschaft stellen einen Schwerpunkt der Broschüre dar. So wird aufgezeigt, wie sich Fenster, Türen, Wände, Dächer und Zwischenböden substanzschonend isolieren und dämmen lassen. Ein weiterer innovativer Ansatz ist das Ausstatten der Baudenkmäler mit eigenen Anlagen zur umweltfreundlichen Energieerzeugung, z. B. Photovoltaik oder Solarthermie.



Erneuerbare Energie in Baudenkmälern produzieren

Die Nachhaltigkeitsstrategie des Bundesrats (Energiestrategie 2050) umfasst neben der Reduzierung des CO2‑Ausstosses und des Energieverbrauchs in Gebäuden auch die Förderung von erneuerbaren Energien. Entsprechende Anlagen, z. B. zur Gewinnung von Strom und Wärme aus Sonnenlicht, können durchaus auch an den Fassaden oder auf den Dächern von Baudenkmälern errichtet werden. Sie müssen lediglich so angebracht und gestaltet werden, dass sie weder das geschützte Gebäude noch das Ortsbild beeinträchtigen.

Wenn so viele neue und alte Werte, Bedingungen und Ansprüche gleichzeitig zu berücksichtigen sind, brauchen die Beteiligten Expertise und Fachverstand, aber auch Kreativität, Intuition und Fingerspitzengefühl. Bei der Beurteilung eines Denkmals in seinem Lebenszyklus und bei der Wahrung von Schutzinteressen gibt es keine einfachen Standards. Jedes Projekt beginnt darum mit sorgfältigen Analysen, Prüfungen und Planungen, die sowohl den räumlichen als auch den zeitlichen Kontext mit einbeziehen. Daraus lässt sich schliesslich ein konkreter Massnahmenkatalog herleiten.

Ziele der Broschüre „Denkmal und Energie“

Historisch wertvolle Anwesen, Wohnhäuser, Mietshäuser und Industriegebäude tragen zu einer hohen Lebensqualität bei, haben jedoch oft einen zu hohen Energieverbrauch. Energetische Sanierungsmassnahmen müssen angemessen sein und fachkundig durchgeführt werden: Wenn sie das Denkmal beeinträchtigen, überwiegt der kulturelle Verlust für die Öffentlichkeit jede eventuell erreichte Energieeinsparung.

Die Herausgeber der Publikation möchten die Aufmerksamkeit von Gemeinden, Unternehmen und Privatbesitzern daher auf die allen gemeinsamen und übergeordneten Ziele richten: den Einklang von Altem und Neuem, den schonenden und respektvollen Umgang mit Ressourcen aller Art und praktische Wege zur Umsetzung der Energieziele, um Vergangenheit und Zukunft gleichermassen zu erhalten und zu schützen.

 

Artikelbild: Historische Kleinstadt Saint-Ursanne. (© Morningjoy, Wikimedia, CC)

Über Christine Praetorius

Christine Praetorius, Jahrgang 1971, spricht und schreibt über Neues, Altes, Schönes und Kurioses. Ich liebe Sprache und Musik als die grössten von Menschen für Menschen gemachten Freuden – und bleibe gerne länger wach, um ihnen noch etwas hinzuzufügen. Seit 2012 arbeite ich mit meinem Mann Christian als freie Texterin, Autorin und Lektorin.


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