Schützenswertes, Nachdenkliches und Überraschendes im mittelalterlichen Städtchen Laufen

17.10.2014 |  Von  |  Allgemein, Denkmalpflege
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Schützenswertes, Nachdenkliches und Überraschendes im mittelalterlichen Städtchen Laufen
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Ich freue mich immer, wenn ich ein Feedback zu meinen Artikeln bekomme. So schrieb mir auf Facebook ein Herr, dass ich doch einmal über die barocke Katharinenkirche in Laufen berichten soll.

Also habe ich mich über die Kirche informiert und mich umgesehen, was Laufen sonst noch an Kulturdenkmälern zu bieten hat. Und das ist eine ganze Menge!



Stadthaus und Obertor von Laufen (Bild: Roland Zumbuehl, Wikimedia, CC)

Stadthaus und Obertor von Laufen (Bild: Roland Zumbuehl, Wikimedia, CC)

Aber zuerst einmal betrachten wir die wirklich sehenswerte Kirche: Erbaut wurde die Katharinenkirche in Laufen im 17. Jahrhundert. 1698 war der Bau vollendet, jedoch kam der Turm erst wesentlich später hinzu. Wurden früher in der Katharinenkirche die Glocken von St. Martin geläutet, so sind diese leider heute nicht mehr erhalten. Die Kirche ist einschiffig und, für die Zeit des Barocks eher unüblich, recht einfach gestaltet. Auffallend sind die kunstvollen Stuckaturen aus dem Rokoko, geschaffen von den Vorarlberger Brüdern Moosbrugger. 1707 entstand im spätbarocken Stil der Hochaltar. Die heilige Katharina ist auf einem grossen Bild auf einem zerstörten Rad kniend, betend abgebildet. Aber wer war Katharina, die nach Maria, in unserem Kulturkreis am meisten verehrte Heilige, eigentlich? Hat sie wirklich gelebt oder ist sie nur eine Legende? Die Überlieferungen zu ihrem Leben und ihrem Tod stimmen nachdenklich.

Katharina soll aufgrund ihres christlichen Glaubens abgelehnt haben, einen römischen Herrn zu ehelichen. Dieser, blossgestellt, liess sie daraufhin foltern und wollte sie mit einem Rad hinrichten. Jedoch zerstörte ein Blitzschlag dieses, wodurch ihr Leben gerettet wurde. Leider nur für kurze Zeit: Sie wurde schliesslich enthauptet. Da diese Überlieferung stark der Geschichte der berühmten Philosophin Hypatia von Alexandrien ähnelt, ist anzunehmen, dass es Katharina nicht wirklich gegeben hat. Fanatisierende Christen folterten Hypatia und verbrannten sie im Jahre 415.



Der römisch-katholische Heiligenkalender entfernte Katharina schon vor vielen Jahren. Gerade in der heutigen Zeit stehen die heilige Katharina und Hypatia jedoch symbolisch für unzählige Frauen, welche durch religiöse Fanatiker brutal gequält und ermordet werden. So lässt die Katharinenkirche als Baudenkmal auch innehalten und die heilige Katharina als Symbol verstehen, welches zu einem respektvollen Umgang mit Menschen anderer Glaubensrichtungen aufruft.

Katharinenkirche mit Statue des Helias Helye in Laufen (Bild: Roland Zumbuehl, Wikimedia, CC)

Katharinenkirche mit Statue des Helias Helye in Laufen (Bild: Roland Zumbuehl, Wikimedia, CC)




Aber zurück zum kulturellen und baulichen Erbe der Katharinenkirche: Die kunstvollen Seitenaltäre fallen durch ihre aussergewöhnlichen, durchbrochenen und gedrehten Säulen sowie durch interessante Bilder auf. Ein grosses Kruzifix hängt in der Mitte des Chorbogens. Maria und Joseph werden als Statuen auf beiden Seiten an den Rändern des Bogens dargestellt. Eine weitere Statue steht unterhalb der Orgelempore und stellt Maria mit dem Jesuskind dar. Dieses Objekt aus der Spätgotik ist das kunsthistorisch wertvollste der Kirche. Es handelt sich um eine Prozessionstatue, welche schon im Jahre 1500 bei Prozessionen durch Laufen getragen wurde.



Sie ist ein Meisterwerk: Marias zarte Gesichtszüge und die auffallende Mimik des Jesuskindes, beim Griff nach einem Granatapfel, zeugen ebenso, wie die kunstvoll gestalteten Falten ihres Gewandes, von hohem künstlerischen Können.
Rechts neben der Kanzeltreppe ist die Statue des heiligen Sebastian zu sehen. Diese wurde jeweils am 20. Januar, dem Sebastiantag, durch den Ort und um den Brunnen herum getragen. Der Grund dafür ist, dass er als Pestheiliger galt und man davon ausging, dass verseuchtes Wasser der Grund für die Seuche sei.

Musikanten in Laufen (Bild: Katrin Morenz, Wikimedia, CC)

Musikanten in Laufen (Bild: Katrin Morenz, Wikimedia, CC)

Gegen die im Jahre 1735 in Laufen grassierende Viehseuche sollte der heilige Fridolin schützen. Dieser Glaube beruht darauf, dass der Wandermissionar aus dem frühen Mittelalter als Beschützer der Tiere galt. Am Fridolinstag trug man deshalb die Fridolinstatue in einer Prozession durch das Städtli. St. Fridolin wurde, auf eine Legende zurückgehend, mit einem Skelett dargestellt und kann neben der vorderen Seitentüre an der Wand betrachtet werden. Die Katharinenkirche wurde erstmals im Jahre 1832 renoviert. Weitere umfangreiche Renovationsarbeiten wurden von 1913 bis 1919 vorgenommen. Die Arbeiten fanden sowohl im Innenraum wie auch an der Fassade statt. Nach der letzten umfassenden Renovation 1971 wurde die St. Katharinenkirche unter eidgenössischen Denkmalschutz gestellt.

Ein Bummel durch das gepflegte mittelalterliche Städtchen Laufen lohnt sich: Es ist eine Fundgrube für alle, die sich für Geschichte und Kulturdenkmäler interessieren. 1295 bekam Laufen am Stefanstag von Bischof Peter Reich das Stadtrecht verliehen. Daraufhin wurde der Stadtflecken mit einer Ringmauer und drei Stadttoren befestigt. Wasserturm, Obertor und Untertor sind noch heute gut erhalten und prägen mit den Resten der Stadtmauer das Stadtbild. Der wichtigste Teil der Befestigungsanlage ist das Untertor. Es wurde mehrfach umgebaut, ist aber immer noch ein geschichtsträchtiges und beeindruckendes Bauwerk. Damals wie heute führt der Weg in die Altstadt durch dieses Tor. Das Untertor wurde als letztes der drei Tore und dem Überbleibsel der Stadtmauer als wertvoller historischer Zeitzeuge unter kantonalen Denkmalschutz gestellt.

Sehenswert ist auch Laufens denkmalgeschütztes Stadthaus. Erbaut im Jahre 1672, war es ursprünglich barocker Adelssitz, wurde dann als Spital genutzt und ist heute Sitz der Gemeindeverwaltung. Ein Highlight für die Denkmalpflege war der bei einer Restaurierung überraschend entdeckte barocke Festsaal, der Roggenbachsaal, welcher mit Grisaillemalereien geschmückt ist. Da ich bei meinen Recherchen zwei voneinander abweichende Jahreszahlen für die Entdeckung des Saales fand, kann ich diese nicht zuverlässig angeben. Die Malereien wurden mit grösster Sorgfalt renoviert und der Roggenbachsaal zählt heute zu den Kulturdenkmälern Laufens.



 

Oberstes Bild: mittelalterliches Städtchen Laufen im Basel-Land (©Hadley Wickham, Wikimedia, CC)



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