Denkmäler zweier Religionskriege und einer Versöhnung bei Kappel am Albis

24.12.2015 |  Von  |  Denkmalpflege
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Denkmäler zweier Religionskriege und einer Versöhnung bei Kappel am Albis
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Wo verschiedene Religionen oder Glaubensrichtungen aufeinandertreffen, kommt es leider immer wieder zu Konflikten. So auch in der Gegend von Kappel am Albis im Kanton Zürich. Hier entbrannten vor rund einem halben Jahrtausend zwei Kriege zwischen Reformierten und Katholiken, von denen nur einer friedlich beigelegt werden konnte.

Auf einem kulturhistorischen Weg im Grenzgebiet zwischen Zug und Zürich lässt sich die damalige Kampfzone mit ihren Naturschönheiten, ihren Orten und ihrer abenteuerlichen Geschichte zu Fuss entdecken. Eine ganze Reihe von Denkmälern entlang des Weges erinnert bis heute an den historischen Konflikt zweier Ideologien, deren Anhänger zumindest hierzulande längst gelernt haben, trotz aller Unterschiede friedlich miteinander zu leben.

Der erste Kappeler Krieg und der Milchsuppenstein

Das 900-Seelen-Dorf Kappel am Albis liegt im Grenzgebiet des Kantons Zürich. Der nahe im Süden gelegene Ort Baar gehört bereits zum Kanton Zug. Die Religionskriege aus den Jahren 1529 und 1531, die als Kappeler Kriege in die Geschichte eingingen, haben den kleinen Ort und sein Kloster schon früh bekannt gemacht. Heute wird das Kloster Kappel von der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich als Seminarhotel genutzt.

Der erste Kappeler Krieg war im Grunde genommen kein „richtiger“ Krieg. Dank diplomatischem Geschick und guter Vermittlung konnte das Ausbrechen kriegerischer Handlungen noch einmal verhindert werden, und die beiden verfeindeten Parteien versöhnten sich wieder: Südlich des Dorfes Ebertswil, in einem Wäldchen an der Grenze zwischen den beiden Kantonen, trafen sich die beiden Heere und legten ihren Streit bei einer gemeinsamen Mahlzeit bei. Als Versöhnungsmahlzeit wurde eine traditionelle Kappeler Milchsuppe gereicht.

Der Milchsuppenstein kennzeichnet bis heute den Schauplatz dieses friedlichen Endes. Er lädt den Wanderer zum Verweilen, Schauen und Nachdenken ein – und ist nach wie vor wunderbar für eine friedliche Mahlzeit an der frischen Luft geeignet. Bei idealen Wetterbedingungen sieht man schon auf dem Weg von Näfenhüser über Kappel nach Ebertswil die Albiskette und vom Milchsuppenstein aus die Alpen und den Zugersee.


Die Kappeler Milchsuppe, Gemälde von Albert Anker, 1869. (Bild: Albrecht Anker, Wikimedia, public domain)

Die Kappeler Milchsuppe, Gemälde von Albert Anker, 1869. (Bild: Albrecht Anker, Wikimedia, public domain)


Der zweite Kappeler Krieg und das Zwingli-Denkmal

Beim zweiten Kappeler Krieg konnte keine friedliche Lösung mehr den Ausbruch der Gewalt verhindern. Rund 450 Zürcher Reformierte kamen ums Leben, darunter auch deren Anführer, der berühmte Reformator Huldrych (Ulrich) Zwingli. Er starb am 11. Oktober 1531 in Kappel am Albis, wo ihm auf dem ehemaligen Schauplatz des Kampfes in der Nähe des Klosters Kappel ein Denkmal gesetzt wurde.


Denkmal für Ulrich Zwingli in Kappel am Albis. (Bild: Lutz Fischer-Lamprecht)

Denkmal für Ulrich Zwingli in Kappel am Albis. (Bild: Lutz Fischer-Lamprecht)


Das Zwingli-Denkmal steht ein wenig nördlich des Ortes an der Strasse von Kappel nach Hausen am Albis. Es wird von Bäumen beschattet und ist ebenfalls am bequemsten und schönsten zu Fuss auf dem kulturhistorischen Wanderweg zu erreichen. Wer mit dem Auto herkommt, sollte sein Fahrzeug im Ort abstellen, da es direkt beim Zwingli-Denkmal keine Parkplätze gibt.



 

Artikelbild: Kappel am Albis (© Schulerst, Wikimedia, CC)

Über Christine Praetorius

Christine Praetorius, Jahrgang 1971, spricht und schreibt über Neues, Altes, Schönes und Kurioses. Ich liebe Sprache und Musik als die grössten von Menschen für Menschen gemachten Freuden – und bleibe gerne länger wach, um ihnen noch etwas hinzuzufügen. Seit 2012 arbeite ich mit meinem Mann Christian als freie Texterin, Autorin und Lektorin.


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