Locarno – ein Traum für Urlauber, eine Herausforderung für den Denkmalschutz

21.07.2014 |  Von  |  Allgemein, Denkmalpflege
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Locarno – ein Traum für Urlauber, eine Herausforderung für den Denkmalschutz
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Die Stadt Locarno mit ihren angrenzenden Gemeinden Muralto, Minusio und Orselina ist für Touristen ein architektonischer Leckerbissen. Die Altstadt mit dem wunderschönen Marktplatz Piazza Grande bildet das Herzstück von Locarno. Ein Platz, dessen eleganten Häuser Geschichte atmen und dessen Atmosphäre man in einem der vielen Strassencafés im Schatten der Laubengänge geniessen kann. Jedes Jahr im August findet auf dem Piazza Grande das „Internationale Filmfestival Locarno“ statt.

Das sonnenverwöhnte Areal rund um Locarno mit über 2.300 Sonnenstunden im Jahr bietet eine Vielzahl an historischen Sehenswürdigkeiten, die aufgrund des subtropischen Klimas eine grosse Verantwortung für die Verantwortlichen der Denkmalpflege in der Schweiz darstellen.



Locarno befindet sich im Schweizer Kanton Tessin am Nordufer des Lago Maggiore und gilt als der wärmste Ort der Schweiz. Verantwortlich für die teils tropischen Temperaturen ist das milde Mittelmeerklima und die Lage im Maggia-Delta, umrahmt und geschützt von den Tessiner Alpen. Deshalb gedeihen hier, im Gegensatz zur übrigen Schweiz, südländische Pflanzen wie Zitrusbäume und Palmen besonders gut, wobei in der Magadinoebene sogar Reis angebaut wird. Einen Grossteil des Jahres herrscht subtropisches Klima mit hoher Luftfeuchte und ausdauernden Niederschlägen. Die Mittelwerttemperaturen betragen um die 12°C, selbst im Winter fällt das Thermometer nicht unter Null. In der übrigen Schweiz und im Bergland liegt das Jahresmittel um bis zu fünf Grad niedriger.

Castello Visconteo – Schlossmuseum mit archäologischer Sammlung (Bild: WPestana, Wikimedia, CC)

Castello Visconteo – Schlossmuseum mit archäologischer Sammlung (Bild: WPestana, Wikimedia, CC)

Vom Schweizer Bundesamt für Statistik wird Locarno dem Metropolitanraum Tessin zugeordnet und bildet mit der italienischen Nachbargemeinde Mailand eine Agglomeration, eine räumliche Verbundenheit.

Hotellerie und der Tourismus bilden seit der verbesserten Verkehrsanbindung Ende des 19. Jahrhunderts das wirtschaftliche Rückgrat der Stadt, weshalb auf die Erhaltung der wertvollen Bausubstanzen besonderes Augenmerk gelegt wird. Immerhin wurde Locarno bereits in der frühen Bronzezeit besiedelt, was zahlreiche Ausgrabungen beweisen. Die Bevölkerungszahl hat sich seit der Übernahme des Römischen Stadtschlosses durch die Eidgenossen Anfang des 16. Jahrhunderts nur unwesentlich vergrössert und beträgt überschaubare 15.000 Einwohner, von denen viele in wahren Denkmälern oder zumindest in deren Nähe wohnen oder Urlaub machen.



Historische Sehenswürdigkeiten in der Altstadt von Locarno



  • Städtische Pinakothek Locarno

In der Casa Rusca ist die Städtische Pinakothek in einem sandfarbenen Bürgerhaus aus dem 18. Jahrhundert untergebracht. Das von aussen recht zweckmässig erscheinende, denkmalgeschützte Gebäude mit seinen grünen, hölzernen Fensterläden wurde 1987 restauriert und verfügt über einen beeindruckenden Innenhof mit Laubengängen und Balkonen. Das Museum beherbergt einen Grossteil der Sammlung von Hans Arp, der als Mitbegründer des Dadaismus gilt und bis zu seinem Tod 1966 in Locarno lebte. Neben eigenen Arbeiten umfasst die Schenkung Gemälde, Holzschnitte und Skulpturen von Künstlern wie Max Ernst, Picasso oder Chagall. Ausserdem besitzt das Museum unzählige Kunstwerke zeitgenössischer Künstler der Schweiz wie Emilio Maria Beretta und Rudolf Mumprech, die gern im Rahmen von Sonderausstellungen gezeigt werden.

Städtische Pinakothek in der Casa Rusca, Locarno (Bild: WPestana, Wikimedia, CC)

Städtische Pinakothek in der Casa Rusca, Locarno (Bild: WPestana, Wikimedia, CC)

  • Castello Visconteo Locarno

Die historische, gut erhaltene Festungsanlage am Rande der Altstadt entstand bereits im 12. Jahrhundert und gehört zum nationalen Kulturgut der Schweiz. Aus der Gründungszeit sind jedoch nur noch die mächtigen Grundmauern aus Granit erhalten. Die sichtbaren und erhaltenen Gebäudeteile des Castollo Visconteo Locarno stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Selbst über einen Hafen verfügte die imposante Festung. Etwa ein Fünftel der ursprünglichen Anlage konnte erhalten werden, was jedoch nicht am natürlichen Verfall oder an kriegerischen Kämpfen lag, sondern am rigorosen Rückbau im Jahr 1532. Die Bewohner von Locarno bauten daraufhin auf dem Abbruch-Areal und mit dem Abbruchmaterial ihre Wohnhäuser direkt neben der Burg. In der ehemaligen, angeblich von Leonardo da Vinci entworfenen Verteidigungsbastion Rivellino befindet sich im dortigen Westflügel das Schlossmuseum mit archäologischer Sammlung.





Castello Visconteo Locarno (Bild: Chris ALC, Wikimedia, CC)

Castello Visconteo Locarno (Bild: Chris ALC, Wikimedia, CC)

  • Bürgerhäuser und Kirchen

In Locarno befinden sich weitere Gebäude von nationaler und kantonaler Bedeutung, die unter Denkmalschutz stehen. Erwähnung finden sollen die Kirche Santa Maria Assunta mit Chorherrenhaus in der Via Cittadella, die Kirche San Francesco mit ehemaligem Kloster in der Piazza San Francesco, die Pfarrkirche Sant Antonio Abate in der Piazzetta de Capitani sowie die Kantonsbibliothek Locarno im Palazzo Morettini in der Via Cappuccini. Neben anderen historischen Gebäuden gehören diese Objekte zu den über 8.000 von der „Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten“ als besonders wertvoll klassifizierten Kulturgütern. Laut Kulturgüterschutzgesetz gehören diese Gebäude zu den Kategorien A und B.

Seinen südländischen, sehenswerten Charme erhält Locarno auch durch die einfachen, liebevoll gepflegten Häuser, die ebenso wie die Schweizer Denkmalpflege in diesem Klima besonders mit Feuchtigkeit im Mauerwerk zu kämpfen haben.



 

Oberstes Bild: Santuario della Madonna del Sasso, Locarno (© Federica Sanna, Wikimedia, CC)

Über Claudia Göpel

Als gelernte Zahntechnikerin schreibe ich exzellent recherchierte Texte rund um die Themen Zahnmedizin, Allgemeinmedizin, Geriatrie und Gesundheit.
Sie profitieren mit mir als Auftragstexterin zudem von einem reichen Erfahrungsschatz in den Berufsbereichen Gastronomie, Kultur und Recht. Blog- und Fachartikel über Kinder, Tiere (Hunde, Katzen, Vögel, Fische, Reptilien, Kleinsäuger, Vogelspinnen), Pflanzen, Mode, Möbel und Denkmalschutz schreibe ich ebenfalls mit Begeisterung und reichlich Hintergrundwissen.
Zum Ausgleich verfasse ich in meiner Freizeit Kriminalstorys sowie erotische Kurzgeschichten, die unter dem Pseudonym Anastasia in zahlreichen Büchern und Erotik-Magazinen veröffentlicht sind. Ausserdem bin ich seit vielen Jahren ehrenamtlich als Klinikclown für kranke Kinder in deutschen Krankenhäusern und Hospizen aktiv.


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