Sherlock Holmes begegnen: Meiringen am Reichenbachfall

16.12.2015 |  Von  |  Denkmalpflege
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Sherlock Holmes begegnen: Meiringen am Reichenbachfall
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Bei Meiringen im Kanton Bern stürzt der Reichenbach in einer Kaskade von sieben Wasserfällen 300 Meter in die Tiefe. Viele Schweizer Reiseführer erwähnen dieses beeindruckende Naturschaupiel, das auch die regionale Sagenwelt beeinflusst und schon etliche Literaten und Filmemacher inspiriert hat.

Ein Museum und mehrere Denkmäler erinnern an Sherlock Holmes, der am Reichenbachfall seinem grössten Widersacher Dr. Moriarty begegnete und einen schicksalhaften Kampf mit ihm austrug.

Zwei Naturschönheiten als atemberaubende Kulisse

Der südlich von Meiringen gelegene Rosenlauigletscher ist rund sechs Quadratkilometer gross. Auf dieser kleinen Fläche hat er den weltberühmten Reichenbachfall und die Gletscherschlucht Rosenlaui, ein ebenfalls weithin bekanntes Schweizer Naturdenkmal entstehen lassen. Zwischen ihren bis zu 80 Meter hohen Wänden schäumt und tost das Schmelzwasser des Gletschers. Für Touristen und Ausflügler gibt es einen gut gesicherten Fussweg, auf dem man die Rosenlauischlucht entdecken und durchwandern kann.

Ebenfalls im Süden von Meiringen befindet sich die 1899 erbaute Reichenbachfall-Standseilbahn, die bis zum obersten und gewaltigsten der sieben Wasserfälle führt. Von der Bergstation aus kann man auf einem Wanderweg noch weiter bergwärts gelangen; zahlreiche Aussichtspunkte belohnen für den Aufstieg.

Rund 120 Meter über dem oberen Fall und an dessen Ostseite liegt die Aussichtsplattform, auf der laut Sir Arthur Conan Doyles Erzählung „Das letzte Problem“ Sherlock Holmes und Dr. Moriarty miteinander kämpften. Hier endet der Fusspfad in einer Sackgasse, die von einer Umzäunung gesichert ist. Der weisse Stern, mit dem der Kampfplatz markiert ist, lässt sich bereits von der Bergstation der Seilbahn aus erkennen.


Die Rosenlauischlucht (Bild: © Michael Thaler - shutterstock.com)

Die Rosenlauischlucht (Bild: © Michael Thaler – shutterstock.com)


Bei der Talstation der Reichenbachfallbahn steht ein Sherlock Holmes-Denkmal – zu Ehren des grössten Detektivs der Welt, der wie kein anderer die Kunst der Deduktion beherrschte. Ausserdem können Neugierige, Freunde und Bewunderer des legendären Meisterdetektivs das Sherlock-Holmes-Museum in Meiringen besuchen, das mit einigen Rätseln und Überraschungen aufwartet.

Eine Vielzahl von Spuren, Hinweisen und Denkmälern

Im November 1952 brachten die „Old Soldiers of Baker Street“, eine Vereinigung in Heidelberg stationierter US-Offiziere, die erste Sherlock-Holmes-Gedenktafel im Hotel Rössli in Meiringen an. Fünf Jahre später kamen auch die „Norwegian Explorers of Minnesota“, eine Sherlock Holmes-Gesellschaft aus Amerika, auf den Spuren ihres Idols nach Meiringen – und enthüllten die Gedenktafel, die bis heute an der Talstation der nostalgischen Standseilbahn zu finden ist.

Kurz zuvor hatte Tony Howlett, ein prominentes Mitglied der Londoner „Sherlock Holmes Society“, anhand von Conan Doyles Erzählung und Sidney Pagets Illustrationen die genaue Stelle ermittelt und mit einem Stern markiert, an der Sherlock Holmes mit dem Meisterverbrecher Moriarty rang, wobei es zuerst so schien, als seien beide dabei abgestürzt und zu Tode gekommen. Erst viel später in der Geschichte stellt sich heraus, dass nur Moriarty tatsächlich sein Ende in den Fluten des Reichenbachfalls gefunden hatte.


Eine Briefmarke mit Sherlock Holmes und dem Professor Moriarty. (Bild: © Sergey Goryachev - shutterstock.com)

Eine Briefmarke mit Sherlock Holmes und dem Professor Moriarty. (Bild: © Sergey Goryachev – shutterstock.com)


Sherlock Holmes hatte den Kampf überlebt und die Gelegenheit geschickt genutzt, um sein eigenes Ableben zu inszenieren. Dahinter steckte natürlich ebenfalls eine kluge Absicht: Eine eigene Gedenktafel erinnert an die Geschichte, wie Holmes später durch diese Täuschung eine Falle für den Moriarty-Komplizen Moran aufstellen konnte – so, wie Moriarty ihn und Dr. Watson nach Meiringen und dort in eine Falle gelockt hatte.

An der lebensgrossen Sherlock-Holmes-Statue und den dazugehörigen Hinweistafeln, die die Sherlock Holmes Society of London im September 1988 in Meiringen enthüllte, sind sechzig Spuren versteckt – eine für jede von Conan Doyle geschriebene Sherloock-Holmes-Erzählung. Manche davon erfordern einiges Kombinationstalent: Beim Suchen, Finden und Lösen der Rätsel sind also durchaus Sherlock-Holmes-Qualitäten gefragt.



Bei der Eröffnung des Meiringer Sherlock Holmes-Museums am 5. Mai 1991 war die jüngste Tochter des Autors anwesend, Lady Jean Conan Doyle. In den Museumsräumen in der englischen Kirche wurde unter anderem das berühmte Wohnzimmer von Sherlock Holmes und Dr. Watson in der Baker Street 221b nachgebaut. Am Parkhotel du Sauvage, in dem Holmes und Watson die Nacht vom 3. auf den 4. Mai 1891 verbrachten, gibt es ebenfalls eine Gedenktafel – und wer vor Ort auf den Spuren des Meisterdetektivs unterwegs ist, wird noch viele weitere entdecken.

 

Quellen: 221b.chde.wikipedia.orgmyswitzerland.com
Artikelbild: © Troy Wegman – shutterstock.com

Über Christine Praetorius

Christine Praetorius, Jahrgang 1971, spricht und schreibt über Neues, Altes, Schönes und Kurioses. Ich liebe Sprache und Musik als die grössten von Menschen für Menschen gemachten Freuden – und bleibe gerne länger wach, um ihnen noch etwas hinzuzufügen. Seit 2012 arbeite ich mit meinem Mann Christian als freie Texterin, Autorin und Lektorin.


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