Die Linner Linde und ihr Dorf

05.11.2014 |  Von  |  Allgemein, Denkmalpflege
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Die Linner Linde und ihr Dorf
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Auf Facebook bin ich mit einem Baum verbunden. Ein Baum auf Facebook? Warum auch nicht, schliesslich haben auch Haustiere und sogar Teddybären Facebook-Profile. Und dieser Baum hat erst noch so viel mehr zu erzählen als manch anderer Facebook Nutzer.

Kein Wunder, lebt er doch schon rund 800 Jahre lang. Die Gemeinde, in welcher er daheim ist, ist natürlich stolz auf ihren ältesten „Bewohner“, aber auch auf ihr Dorfbild, welches von nationaler Bedeutung ist. In diesem Beitrag geht es um das Dorf Linn mit seiner prächtigen Linner Linde.



Das Dorf Linn mit seiner prächtigen Linde ist ein lohnenswertes Ausflugsziel. (Bild: Stefan Wernli, Wikimedia, CC)

Das Dorf Linn mit seiner prächtigen Linde ist ein lohnenswertes Ausflugsziel. (Bild: Stefan Wernli, Wikimedia, CC)

Viele Dörfer hatten früher ihre Dorflinde: Diese war Treffpunkt und Ruhepol zugleich, sie hatte gesellschaftliche Bedeutung. Sicher kennen Sie das Volkslied „Am Brunnen vor dem Tore …“, in welchem ein Lindenbaum in Verbindung mit dem Heimatgefühl besungen wird.
Auf Facebook schreibt die Linner Linde über sich unter anderem: „Geboren am 1. Januar 1200. Vor ca. 800 Jahren wurde ich gesetzt!“ Ihre Geschichte ist natürlich eng mit jener der Gemeinde Linn verbunden. Sie steht am Dorfeingang und schaut von hier über das Aaretal und je nach Wetterlage bis in die Alpen.

Es heisst, die Linde sei gepflanzt worden, nachdem die Pest fast alle Linner dahingerafft hatte. Ihre Gräber sollen unter der Linde liegen und der Baum solle dafür sorgen, dass die Krankheit nie wieder ausbricht. Wie die Linde auf ihrer Webseite (linnerlinde.ch) schreibt, ist dies jedoch nur eine Legende. Klar, sie ist ja auch viel älter. Wie auch immer, wer heute hierher kommt, findet einen einzigartigen Kraftort und kann sich wunderbar unter der Krone der Linner Linde erholen. Und natürlich lohnt es sich, durch das hübsche Dorf Linn zu schlendern. Es wurde erstmals 1306 urkundlich erwähnt. Sein Name kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet so viel wie „beim Lindengehölz“.





Man kann sich wunderbar unter der Krone der Linner Linde erholen. (Bild: Paebi, Wikimedia, CC)

Man kann sich wunderbar unter der Krone der Linner Linde erholen. (Bild: Paebi, Wikimedia, CC)




Im Mittelalter durchlebte Linn eine recht turbulente Zeit. Es gehört zum Habsburger Gericht Bözberg, welches mehrfach durch Verpfändung die Besitzer wechselte.
1667 bis 1669 starben zwei Drittel der Linner Einwohner an der Pest. Von Mitte des
19. Jahrhunderts bis etwa 1980 nahm die Bevölkerung nochmals fast um die Hälfte ab. Erst in den letzten Jahrzehnten kann eine Zunahme verzeichnet werden. Zogen einst die Leute aus der von Landwirtschaft geprägten Gegend weg, ist heute das Landleben wieder gefragt.

Linn ist ein Strassendorf, dessen Gebäude zwar nicht miteinander verbunden sind, aber doch eine Gasse bilden. Die Höfe beidseitig der Dorfstrasse stehen leicht gestaffelt. Der Ort hat einen typischen Dorfplatz. Hier gibt es einen Brunnen, und Sitzbänke unter einer kleinen Linde laden zum Schwatz mit den Nachbarn ein. Man kennt und grüsst sich.
Ein beliebter Treffpunkt der Bewohner der Region war früher das Restaurant zur Linde. Das Gebäude wurde nach den Richtlinien von Heimat- und Denkmalschutz renoviert und beherbergt heute ein stilvolles Wohnhaus sowie das Weingut zur Linde.

Panorama von Linn (Bild: Vodimivado, Wikimedia, GNU)

Panorama von Linn (Bild: Vodimivado, Wikimedia, GNU)

Bis in die heutige Zeit blieb der Dorfkern von Linn weitestgehend unverändert. Neubauten entstanden vor allem ausserhalb des Zentrums. Da Linn abseits von Industrie und Verkehr liegt, konnte es seinen ursprünglichen Charakter bis heute erhalten. Wenn Sie sich für die typischen Bauernhäuser des Dorfes interessieren, aber auch die Umgebung von Linn näher kennenlernen möchten, ist der Natur- und Kulturweg Linn sehr empfehlenswert! Er wurde vom Natur- und Vogelschutzklub Bözberg 2006 erstellt, als Linn sein 700-jähriges Bestehen feierte.

In einem alten Sprichwort der Indianer heisst es: „“Weisst du, dass die Bäume reden?
Ja, sie reden. Sie sprechen miteinander, und sie sprechen zu dir, wenn du zuhörst …“ Leider haben viele Menschen verlernt, der Natur zuzuhören. Schön, dass die Linner Linde auf ihre alten Tage noch so modern ist, dass sie auf Facebook aus ihrem langen Leben und dem ihrer Gemeinde Linn erzählt!



 

Oberstes Bild: Die 800 Jahre alte Linner Linde (© Abracadabra, Wikimedia, CC)

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1 Kommentar


  1. Viele Erdenbürger würden ihren Hochmut und Eigensinn ablegen, wenn sie die Bedeutung der Schöpfung und Gottes ewig gültigem Plan, neu entdecken! Die Linde von Linn könnte der Auslöser sein!

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